Stuttgart - Protest- und Widerstandsbewegungen überall auf der Welt haben unterschiedliche Facetten. Sie gliedern sich zumeist in einen großen passiven und einen kleineren aktiven oder auch militanten Kreis von Personen. Hinzu kommen die sogenannten "Gesichter des Protests" - meist Prominente aus Politik, Kultur oder Kirche. Den unterschiedlichen Gruppen kommen dabei verschiedene Aufgaben zu. Das lässt sich auch beim Protest gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 beobachten.
Das Aktionsbündnis
Die Dachorganisation trägt den Protest. In ihr sind Umweltverbände, Grüne, Linke und SÖS, aber auch ökologisch ausgerichtete Verkehrsverbände oder kritische Bahnexperten vereint. Seine Wurzeln hat das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 in der von Gangolf Stocker gegründeten Bürgerinitiative Leben in Stuttgart. Es organisiert im Wesentlichen die Infrastruktur des Protests (mobile Bühnen, Mikrofone und Lautsprecher) und hält Kontakt zu den städtischen Behörden und zur Polizei, wenn es etwa um die Anmeldung von Versammlungen oder Demonstrationen geht.
Der Protest läuft innerhalb eines legalen Rahmens ab
Redner und Künstler, die unentgeltlich auftreten, werden angefragt, Informationsmaterial, Prospekte und Flugblätter verfasst, gedruckt und verteilt. Das Bündnis achtet mehr oder weniger streng darauf, dass alle Protestveranstaltungen innerhalb eines legalen Rahmens ablaufen. Ausgenommen sind gewaltlose Sitzblockaden, an denen auch schon Mitglieder des Aktionsbündnisses teilgenommen haben und die rechtlich den Tatbestand der Ordnungswidrigkeit - in manchen Fällen auch der Nötigung - erfüllen.
Die Aktivisten
Ausgerechnet in der ehemaligen Bundesbahndirektion direkt gegenüber dem Bahnhofsnordflügel hat die Initiative Parkschützer ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Von hier aus werden die Aktionen geplant und koordiniert. Gleichzeitig versorgen die Aktivisten regionale und überregionale Medien mit Informationen und Bildmotiven. Matthias von Hermann ist studierter Politologie und hat Erfahrungen als Aktivist bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace gesammelt. Die kommen ihm und seinen Mitstreitern jetzt zugute. Die Parkschützer setzen im Gegensatz zum Aktionsbündnis auch auf sogenannte direkte Aktionen. Oberstes Prinzip dabei ist die Gewaltfreiheit: Nach dem Vorbild von Mahatma Gandhi und Martin Luther King verstoße man bewusst gegen geltende Gesetze und übe zivilen Ungehorsam, so von Hermann. Ein wichtiges Kriterium für die Aktivisten, die auch mit der Umweltorganisation Robin Wood kooperieren, ist dabei die Macht der Bilder. Im Klartext: je spektakulärer eine Aktion ist, umso eher findet sie auch in den Medien ihren Niederschlag.