Stuttgart 21 Der Zeitplan droht zu scheitern

Von Thomas Braun 

Am Südflügel des Hauptbahnhofs nagt der Abrissbagger, die Bäume im Mittleren Schlossgarten sollen bald fallen. Doch was passiert danach?

Kann die Bahn ihren Zeitplan für Stuttgart 21 einhalten? Foto: dpa
Kann die Bahn ihren Zeitplan für Stuttgart 21 einhalten?Foto: dpa

Stuttgart - Am Südflügel des Hauptbahnhofs nagt der Abrissbagger, und auch die Bäume im Mittleren Schlossgarten sollen laut Bahn bald fallen oder versetzt werden. Doch was passiert danach? Kann die Bauherrin Bahn wie geplant im Juni die Baugrube im Schlossgarten ausheben lassen oder droht in der Stadtmitte womöglich eine monatelange Baubrache?

Der Zeitplan, den die Bahn sich noch im September 2011 selbst gesetzt hat, legt zumindest den Schluss nahe, dass es mehrmonatige Verzögerungen beim Baubeginn für den Tiefbahnhofstrog geben könnte. Zahlreiche Vergaben, die für einen Baustart im Sommer nach internen Bahn-Unterlagen, die der StZ vorliegen, als notwendig erachtet wurden, sind noch immer nicht erfolgt, und die nachfolgenden detaillierten Ausführungsplanungen erfordern zusätzlich Zeit.

„Selbst unter Mitwirkung aller Projektpartner alle Aktionen zeitkritisch“ – diese Warnung prangt auf dem Papier, das Bahnvorstand Volker Kefer im September 2011 zunächst dem Aufsichtsrat des Konzerns und wenige Tage später dem Lenkungskreis der Projektpartner präsentierte. Darin listet er jene Arbeiten auf, die den Bauablaufplan der Bahn zu diesem Zeitpunkt gefährden könnten: „Vergaben Planfeststellungsabschnitte 1.1 und 1.5 bis Oktober 2011“, heißt es dort unter anderem. Stand heute hat die Bahn aber noch immer keinen Auftragnehmer für den Tiefbahnhofstrog nebst Nesenbachdüker und für die Tunnels nach Feuerbach und Bad Cannstatt präsentiert. Und: erst nach der Vergabe beginnt die Ausführungsplanung, die in der Regel mehrere Monate in Anspruch nimmt.

Gleiches gilt für den Bau des Technikgebäudes unter dem Kurt-Georg-Kiesinger Platz. Weil sich die Bahn von der damit beauftragten Firma Wolff & Müller getrennt hat, musste der Auftrag neu ausgeschrieben werden. Eine neuerliche Vergabe ist bisher noch nicht erfolgt. Auch die für das Projekt notwendigen Umbauten im Bereich der Stadtbahnhaltestellen Heilbronner Straße und Staatsgalerie sollten demnach im April dieses Jahres beginnen. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung ist jedoch die sogenannte Kreuzungsvereinbarung zwischen der Bahn und der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) für die Haltestelle Staatsgalerie nach wie vor strittig. Der ursprünglich für den 14. Februar angesetzte Termin für eine Diskussion des Vertrages im SSB-Aufsichtsrat ist daher auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Auch beim Grundwassermanagement läuft es langsam

Auch beim Grundwassermanagement wollte die Bahn weiter sein. Wie berichtet, hatte sie im Frühjahr 2011 bereits einen Antrag auf die Verdoppelung der Entnahmemenge (6,8 statt drei Millionen Kubikmeter) gestellt, mit der Genehmigung wurde für Oktober 2011 gerechnet. Zwischenzeitlich wurde der Antrag aber zur Überarbeitung zurückgezogen: Laut Umweltministerium muss die Bahn offenbar noch höhere Wassermengen abpumpen als bisher bekannt und plant daher, eine zusätzliche Steuerungsanlage möglicherweise auf dem Gelände des binnen Wochen abgerissenen Südflügels zu bauen. Wie viel zusätzliches Wasser tatsächlich abgepumpt werden muss, wie lange der Bau der zweiten Abpumpzentrale dauert und wann diese Anlage – Voraussetzungen für die vorgesehenen Tiefbauarbeiten im Schlossgarten – in Betrieb gehen kann, konnten bisher weder die Stadt Stuttgart noch die Landesregierung bei der Bahn in Erfahrung bringen. Das Staatsministerium wollte zu dem Thema auf Anfrage keinen Kommentar abgeben, und das Stuttgart-21-Kommunikationsbüro sah sich im Lauf des gestrigen Tages nicht in der Lage, eine Anfrage der StZ zu beantworten.

Auch bei einem weiteren Bauabschnitt des Projekts Stuttgart 21 gibt es offenbar keine Fortschritt. Im Abschnitt 1.3, für den das Planfeststellungsverfahren noch nicht begonnen hat, hinkt die Bahn zwei bis fünf Jahre hinter ihrem Zeitplan her (die StZ berichtete). Am Dienstagabend hat der DB-Bevollmächtigte für Baden-Württemberg, Eckart Fricke, hinter verschlossenen Türen der Rathausspitze von Leinfelden-Echterdingen sowie Mitgliedern des Arbeitskreises Stuttgart 21 auf den Fildern Planungsvarianten für die Strecke zwischen Rohrer Kurve und Flughafen erläutert. Doch der Neuigkeitsgehalt war nach Angaben von Teilnehmern eher gering. Dazu passt der dieser Tage erfolgte Hinweis von Bahnchef Rüdiger Grube: Stuttgart 21 werde nicht wie bisher kommuniziert 2019, sondern wohl frühestens 2020 fertig.

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Ihr bekommt uns nicht los. Wir Euch schon!: Den Stadtzerstörern von Bahn, CDU, SPD, FDP und den sogenannten Grünen war lange vor der Verwüstung Stuttgarts klar, daß dies zum jetzigen Zeitpunkt völlig überflüssig ist. Sie wussten, daß noch Monate, wenn nicht Jahre vergehen, bis die Baugrube ausgehoben werden kann, da ohne das Grundwassermanagement gar nichts geht. Trotzdem wurde die Zerstörung Stuttgarts Anfang des Jahres fortgesetzt, alleine mit dem Ziel dem Widerstand gegen diesen Irrsinn das Genick zu brechen. Nur Pech, daß dies gewaltig daneben ging. Der Widerstand lebt. Jeden Montag treffen sich ca. 2000 Menschen von den Medien ignoriert, am Marktplatz. Die Stuttgarter Erklärung zur Fortführung des Widerstands wurde von 12 000 Menschen unterschrieben. Spätestens, wenn die Menschen am eigenen Geldbeutel merken, daß sie den Irrsinn Stuttgart 21 zahlen müssen, werden wieder Hunderttausende auf der Strasse sein. Ich freue mich schon darauf! In diesem Sinne: Oben bleiben!

S 21 Fond: Wie wäre es einen Fond einzurichten um die Mehr- oder gar Komplettkosten von S 21 aufzubringen? Bei so vielen fast schon militanten Befürwortern sollte Kraft deren Einzahlung doch ein hübsches Sümmchen zusammenkommen, wahrscheinlich sogar genug um die kümmerlichen 8 Gleise im Bahnhofsbereich zu vergolden....oder vielleicht doch nicht wo es an ihren eigenen Beutel ginge? Liebe Stuttgarter, es tut mir leid für euch, aber ihr werdet wohl mit einer gewaltigen Bauruine leben müssen, vielleicht auch noch mit ein paar lustigen Bodenverwerfungen und daraus resultierenden Hausruinen. Der Turmbau zu Babel Vol 2, viel Spaß!

Harmlose Frage: Warum wollen Baufirmen diese tollen Aufträge nicht annehmen?: Ach so: Weil sie bei Mißlingen selber in die Haftung kommen und insolvent werden, nicht die schlaue DB! Ein Schelm, wer da böse denkt, daß es vielleicht doch ein bissel schwierig werden könnte mit diesen noch nie dagewesenen Giganto- Baumaßnahmen! Der vielzitierte Nesenbach-Düker, vor dem schon Wolff & Müller zurückgewichen sind, spricht Bände! Hier sollte nun auch der letzte S21-Fähnchenschwenker erkennen, daß der fragwürdige Volksentscheid eher Nebenkriegsschauplatz war: vor den Realen Mühen und Kosten wird die großmannssüchtige DB kapitulieren müssen. Herr Grube (vorher eher erfolgsarmer Daimler- u. Rüstungs-DASA-Manager) wird da vielleicht schon im vergoldeten Ruhestand sein. OB Schuster ists schon bald. Doch wir Stuttgart-Bewohner müssen dann ein Riesen-Bauloch im Herzen der Stadt ausbaden.

Aufklärung erforderlich: - Wann wird dieses blödsinnige Projekt endlich gestoppt? - Wann klärt die StZ und andere Zeitungen endlich die Bürger richtig über diesen Schwachsinn21 auf? - Wann wird in der StZ endlich über die Lügenmärchen der Bahn berichtet? - Wann wachen die Redakteure auf und sagen: Jetzt reichts?

@Frank, Schwabe in Polen: Zunächst danke für die Schützenhilfe, aber sie verbreiten wieder Halbwahrheiten oder verdrehen die Dinge, denn Zitat Das nämlich die Bahn stehts akkurat informiert hat, und die Kritik an der Bahn und S21 größtenteils auf Verdrehungen und Halbwahrheiten beruht? Natürlich stürzen wir uns auf die Hälfte der Wahrheit, die in unsere Argumentation passt, aber das Problem bestünde doch gar nicht, wenn sofort die GANZE Wahrheit bekannt würde. Vergabe von 90% der Tunnelarbeiten zum Festpreis. Nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig, da zwei zentrale Vergaben storniert wurden. Restlichen nur auf Basis der Entwurfsplanung (die eine Wahrheitshälfte), Ausführungsplanung noch zu erstellen (die andere Wahrheitshälfte) macht 'mal wieder' 6 Monate Zeitverzug. Aber alles kein Problem, wird halt die IBN-Phase von 12 auf 7 Monate veerkürzt und der Rest über Optimierung Bauabläufe. Denn eigentlich braucht das BESTGEPLANTE Projekt in der Gechichte der DB überhaupt keine Testphase, man kann direkt nach Fertigstellung den Produktionbetrieb aufnehmen - im Jahr 2025ff. @Interssierter, ich kenne ihr Alter nicht, aber ich hoffe das Jahr 2025 noch zu erleben. Wie wäre es also mit einer 'Langzeitwette'

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