Stuttgart 21 Die Reise eines Ahorns beginnt

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Ein zwei bis drei Tonnen schwerer Ahornbaum auf Reisen zieht die Blicke der Passanten auf sich. Dutzende Bäume sollen neue Standorte bekommen.

Bäume im Mittleren Schlossgarten werden umgepflanzt. Foto: Michael Steinert 59 Bilder
Bäume im Mittleren Schlossgarten werden umgepflanzt.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Noch einmal dreht der Polizeibeamte von der Motorradstaffel zu Fuß eine Runde. Dann gibt er das Okay. Der Baum ist gut genug verschnürt, nicht zu hoch, nicht zu breit, die Reise kann beginnen. Vier Meter hoch darf das Baumbündel sein, „so hoch wie jeder normale Lastwagen“, erklärt der Polizist. In diesem Format ist der Baum bereit für die Reise. Der etwa 30 bis 40 Jahre alte Ahorn soll nach Sommerrain. An der Steinhaldenstraße ist der für ihn ausgewiesene Standort.

Der Ahorn ist einer von 68 Bäumen, die vor dem Fällen auf dem Baufeld für den umstrittenen Tiefbahnhof bewahrt wurden – 54 sollen im Stadtgebiet, 14 innerhalb des Schlossgartens nach dem Umpflanzen Wurzeln schlagen. Verschnürt und festgezurrt steht der Baum bereit.

Rangieren, Zurechtstutzen und Verschnüren

Doch bevor es losgeht, klettert ein Mitarbeiter der Arge „Tree-Replant“, der drei auf Baumverpflanzungen spezialisierte Unternehmen angehören, in den Wipfel des knapp zehn Meter hohen Baumes. Dabei bleibt er trotzdem immer etwa 2,50 Meter über dem Boden. Der Ahorn hatte zuvor auf einem Hügel oberhalb des Landespavillons gestanden. Nun ragt er quer über das Heck des Allradfahrzeugs hinaus. Fast 30 Tonnen bringen Fahrzeug und Baum gemeinsam auf die Straße, zwei bis drei Tonnen davon macht der Baum mit seinem Wurzelballen aus.

Vom Ausgraben bis zur Abfahrt vergehen knapp zwei Stunden. Die wenigste Zeit davon nimmt das eigentliche Ausstechen des Baumes in Anspruch. Anfahrt, rangieren und die Rundspaten in Position zu bringen sowie das Zurechtstutzen und Verschnüren dauert länger. Der Ahorn steht ursprünglich an einem leicht zur Treppe in den Schlossgarten abfallenden Stück Wiese. Diese ist durch das Wühlen der Maschinen wie die gesamte Fläche des gerodeten Mittleren Schlossgarten inzwischen zu einer Matschpiste geworden.

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33 KommentareKommentar schreiben

NACHHALTIGSTE Stadt Deutschlands!: Nachhaltig zerstören. Das kann Stuttgart. Am Besten. In Deutschland. Und DAS soll was heißen. Nach all dem, was DE in WK I und WK II bereits nachhaltig zerstört hat: nicht nur Sachen - sondern MENSCHEN und NATUR. Seelen, nicht zu vergessen (aber das spürt man noch am allerwenigsten). Denken - Fühlen - Sein? Unbegreifbar?

Stuttgart 21: Hunderte Bäume gefällt: Mehrere Hundert ältere Park-Bäume wurden im Schlossgarten gefällt, nur ein kleiner Teil Bäume konnte umgepflanzt werden....Mir fällt seit längerer Zeit auf, dass im SWR schon seit langem nicht mehr das Lied von Alexandra 'Mein Freund der Baum ist tot, er starb im frühen Morgenrot...' gesendet wird. Wahrscheinlich hat es Sendeverbot !

Lügen, Lügen.: Was sind das für Menschen, die den unter Denkmalschutz stehenden Kopfbahnhof abreißen und den Schloßgarten mit seinem alten Baumbestand abholzen. Nicht nur den gewissenlosen, herzlosen,charakterlosen Stadt-Zerstörern würde man jede Nacht Albträume wünschen, sondern auch denen, die es hätten verhindern können, aber nicht wollten. Bei S 21 geht es um Macht, Immobilien, Profit, Geldgier, Korruption, Manipulation (Stresstest), Steuergeld-verschwendung, Veruntreuung und Lügen, Lügen, Lügen. Stuttgart hat den zweitbesten Kopfbahnhof den die Bahn verrotten ließ.

@Jon (24.02): Wenn schon zitiert wird, dann bitte richtig. Guckst Du: http://www.zitate-online.de/sprueche/allgemein/18630/ich-kann-gar-nicht-so-viel-fressen-wie-ich-kotzen-moechte.html

Schloßgarten: Vorne weg, ich bin nicht aus Stuttgart. Wenn ich mir aber die Bilder so anschaue, finde ich es eine Schande, dass die Stadt den Dreck von den Stuttgart 21 - Gegnern wegräumen muss.Im Übrigen haben die Baden-Württemberger für den Bhf 21 mehrstimmig abgestimmt. Man braucht also auch dem Ministerpräsidenten nicht die Schuld zuweisen. Die mauschelei der Bahn war vieleicht nicht richtig aber man muss jetzt eben das Beste daraus machen.

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