Stuttgart 21 Der Tiefbahnhof besteht den Stresstest

Von  

SMA bescheinigt dem Tiefbahnhof eine "wirtschaftlich optimale Betriebsqualität". Den Schlussbericht gibt es zum Herunterladen im Netz.

Das Gutachten der SMA bescheinigt den Planern, dass Stuttgart 21 Verspätungen merkbar verringern wird. Foto: Visualisierung Aldinger & Wolf
Das Gutachten der SMA bescheinigt den Planern, dass Stuttgart 21 Verspätungen merkbar verringern wird.Foto: Visualisierung Aldinger & Wolf

Stuttgart - Die entscheidenden Sätze finden sich auf Seite 13 eines Werkes (PDF), dessen Erscheinen von manchen schon zu einem der herausragendsten Ereignisse der jüngeren Landesgeschichte ernannt wurde. "Unsere Prüfung der Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit dem der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können", schreibt Werner Stohler, Chef der Schweizer Eisenbahnsystemplanungsgesellschaft SMA. Danach kommt er zu dem Schluss: "Die vom Schlichter geforderten anerkannten Standards des Eisenbahnwesens sind eingehalten."

Damit ist nun amtlich, was Gegner und Befürworter von Stuttgart21 bereits seit Tagen - je nach Sichtweise - befürchtet oder erhofft haben: Der geplante Tiefbahnhof hält dem Stresstest des neutralen Gutachters aus der Schweiz stand. Zwar komme es bei einer Zahl von 49 Zügen während der Spitzenstunde zwischen 7und 8 Uhr "zu einem leichten Verspätungsaufbau im Zulauf zum Hauptbahnhof und anschließend auch wieder auf der Wegfahrt von Stuttgart nach außen". Die eingeplanten Fahrplanreserven im neuen Hauptbahnhof "erlauben dagegen einen Verspätungsabbau, der größer als die beiden anderen Durchschnittswerte ist". Konkret heißt das: nach Meinung von SMA wird Stuttgart 21 in der Lage sein, Verspätungen zwar nicht in großem Stil, aber doch merkbar zu verringern.

Normen anzuzweifeln gehöre nicht zum Aufgabenbereich

Ob damit die Anforderung des Schlichters Heiner Geißler, der einen Fahrplan mit "guter Betriebsqualität" sehen wollte, erfüllt ist, lässt SMA-Chef Stohler allerdings offen. Er verweist auf das Regelwerk RiL 405 der DB Netz AG. Darin sind im Blick auf die Betriebsqualität vier Qualitätsmerkmale definiert: "Premium", "wirtschaftlich optimaler Leistungsbereich", "risikobehaftet" und "mangelhaft". Vereinfacht formuliert heiße "Premium", dass alle Systemelemente so zusammenwirken, "dass sich ein Verspätungsabbau einstellt". Von einer "wirtschaftlich optimalen" Betriebsqualität könne gesprochen werden, wenn "sich Verspätungen nicht abbauen, sondern gleich bleiben oder nur minimal erhöhen".

Zumindest "über diese technisch-wirtschaftliche Vorgabe herrscht Konsens zwischen Eigentümer, Aufsichtsbehörden und der wirtschaftlich verantwortlichen Infrastruktur-Gesellschaft", schreibt Stohler lakonisch in dem 202 Seiten starken Werk, das er am Donnerstag an die Bahn, das Land und den Schlichter Heiner Geißler übergeben hat. Danach aber wird er ebenso ärgerlich wie unmissverständlich. Es könne nicht Aufgabe des Gutachters sein, "die in Deutschland geltenden Normen in Zweifel zu ziehen", stellt der SMA-Chef fest. Dieses Thema gehöre "auf die politische Ebene". Es berühre die Frage, "welche strategischen Vorgaben der Unternehmenseigner an die Unternehmensführung vorgibt".

  Artikel teilen
69 Kommentare Kommentar schreiben

Zur Leistungsfähigkeit von K20: Mit ist aufgefallen, dass der SMA+ Stresstest-Bericht im Steckbrief 'SI-05' auch Verspätungsstatistiken aus dem realen Betrieb heute enthält. Dies diente dazu, die Simulation-Ergebnisse zu zu plausibilisieren, indem auf den sich wenig veränderten Streckenabschnitten (also den äußeren Abschnitten) auf eine im Vergleich zu heute ähnliche Verspätungsentwicklung geachtet wurde. Die Tabellen enthalten aber die Werte bis Stuttgart Hbf (K20), und offenbaren, wie schlecht es um die derzeitige Betreibsqualität bestellt ist. (S. 160 und 163ff des PDFs) ________________________________________________________________________________________________ So steigen wie erwartet die Verspätungen auf den Strecken, die im Bereich Cannstatt-Stuttgart das S-Bahn Gleis mitbenutzen müssen, drastisch an: so im Nahverkehr z.B. um 110 Sekunden (von ca. 70s in Waiblingen auf 180s in Stuttgart Hbf.) auf der Strecke Schw.Hall/Hessental->Stuttgart Hbf, und um ca. 90 Sekunden (vom 50 auf 140 Sekunden) auf der Strecke Tübingen->Stuttgart Hbf. Ähnlich schlecht sieht es Auf der Strecke Aalen->Stuttgart aus: Ein Anstieg von etwa 10s in Waiblingen auf 90s in Stuttgart Hbf. Dagegen scheinden die Relationen ohne S-Bahn-Mischverkehr recht gut ab: auf der Relation Heilbronn->Stuttgart beträgt der Anstieg im Schnitt 'nur' etwa 40 Sekunden. Und auf der Strecke Ulm->Stuttgart (also Ferngleise von Cannstatt) können von Plochingen bis Stuttgart gar 10s abgebaut werden. _______________________________________________________________________________________________ Dies bestätigt, das die Mit-Nutzung der S-Bahn-Gleise eine gute Betriebsqualität ausschließt: dort ist die Betriebsqualität definitv höchstens 'risikobehaftet' zu nennen. Änhlich schlecht sieht es leider im Fernverkehr aus: Hier beträgt der Verspätungsanstieg zwischen Vaihingen/Enz und Stuttgart etwa 130 Sekunden, und bis Ulm kommen weitere 30 Sekunden hinzu. ________________________________________________________________________________________________ Fazit: Es ist wie erwartet auch anhand der Meßdaten offensichtlich, dass der jetzige Bahnknoten an seiner Leistungsgrenze angekommen ist, und keine gute Betriebsqualität mehr bietet, ein Stresstest für K20 also völlig unnötig. Das die Bahn das nicht offensiv begründet ist auch verständlich: es ist keine Reklame für's Bahnfahren im Raum Stuttgart heutezutage!

Montesquieu: Sie erinnern falsch. Es gibt 4 Noten, dabei entspricht „premium“ der Note 1 und 'wirtschaftlich optimale Betriebsqualität' der Note 2. Des weiteren sollten Sie das Gutachten in Sachen Verspätungen und Ausfall des S-Bahn-Tunnels lesen, ehe Sie hier Unwahrheiten verbreiten.

stress-test: Leute, was gibts zu überlegen oder zu stressen, zu diskutieren oder zu schwätze: Der park muss erhalten bleiben. das mineralwasser auch. punkt. oben bleiben

12:11 Uhr, geschrieben von Ing21 Jeder mündige Bürger sollte sich den Audit durchlesen: Auch ihr Nicknam mit denm Ing 21 macht ihren beitrag besser , den sie haben mit sicherit keine Ahnung von der ganzen Materie. Ich verlasse mich da mal ganz auf die Präsentation und wenn 'richtige Ingenieuren' das Gutachten dann erläutern . Alles was man hier zu lesen bekommt sind lediglich die üblichen grossspurigen Anmassungen man wäre Fachmann und wüsste bescheid! Unterm Strich seit ihr nur frustrierte Lohnschreiber des noch frustrierterem Aktionsbündnisses .

notengebung: die bahn hat ein 3gliedriges notensystem: 1= permium-qualität oder früher gute betriebsführung 2= wirschaftlich optimal oder früher befriedigende (ausreichende) betriebsqualität 3= mangelhaft bis ungenügend. auch diese kenntnis gehört zur note 2, wird aber bisher von allen beteiligten bewußt verschwiegen. der heutige bahnhof hat die note 1.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.