| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
Stuttgart 21
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Stuttgart 21 Der Schlichter hat gesprochen

Jörg Breithut und Christiane Wild, vom 30.11.2010 17:49 Uhr
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 Foto: dapd
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Stuttgart – Der Schlichter hat gesprochen – und er hat sich Zeit genommen für seine Entscheidung. Zur Mittagszeit wollte Heiner Geißler ursprünglich den Schlichterspruch verkünden. Knapp vier Stunden später hat er sein Büro verlassen und kehrte am späten Dienstagnachmittag in einer Traube etlicher Kamerateams und Fotografen in den Sitzungssaal des Rathauses zurück.

Sein Fazit: der Bau des Tiefbahnhofs soll fortgesetzt werden. "Für Stuttgart 21 gibt es eine Baugenehmigung", sagte Geißler in seiner Abschlussrede, "die rechtliche Situation scheint mir eindeutig". Man könne aus dem Projekt nur aussteigen, wenn die Deutsche Bahn freiwillig auf den Bau verzichte. Zudem sei ein Abbruch des Bahnprojekts Stuttgart 21 zu teuer. "Bei einem Ausstieg entstünden den Projektträgern hohe Kosten", sagte der Schlichter. Die Kosten würden nach Angaben der Gegner 600 Millionen Euro, nach Angaben der Bahn 2,8 Milliarden Euro betragen. Die Idee eines erneuerten Kopfbahnhofs sei zwar technisch möglich und umsetzbar. Die Realisierung könne aber "nicht als gesichert angenommen werden".

Heiner Geißler knüpfte jedoch Bedingungen an den Weiterbau des Tiefbahnhofs. Er legte den Befürwortern eine Liste mit mehrere Punkten vor, die berücksichtigt werden sollen. Geißler forderte, dass die Grundstücke auf der frei werdenden Gleisfläche "den Grundstücksspekulation entzogen" werden und dass der Platz ökologisch und familienfreundlich bebaut werde. Die Frischluftschneise solle erhalten bleiben. Zu den Fällarbeiten im Park sagte Geißler: "Die Bäume im Schlossgarten bleiben erhalten." Im Zweifel sollen Bäume, die weichen müssen, verpflanzt werden.

Proteste im Rathaus


Ein Baustopp bis zur Landtagswahl sei abgelehnt worden, sagte Geißler. Aufgrund möglicher weiterer Proteste empfahl Geißler, die Schlichtungsgespräche in einem ähnlichen Rahmen fortzusetzen. "Die Zeit der Basta-Politik ist vorbei."

Noch während Heiner Geißler seinen Schlichtungsspruch verkündete, formierten sich einige Stuttgart-21-Gegner im Treppenhaus, die zuvor einen Stock tiefer die Übertragung der Gespräche verfolgt hatten. Mit Pfiffen und "Oben bleiben"-Rufen bekundeten die Gegner ihren Unmut über die Entscheidung.

Ministerpräsident Stefan Mappus und Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (beide CDU) zeigten sich erleichtert. "Es ist ein guter Tag für Baden-Württemberg", sagte Mappus. Er verspreche, die geforderten Nachbesserungen transparent abzuarbeiten. Gönner erklärte, sie freue sich darüber, dass Geißler sich "so klar für den Weiterbau" ausgesprochen habe. Allerdings will die Bahn die Bauarbeiten nicht unmittelbar wieder aufnehmen. Der Bahn-Techikvorstand Volker Kefer sagte: "Die Bagger werden nicht gleich wieder rollen."

Grüne und SPD kritisieren das Urteil


Bei der Landtags-SPD stieß das Urteil auf Kritik. "Es ist unverständlich, dass Geißler bei Stuttgart 21 einen Volksentscheid ablehnt, obwohl er eigentlich mehr Bürgerbeteiligung bei Großprojekten fordert", sagte Vizefraktionschef Nils Schmid. Der Schauspieler und Projektgegner Walter Sittler hofft trotz der klaren Worte des Schlichters auf eine Alternative zu Stuttgart 21. "Ich erwarte, dass die Bahn ihre gesamte Planung noch einmal überarbeitet und dann merkt, dass die Kosten für das Projekt einfach zu hoch sein werden", sagte Sittler.

Der Grünen-Fraktionschef des Gemeinderats, Werner Wölfle, hielt auch nach der Schlichtung an der Idee des Kopfbahnhofs fest. Er sagte: "Die einzige Chance für K21 ist, die Landesregierung abzuwählen." Brigitte Dahlbender, die Vorstitzende des BUND in Baden-Württemberg, schloss sich diesem Urteil an. "Wir haben es in der Schlichtung geschafft, K 21 als das bessere Projekt herauszustellen. Wir bedauern, dass die Angst der Befürworter vor einem Baustopp diese dazu bewogen hat, bei S 21 zu bleiben", sagte Dahlbender.



Die Forderungen des Schlichters:


1. Die Bahn soll eine Computersimulation zu Stuttgart 21 durchführen, um Engpässe des Bahnhofs zu verdeutlichen.

2. Alle Bäume im Schlossgarten sollen erhalten bleiben. Nur die Bäume, die ohnehin absterben werden, dürften gefällt werden.

3. Der geplante Tiefbahnhof soll um zwei weitere Gleise ergänzt werden. Bisher sind acht Gleise vorgesehen.

4. Die frei werdenden Grundstücke auf dem Gleisvorfeld sollen ohne den Einfluss von Spekulanten geplant werden.

5. Eine Frischluftschneise soll beibehalten werden.

6. Bei der Nutzung der Flächen soll die Familien-, Behinderten- und Kinderfreundlichkeit beachtet werden.
Kommentare (9)
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DEZ
01
08:56 Uhr, geschrieben von hitman23
Klarheit
Wenn hier von Klarheit und "offene Fakten" seitens S21 gesprochen wird, klingt das für den Bürger, der die Schlichtung verfolgt hat, als blanker Hohn. Unschwer zu erkennen war, das sämtliche relevante Daten bezüglich Finanzierung unter Verschluß gehalten wurden und von den Wirtschaftsprüfern als "optimistisch" beurteilt wurden. Den Fahrplan, der eigentlich nach 15 Jahren Planung geben sollte und einen daraus resultierenden Bahnhof gibt es nicht, also ist es normal, erst mal ein Produkt zu bauen, um dann zu schauen, wozu es fähig ist??? Mir als Laie ist eine solche Vorgehensweise nicht nachvollziehbar. Des weiteren ging die Schlichtung leider in keinster Weise auf die schon ohnehin schöngerechnete Finanzierung mit teilweise sogar rechtswidrigen Finanzplanungen, sowie der äußerst seltsamen DM/€ - Buchhaltungsfehler ein und überging diese für Bürger sehr wichtigen Punkt fahrlässig schnoddrig. Bei einem Fehler, der mehrere Milliarden beträgt, genügt es nicht, eine Handzettelrechnung aufzustellen und dann zu sagen, das dies Fakt ist. Eine Planfeststellung erfolgt mit einer solchen Kostenkalkulation seitens BAST, also muß ja die DB/der Bund sowie alle Gremien mit den falschen Zahlen hantiert haben, weswegen eine falsche Beschlußlage vorgelegen hat und somit ein neues Verfahren angestrengt werden muß. Aber es wird wohl weitergebaut, obwohl meines erachtens noch viel mehr dafür spricht, den Bau auszusetzen, was die Wut der Bürger weiter anheizen dürfte. Mich hat der Schlichterspruch leider nicht überzeugt, denn Heiner Geißler ging hierbei in keinster Weise auf die eigentlichen Probleme des S21-Projekts ein. Nebenschauplätze, nicht unwichtig, aber eben Nebenschauplätze wie Sicherheitsfragen und Bäume nehmen den PLatz ein, welchen die undurchsichtige Finanzierung und die Gefahr des Bohrens für den Keuper und das Grundwasser angeht. Auf die Sorgen der Bürger ging die Schlichtung leider nicht ein. Somit war diese Schlichtung im eigentlichen Sinn kein Gewinn für die Demokratie, sondern ein Versuch der Befürworter, den Konflikt die Schärfe zu nehmen, was mit diesem Schlichterspruch wohl nicht gelingen dürfte.
NOV
30
23:40 Uhr, geschrieben von bekien
Der Schlichter hat gesprochen
Ich denke, dass es jetzt den Bürgern endgültig reicht. Die CDU hat mit der Bahn nach dem Auftritt von Heiner Geissler und dessen Schlichterspruch mit Sicherheit die Korken ´gen Decke knallen lassen (Auf, der Mappus zahlt heut!) Die aufgetragenen Hausaufgaben waren für mich zu locker und cool angenommen worden. (Tri tra trall lal la.......das Keferle ist wieder da!)Herr Kefer fiel mir dabei am aller deutlichsten auf und sein Gesichtsausdruck glich doch sehr dem "Kasperle", denn sein Mund war vom linken bis zum rechten Ohr gespannt. Ich denke, solche Auftritte sind nicht gut, oder besser gesagt überhaupt nicht gut, findet ihr nicht auch? Ich fühle mich irgendwo trotzdem kräftig verschaukelt. Geht es euch auch so? Wehe, wehe, wenn ich dann das Ende sehe! Grüße aus dem Volke, das die Politik, so denke ich schwer unterschätzt, denn die Straßen werden jetzt mit Sicherheit erst recht voll, zu voll!!
NOV
30
23:19 Uhr, geschrieben von bekien
Schlichterspruch
Leutle, Leutle,................mir war gar nicht wohl. Vor allem aber die Gesichter der kompletten CDU und der Bahnbosse. Ich hatte nach mehrfachem Wiederholen der Fernsehaufnahmen den Ton ausgeschaltet und die Gesichter auf mich wirken lassen. Ganz ehrlich, ich fühle mich richtig auf den Arm genommen. Herr Kefer, dessen Dauergrinsen war nicht auszuhalten. Herr Mappus war kurz davor, vor Freude fast zu platzen und Herr Schuster und die Gönner verhielten sich wie Kinder bei der Geschenkeverteilung. Eigenartig, oder wie ging es euch so? Da liegt doch was in der Luft, oder schon wieder etwas unter dem Tisch? All über all auf den Ruinenritzen sah ich teure Euros blitzen!
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