Stuttgart 21 Die Debatte über Bahnsteigbreiten gerät zur Posse

Von Jörg Nauke 

Der Stuttgarter Baubürgermeister Matthias Hahn hat Einwände der Stadt gegen die Planung des Tiefbahnhofs ans Eisenbahnbundesamt geschickt. Ein Punkt sind die Breiten der Bahnsteige – die dem Schreiben nach an anderen Haltestellen von der Bahn ganz anders bewertet werden.

So stellt der Schultes von Hegne das Problem an seinem Bahnsteig dar. Foto: Gemeinde Allensbach
So stellt der Schultes von Hegne das Problem an seinem Bahnsteig dar.Foto: Gemeinde Allensbach

Stuttgart - Baubürgermeister Matthias Hahn hat am Donnerstag ein Schreiben mit Einwendungen der Stadt gegen die Planung des Tiefbahnhofs an das Eisenbahnbundesamt (Eba) geschickt. Die Stadt legt demnach wegen des Brandschutzes Wert darauf, dass die Ausstiegsluken der acht zusätzlichen Fluchttreppenhäuser „flächenbündig“ ausgeführt werden. Die begrünten Schachtdeckel benötigten eine Bewässerung, um ein Austrocknen zu verhindern. Die Branddirektion hat Fugenheizungen für notwendig erklärt und ein Aerodynamik-Gutachten für den Straßburger Platz gefordert, weil sich genau dort aus den Lichtaugen quellender Qualm ausbreiten würde, wo die Rettungswege aus dem Tiefbahnhof endeten.

Die Feuerwehr erklärt gegenüber dem Eba, dass durch die Treppenhäuser Engstellen auf den Bahnsteigen mit nur 2,05 Meter Breite entstünden. Im Technischen Ausschuss waren diese Engpässe kritisiert worden. Die Grünen forderten die Bahn auf, bei ihrem neuen Evakuierungskonzept jene 49 Züge in der Spitzenstunde zu berücksichtigen, die sie im Stresstest für den Tiefbahnhof als möglich erachtete – und nicht nur jene 32, die im bisherigen Gutachten unterstellt seien. Der Gründer der Internetplattform Wikireal, Christoph Engelhardt, dem die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke im April im Ausschuss gerne ein Rederecht gewähren würde, hat vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass der Konzern selbst Bahnsteigbreiten von 2,05 Meter für unzulässig erkläre.

Wie breit ist der Bahnsteig in Hegne?

In der entsprechenden Richtlinie sei bei diesem Wert „der Nachweis über ein ausreichendes Flächenangebot nach dem Verkehrsaufkommen zu führen“. Das sei aber unmöglich. Für den Projektkritiker steht fest: Die 2,05 Meter gelten nicht für zentrale Durchgänge in einem großen Knotenbahnhof, sondern nur für das Bahnsteig-Ende in ,Hintertupfingen’.“

Hier täuscht sich Engelhardt: Gerade dort scheint die Bahn darauf erpicht zu sein, Bahnsteigbreiten zu optimieren, jedenfalls, wenn sie dadurch Kosten für Modernisierungen auf Dritte abwälzen könne, wie Helmut Kennerknecht, Bürgermeister von Allensbach am Bodensee, vermutet. Er wundert sich jedenfalls, dass die Bahn an seinem Haltepunkt im Teilort Hegne eine seit fast 50 Jahren „problemlos vorhandene Engstelle von 2,10 Meter“ beseitigen will“. Für 180 000 Euro sollen dort drei Oberleitungsmasten versetzt werden, damit man am Ende des Bahnsteigs einen halben Meter mehr Platz bekommt – also dort, wo bereits Gras drüber wächst, weil sich kein wartender Fahrgast hinverirrt. An einem Haltepunkt mit nicht einmal 200 Fahrgästen – pro Tag, während es im Stuttgarer Tiefbahnhof sicher 100 Mal mehr Fahrgäste geben werde.

Auch erfolge dort die Verengung über eine viel längere Bahnsteigstrecke, wundert sich der Dorfschultes in einem Papier, das er seinem Gemeinderat präsentierte und nun zu seiner Überraschung schon den Weg in die Landeshauptstadt gefunden hat. Wolfgang Dietrich vom S-21-Kommunikationsbüro verlautbarte am Donnerstag Nachmittag allerdings nach einer StZ-Anfrage: „Die Oberleitungsmasten in Hegne am Bodensee stehen mit einem Abstand von 1,70 Meter zur Bahnsteigkante und müssen deshalb im Rahmen der Umbaumaßnahme versetzt werden. Bei einem Abstand von 2,05 Meter wäre dies regelkonform und eine Versetzung entsprechend nicht notwendig.“

Das wollte der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen. Gerade von einer Beerdigung zurück, erklärte er sich bereit, nach Dienstschluss zum Bahnsteig zu eilen und noch einmal den Zollstock zu zücken. „Ich hatte mich tatsächlich etwas ungenau ausgedrückt“, räumte Kennerknecht darauf ein – lächelnd. „Es sind nämlich nicht nur 2,10 Meter, sondern sogar 2,14 Meter zwischen Bahnsteigkante und dem Oberleitungsmasten.“

Hahn bemängelt außerdem die Pflanztröge

Handlungsbedarf sieht die Stadt Stuttgart nicht nur unter der Erde, sondern auch an der Oberfläche des Tiefbahnhofs. So stimmt Bürgermeister Hahn der „schlangenförmigen Treppenanlage“ entlang des Bahnhofsgebäudes nicht zu. Sie sei städtebaulich unbefriedigend und behindere eine barrierefreie Querung des Platzes. Er regt eine Rampe mit maximal zehn Prozent Gefälle an. Um eine möglichst große Barrierefreiheit zu erreichen, sollten die Treppen neben dem mittleren Eingang zum Bahnhof Rampen für Fahrräder und Kinderwagen bekommen.

Die Verwaltung bemängelt zudem, dass die Pflanztröge für die von der Bahn geplanten Bäume nicht ausreichend bemessen seien. Zwölf Kubikmeter „durchwurzelbares Volumen“ müssten es schon sein – oder man pflanzt eben kleinere Bäume. Irritiert ist die Stadt darüber, dass die denkmalgeschützte Bahndirektion „entgegen der Planfeststellung komplett als Abbruch“ dargestellt werde, obwohl der vordere Flügel erhalten werde müsse. Die Bahn selbst hat kürzlich den Erhalt zugesagt.

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183 KommentareKommentar schreiben

@dipl. ing. (fh) franziska theissen, 12:16 Uhr, weiter nichts Neues: --1-- Kosten: -a- Ich habe mein Wochenende nicht damit verplembert, so eine Recherche braucht nicht ewig. -b- Nachdem ich nichts gefunden habe und Sie auch nichts nachweisen können oder wollen tu ich das mal als unbewiesene Behauptung ab. --2-- -a- "Alternativen für die Baudurchführung des Nesenbachdükers wurden untersucht, jedoch aufgrund der geologischen Gegebenheiten und den daraus resultierenden wasserwirtschaftlichen Anforderungen wieder verworfen" aus der Dükergenehmigung von 2005. Warum sollte also "die offene bauweise" genehmigt werden, wenn die ursprünglich doch alternativlos war? Warum wurde überhaupt eine "Alternative" gesucht, nachdem diese ja schon 2005 verworfen wurden -- Warum Sie schreiben: "dann ist es auch uninteressant ob die gipsschutzschicht dabei angegraben werden soll oder nicht.", ist für mich NICHT nachvollziehbar. -b- Sie sollten vielleicht auch etwas recherchieren bevor Sie irgendetwas behaupten. Das ist schon das wiederholte male, dass ich Sie auf darauf hinweisen muss, wie S21 gebaut werden soll. Als Befürworter sollte man doch zumindest ein paar Grundlagen von dem haben, was man in seinen Kommentaren verteidigt. Vor allem wen man auch noch den Dipl-Ing(FH) so hoch hält wie Sie. -c- "was haben die ausnahmeregelungen für den bahnhof mit dem gwm zu tun?" Die Ausnahmegenehmigung für den Bau von S21 im Mineralwasserschutzgebiet wurde erteilt (2005), BEVOR die neuesten Erkenntnisse zum Grund- und Mineralwasser (2011) da waren (min. doppelte Menge Grundwasser abzupumpen). Man sollte also vielleicht die Ausnahmegenehmigung überdenken. -d- Tolles Argument. Können Sie auch irgendwie den Einfluss des Baus von S21 darauf belegen: "verschmutzung durch gifte geschützt". --3-- ... --4-- Sie weichen aus, da es von mir KEINE Horrormeldungen gibt. Bestenfalls empfinden Sie dies als Horrormeldung, wenn ich die falschen VersprecheR der DBahn anzweifle. --5-- "das mit dem verantwortungsbewusstsein, dem gewissen, der liebe zur eisenbahn und die volkswirtschaftlichen interessen nehme ich ihnen nicht ab" Ich wohne seit 14 Jahren definitiv in Südpolen bei Krakau. Ich habe also weder etwas davon, wenn S21 gebaut wird noch wenn es nicht gebaut wird. Nennen Sie mir bitte einen anderen Grund, warum ich mich hier so engagiere.

Frank Polen, 12:49 Uhr: ich versuche es nochmal. mein kommentar wurde mal wieder nicht veröffentlicht. 1.--------- toll, sie haben ihr wochenende dazu verplempert einen kommentar von mir aus fernen vergangenheiten zu finden. ich mache mir keine notizen wann ich was zu welchem thema schreibe, deshalb kann ich ihnen auch nicht sagen wann und wo ich was zu den baukosten geschrieben habe. die frage ist damit beantwortet. ich habe vor dem ve von 7 milliarden geschrieben und nein, ich weiß nicht wo und wann. sie werden trotzdem nochmals nachfragen, ich weiß. 2a------------- ich dachte die offene bauweise wird nicht genehmigt? dann ist es auch uninteressant ob die gipsschutzschicht dabei angegraben werden soll oder nicht. b-------------- ja, der neue bahnhof kratzt die kernzone an. von mir aus. c------------- was haben die ausnahmeregelungen für den bahnhof mit dem gwm zu tun? d--------- den punkt d setze ich hinzu. wie soll das mineralwasser langfristig vor verschmutzung durch gifte geschützt werden, wenn s 21 nicht kommt? 3--------- ja, lassen wir uns überraschen. 4---------- da brauche ich nicht konkret werden, lesen sie sich einfach ihre vielen kommentare durch. 5---------- sehen sie, ich habe ein paar ihrer fragen jetzt beantwortet. sie brauchen dazu also nicht weiter zu fragen. ------------ und nochmals, das mit dem verantwortungsbewusstsein, dem gewissen, der liebe zur eisenbahn und die volkswirtschaftlichen interessen nehme ich ihnen nicht ab.

@dipl. ing. (fh) franziska theissen, 17:52 Uhr, Nichts wirklich Neues: und Wertvolles konnte ich in Ihrem Kommentar entdecken. --1-- zu den Kosten von 7 Mrd., welche Sie schon immer gekannt haben wollten. Das habe ich gefunden " spötter, 12:47 Uhr, Bahnhofsgegner geißeln Kostenexplosion, geißlert ihr wieder was? isch jo nix neis." (StZ 10.12.2012). Aber Sie wissen sicherlich noch, wann Sie auch mal was sinnvolles zu den Kosten geschrieben hatten (vielleicht noch vor der VA) --2-- Mineralwasserschutz -a- "woher wissen sie, dass die mineralwasserschutzschicht angekraben werde soll?" Folgendes steht in der StN vom 25.11.2013: "Die Bahn schlägt jetzt die offene Baugrube vor. Dazu würde eine Bohrpfahlwand bis zu 3,5 Meter tief in die abdichtende Grundgipsschicht gerammt." und dort steht eindeutig "3,5 Meter tief in die abdichtende Grundgipsschicht". Noch Fragen Frau Dipl-Ing(FH). -b- "mineralwasserschutzgebiet" - Der S21-Bahnhof quert die INNENZONE des Mineralwasserschutzgebietes. Und es ist unerheblich wann das Mineralwasserschutzgebiet erstellt wurde. -c- Für die Arbeiten im Mineralwasserschutzgebiet benötigt die DBahn Ausnahmegenehmigungen. Sie hat diese Ausnahmegenehmigungen, allerdings wurden die erteilt, bevor es die neuesten Untersuchungen zum GWM gab. --3-- Bauzeit und Verzögerungen. Lassen wir uns einfach überraschen, wann irgendwas zum Düker kommt. Bauen wollte man ihn ja schon: "Im Februar und im September hatte das Kommunikationsbüro den Rohbaustart für den Düker auf Dezember 2013 terminiert" (StZ 15.01.2014). --4-- "natürlich verbreiten sie horrormeldungen" könnten Sie etwas konkreter werden? Weil solch allgemeing gehaltenen Behauptungen bringen überhaupt nichts. --5-- "dass sie jede frage minimum ein dutzend mal stellen egal ob sie beantwortet ist oder nicht." das Problem ist, dass meine Fragen meist eben überhaupt nicht oder nur mangelhaft beantwortet wurden und Nachfragen scheinbar bei S21 unerwünscht ist. ----- Und nochmals. Ich machen mir wegen S21 KEINE Sorgen weil mich S21 überhaupt NICHT BETRIFFT. Aber, und da wiederhole ich mich: "es soll ja noch Menschen mit Verantwortungsbewusstsein, mit Gewissen und einer Liebe zur Eisenbahn geben und für die auch volkswirtschaftliche Interessen über "privatwirtschaftliche".

@dipl. ing. (fh) franziska theissen, 17:52 Uhr, Nichts wirklich Neues: und Wertvolles konnte ich in Ihrem Kommentar entdecken. --1-- zu den Kosten von 7 Mrd., welche Sie schon immer gekannt haben wollten. Das habe ich gefunden " spötter, 12:47 Uhr, Bahnhofsgegner geißeln Kostenexplosion, geißlert ihr wieder was? isch jo nix neis." (StZ 10.12.2012). Aber Sie wissen sicherlich noch, wann Sie auch mal was sinnvolles zu den Kosten geschrieben hatten (vielleicht noch vor der VA) --2-- Mineralwasserschutz -a- "woher wissen sie, dass die mineralwasserschutzschicht angekraben werde soll?" Folgendes steht in der StN vom 25.11.2013: "Die Bahn schlägt jetzt die offene Baugrube vor. Dazu würde eine Bohrpfahlwand bis zu 3,5 Meter tief in die abdichtende Grundgipsschicht gerammt." und dort steht eindeutig "3,5 Meter tief in die abdichtende Grundgipsschicht". Noch Fragen Frau Dipl-Ing(FH). -b- "mineralwasserschutzgebiet" - Der S21-Bahnhof quert die INNENZONE des Mineralwasserschutzgebietes. Und es ist unerheblich wann das Mineralwasserschutzgebiet erstellt wurde. -c- Für die Arbeiten im Mineralwasserschutzgebiet benötigt die DBahn Ausnahmegenehmigungen. Sie hat diese Ausnahmegenehmigungen, allerdings wurden die erteilt, bevor es die neuesten Untersuchungen zum GWM gab. --3-- Bauzeit und Verzögerungen. Lassen wir uns einfach überraschen, wann irgendwas zum Düker kommt. Bauen wollte man ihn ja schon: "Im Februar und im September hatte das Kommunikationsbüro den Rohbaustart für den Düker auf Dezember 2013 terminiert" (StZ 15.01.2014). --4-- "natürlich verbreiten sie horrormeldungen" könnten Sie etwas konkreter werden? Weil solch allgemeing gehaltenen Behauptungen bringen überhaupt nichts. --5-- "dass sie jede frage minimum ein dutzend mal stellen egal ob sie beantwortet ist oder nicht." das Problem ist, dass meine Fragen meist eben überhaupt nicht oder nur mangelhaft beantwortet wurden und Nachfragen scheinbar bei S21 unerwünscht ist. ----- Und nochmals. Ich machen mir wegen S21 KEINE Sorgen weil mich S21 überhaupt NICHT BETRIFFT. Aber, und da wiederhole ich mich: "es soll ja noch Menschen mit Verantwortungsbewusstsein, mit Gewissen und einer Liebe zur Eisenbahn geben und für die auch volkswirtschaftliche Interessen über "privatwirtschaftliche".

Ob gebaut wird oder nicht: Es gibt ein Merkmal in Stuttgart. Ersteres und noch einmal ersteres.

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