""Wir wären willens zum Dialog, wenn uns Grube entgegenkommt. Wir bräuchten ein Zugeständnis.""
Grünen-Chef Werner Wölfle bleibt skeptisch
Stuttgart - Rund 200 Kommentare sind bis Montagabend ins Diskussionsforum der Stuttgarter Zeitung geschrieben worden - das StZ-Interview in der Samstagsausgabe mit dem Stuttgarter Sozialwissenschaftler Ortwin Renn hat Aufmerksamkeit, ja große Aufregung erregt. Renn hatte dafür plädiert, dass die Bürger bei dem Milliardenprojekt Stuttgart 21 mitreden müssten und dass die "weichen" Argumente gegen das Projekt, wie die Angst vor dem Verlust der Heimat, stärker gewürdigt werden müssten.
Sehr viele Kommentatoren unterstellten Renn , der weltweit als Mediator arbeitet und Bürgerbeteiligungen auch in den USA oder Japan organisiert, unredliche Absichten - er wolle die Gegner nur als gefühlsduselige Ewiggestrige verunglimpfen. Ortwin Renn hat sich deshalb im StZ-Forum selbst nochmals zu Wort gemeldet: "Dass dieses Interview so viel hochemotionalisierte Reaktionen hervorgebracht hat, bestätigt mich nur in meiner Analyse, dass es nicht nur (aber auch!) um Sachargumente geht."
Unterdessen hat das Interview Bewegung in die politische Debatte gebracht: Wolfgang Drexler, der Sprecher des Bahnprojekts, hat sich mit Oberbürgermeister Wolfgang Schuster über ein mögliches neues Vermittlungsverfahren bei Stuttgart 21 ausgetauscht. "Ich stehe einem solchen Verfahren aufgeschlossen gegenüber", sagt Drexler, "erster Ansprechpartner ist für mich die Stadt, ohne die wir das nicht machen können."
Eine solche Bürgerbeteiligung über das neue Stadtviertel hinter dem Hauptbahnhof dürfe das Projekt nicht grundsätzlich infrage stellen, so Drexler - sie biete aber eine große Chance, die vorhandene Spaltung in der Bürgerschaft zu überwinden. Zuerst müsse von einem Unabhängigen ein Konzept entwickelt werden, wie diese Beteiligung aussehen könne. "Es darf nicht am Geld scheitern", sagte Drexler.
Keine Rede von Bürgerbeteiligung
Gemeinsam mit Wolfgang Schuster will er Ortwin Renn zu einem Gedankenaustausch über dieses Thema einladen. "Grundsätzlich erarbeiten wir derzeit ein Konzept, wie die Öffentlichkeit in den nächsten Jahren in den Städtebaudialog einbezogen wird", sagt der Oberbürgermeister. "Allerdings muss beachtet werden, dass die Bebauung der bisherigen Gleisanlagen erst in rund zehn Jahren beginnt. Somit könne es "noch einige Zeit dauern, bis wir ganz konkret mit den Bürgern über diese Bebauung diskutieren können." Von einer Bürgerbeteiligung über das Aussehen des neuen Hauptbahnhofes, die Nutzung des alten Bonatz-Baus oder die Gestaltung des neuen Bahnhofsplatzes, war am Montag nicht die Rede.