Stuttgart 21 Eidechsen sollen in Kaltluftgebiet leben

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Nachbarn des Habitats am Killesberg, in das Mauereidechsen aus Untertürkheim ziehen sollen, halten die Wiesen für ungeeignet. Sie verweisen auf eine Diplomarbeit, die die Bedeutung der Flächen für die Kaltluftgewinnung für den Talkessel unterstreicht.

Die Wiesen der Feuerbacher Heide am Killesberg sollen die neue Heimat der Eidechsen aus Untertürkheim werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Wiesen der Feuerbacher Heide am Killesberg sollen die neue Heimat der Eidechsen aus Untertürkheim werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Wiesen der Feuerbacher Heide am Killesberg, die derzeit in ein Habitat für streng geschützte Mauereidechen umgewandelt werden, versorgen den Stuttgarter Talkessel mit Kaltluft. Zu diesem Ergebnis gelangte eine Diplomarbeit bereits im Jahr 2007. Die wissenschaftliche Arbeit, die seinerzeit vom Stuttgarter Amt für Umweltschutz betreut worden war, ist indes dem Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) nach eigenen Angaben nicht bekannt. Auf Geheiß der beim RP angesiedelten höheren Naturschutzbehörde sind die Wiesen längs der Straße Am Tazzelwurm als neue Heimat jener Eidechsen ausgeguckt worden, die dem Bau von Stuttgart 21 in Untertürkheim im Wege sind. „Die Wiesen der Feuerbacher Heide können grundsätzlich als mögliche Flächen für die Kaltluftentstehung angesehen werden“, erklärt RP-Sprecher Matthias Kreuzinger. Durch die nun umgesetzten Maßnahmen werde die Kaltluftentstehung allerdings nicht nachhaltig beeinflusst, erklärt der Sprecher. Die Verfasserin der Diplomarbeit kam weiland zum Schluss, dass die Feuerbacher Heide und die Parkanlage des Killesberg „das Kaltlufteinzugsgebiet für den Stuttgarter Norden“ seien. Darauf weißen nun auch Anwohner des Quartiers hin, die vom Beginn der Bauarbeiten kalt erwischt wurden.

Stadt sieht kein Problem mit der neuen Nutzung

Für Wolfgang Rolli beißt sich das Auftürmen der Steinhaufen mit der Funktion der Wiese als Ort der Kaltluftentstehung. Er fragt sich „insbesondere ob diese Steinmengen nicht jetzt vielmehr als Wärmespeicher und nicht mehr als ,Kälteerzeuger’ wirken werden“, schreibt der Mann, der unweit der Wiese an der Parlerstraße lebt. Ein Argument, das man bei der Stadt Stuttgart nicht gelten lassen möchte. „Klimatische Untersuchungen zu Stuttgart 21 haben gezeigt, dass sich Schotterflächen zwar tagsüber stärker erwärmen, aber nachts im Vergleich zu Baumasse oder versiegelten Flächen auch stark abkühlen“, schreibt Stadtsprecher Martin Thronberens auf Anfrage. Bei den Wiesen am Tazzelwurm, die nun zu Habitaten für die Mauereidechsen umgestaltet werden, handelt es sich allerdings weder um versiegelte Flächen noch um Baumassen. Die Bedeutung der Wiesen ist im Rathaus hingegen durchaus bekannt. „Die bedeutsamen Bereiche der Feuerbacher Heide sind deshalb im Stuttgarter Rahmenplan Halbhöhenlage erfasst. Unter anderem dadurch ist es bisher auch gelungen, die Freiflächen freizuhalten“, erklärt Thronberens. Ob die Stadt gegenüber dem Regierungspräsidium auf die Bedeutung hingewiesen hat, bleibt offen. Der Stadtsprecher lässt es bei dem Hinweis bewenden, die Stadtklimatologen seien am Genehmigungsverfahren „beteiligt“ gewesen.

Stuttgart lässt derzeit Eidechsen zählen

Die Stadt untersucht derzeit parallel, wie es um das Vorkommen an Mauereidechsen auf ihrer Gemarkung bestellt ist. Aktuell würden durch „das beauftragte Fachgutachterbüro die Bestände im Gelände erfasst“, heißt es aus dem Rathaus. „Die Geländearbeit hat höchste Priorität, da während des Sommers bis September sehr viele und große Flächen auf das Vorkommen von Mauereidechsen überprüft werden müssen“. Hintergrund der tierischen Volkszählung: Auch bei städtischen Bauvorhaben wie der Aufsiedlung des ehemaligen Bad Cannstatter Güterbahnhofs oder der Erweiterung der Flüchtlingsunterkunft in Hofen stieß die Stadt auf Eidechsenvorkommen, für die Ausweichquartiere gefunden werden mussten. Erste Ergebnisse der „Gesamtkonzeption Eidechsen“, wie das Programm im Rathaus genannt wird, sollen Ende des Jahres mit weiteren Behörden diskutiert werden, das Endergebnis soll Anfang 2018 vorliegen. „Das ist angesichts der weiten Verbreitung der Art in Stuttgart ein sehr sportlicher Zeitplan“, heißt es im Rathaus.

Deutlich schneller soll es mit der Information der Anwohner der Killesberg-Wiesen gehen. Die Bahn will kommende Woche Faltblätter verteilen lassen. Deren Inhalt ist mit allen Projektpartnern von Stadt, Region und Land abgestimmt. Gleiches gilt für eine Bautafel, die ebenfalls in Vorbereitung ist.

38 Kommentare Kommentar schreiben

Klar doch: Die ganze City untertunneln, damit dann dort in 20 Jahren die Elektromobile fahren können. Manchen hat's durch den Anti S21 Wahn schon deutlich mehr als ein Schräubelchen gelockert.

Wer hat denn mit dem Untertunneln begonnen? Fast 60km Tunnel für etwas, von dem heute doch niemand sicher weiß, ob es überhaupt die an es gestellt Aufgaben erfüllen kann.

Kann es: Das weiss jeder, der seine 7 Zwetschgen beisammen hat.

Dann belegen Sie es bitte für alle! Aber nicht mit dem fehlerbehaften Stresstest, der bahneigene Richtlinien ignoriert und auf einer Infrastruktur aufgebaut war, welche bei S21 gar nicht so geplant ist (Mussbahn). Also, wo haben Sie eine DB AG unabhänige Bestätigung, dass S21 diese mittlerweile nur noch 30% mehr (einst waren 100% mehr verkündigt) gegen über dem REAL gefahrenen Fahrplan des Kopfbahnhofes schafft. (dabei wurden die Möglichkeiten des Kopfbahnhofes völlig ignoriert) ---- Wobei ich weiß, außer diesem Stresstest haben Sie NICHTS. Von daher wird auch NICHTS kommen.

Bevor: Sie wieder wegen des Schreibfehlers totaler Ahnungslosigkeit zichtigt: Der Fahrweg heißt MURRBAHN. Sonst ist alles korrekt.

unabhänige: wäre auch noch zu korrigieren. Und "fehlerbehaften", es muss natürlich "fehlerbehafteten" heissen. Und die unnötige Geschreigrossschreibung. Und "Bahnhofes" ist veraltet. Man lässt heute das e weg. Und bei "des Kopfbahnhofes schafft." gehört der Punkt ans Ende der Klammer. Und überhaupt fehlen hie und da ein paar Kommas bzw. sind zu viele gesetzt. Aber wir wollen mal nicht kleinlich sein.

Wie ich schon sagte: wenn man das Faktische komplett ausblendet um sich ausschließlich der Form zu widmen, mag das ausreichend erscheinen.Muß ein Sch...job sein als verhinderter Deutschlehrer für Sie hier im Thread. Haben Sie noch Haare auf dem Kopf oder raufen Sie schon woanders ?

"verkündigt"?: Das wird vielleicht in der Montagskirche, aber sonst nirgends.

Aber Herr Maier: das ist immer noch ungewiss; Und wer seine 7 Zwetschgen beisammen hat, der weiß das. Ihre Argumentation bezüglich der Erfüllung dieser Aufgaben ist dabei ziemlich Schwach ausgefallen. Da sie glauben zu wissen, dass 'es kann', sagen Sie uns doch mal, was sie darauf vertrauen lässt. Also bitte, zeigen Sie doch mal Ihre Zwetschgen!

Wo sind sie denn nun: Ihre Zwetschgen. Arg viel haben Sie ja offensichtlich nicht zu bieten um andere davon zu überzeugen, dass das Tunnelsystem die daran gestellten Anforderungen bewältigen wird. Ganz schwach, aber eben auch typisch.

Viel interessanter ist: der stadtklimatische Effekt des Gleisfeldes, durch dessen nächtliche Abkühlung sowie durch dessen Funktion als Kaltluftschneise für den Talkessel. Mit S21 aber soll diese immens wichtige Fläche zugebaut werden. ____ Durch diese Verdichtung, und den zusätzlichen Verkehr, entstehen außerdem noch mehr Lärm, Smog und Feinstaub als wir heute schon im Talkessel haben. ____ Anstatt den klimaschonenden Bahnverkehr oben zu lassen und die lärmenden und stinkenden Autos in den Untergrund zu verlegen, und deren Abgase nach außen zu filtern, macht man genau das falscheste in dieser Stadt. Das ganze wird dann als "alternativlos" bezeichnet. ____ S21 ist ein außerordentlich schädliches Projekt nicht nur für den Bahnverkehr und die täglich tausenden Berufspendler (da die Zuverlässigkeit und Planbarkeit aufgrund verpasster Anschlüsse drastisch abnehmen wird, und da laut SMA-Gutachten die meisten Pendler MIT S21 LANGSAMER unterwegs sein werden als mit einem modernisierten Kopfbahnhof), und damit auch für die Wirtschaft, sondern auch für das Stadtklima und für die Gesundheit der Einwohner. Danke an alle S21-Lobbyisten und -Herbeilügner.

Die maulenden Killesbergbewohner: sind schlicht S21 Gegner, ist halt so. Und aus Polen wird am Stuttgarter bArtenschutz herumgenörgelt, dass es eine Freude ist. Dabei hiess die Oberausrede bei der Juchtenkäferdiskussion noch, man sei kein Biologe und enthalte sich daher vornehm einer Meinung. Jetzt ist man plötzlich Eidechsenexperte!

Die maulenden Biberacher und Älbler: sind schlicht S21-Proler, weil die CDU ihnen im Kegelclub und bei der Freiwilligen Feuerwehr im Dorf erzählt hat, dass das irgendwie fortschrittlich und toll sei. Das letzte große Denkmal in Stuttgart verschtümmelt? Egal. Der in der Innenstadt liegende Schlossgarten abgeholzt? Egal. Der Rosensteinpark verkleinert? Egal. Die Feuerbacher Heide umgegraben? Egal. Verschlechterung des Bahnverkehrs für die Berufspendler und Einwohner? Egal. Baustellen, Staus, Lärm, Dreck über Jahre hinweg in der ganzen Stadt? Egal. Was kümmerts mich, ich geh ja nur einmal im Monat ins Milaneo zum shoppen, ansonsten lass ichs mir in meinem Häusle im Idyll auf der Alb oder sonstwo draußen gut gehen und freu mich über uns modernen Schwaben.

Was man als Restproler, der das heillose S21-Planungschaos irgendwie verteidigen will, gerne unterschlägt: "Eidechsen-Spezialist hält Anlage für überdimensioniert. Bestätigt sehen dürfen sie sich durch Hubert Laufer, Landschaftsökologe und Eidechsen-Spezialist. Er hält die Maßnahme auf dem Killesberg für überdimensioniert. HÄTTE DIE BAHN RECHTZEITIG FÜR AUSGLEICHSFLÄCHEN GESORGT, SO LAUTET SEINE THESE, KÖNNTE MAN SICH DEN AUFWAND UND DEN ÄRGER AM KILLESBERG SPAREN." ____ http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.eidechsen-kolonie-auf-dem-killesberg-schilda-in-stuttgart.4ec313a9-4d92-45e4-bbf9-20532fc57416.html ____ Auch hier gilt mal wieder: Hätte sich die Bahn rechtzeitig wenigstens einen feuchten Kehricht um ihre Planungen und um Umweltbestimmungen gekümmert, müsste man jetzt nicht hopplahopp die Tiere irgendwohin (sprich: in eine umgegrabene Feuerbacher Heide) umsetzen. Aber es geht ja nur um Stuttgart, und die in Biberach im grünen Idyll wohnenden Restproler kümmert das nicht, vielmehr wird gegen alles und jeden gekeilt, was das religiöse Wahnprojekt nicht bedingungslos mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Kasperlestheater: Der Artenschutz war bislang des S21-Gegners höchstes Gut. Jedoch ein Eidechsen-Steingarten wird auf einmal bekämpft, da die Hundekackewiese, an die der Killesberger Besitzstandswahrer sich so gewöhnt hat, in Gefahr ist. Da geriert man sich auch gerne als Stadtklimaexperte. Man fragt sich schon, warum Bahn und Stadt das Theater überhaupt noch mitmachen.

Herr Biberle, es geht doch wirklich hier nicht um den Artenschutz an sich, sondern um die Art und Weise, wie die Bahn bzw. die Stadt versucht den Artenschutz, wenn sie ihn schon mal ausnahmsweise berücksichtigen, was ja nicht zu häufig passiert, in die REALITÄT (das Hauptproblem von S21 ganz allgemein) umzusetzen. Es gibt in der StZ hierzu auch den netten Artikel: "Schilda in Stuttgart". Ein Landschaftsschutzgebiet wird teilweise zerstört um etwas zu machen, dessen Erfolg äußerst zweifelhaft ist und dessen Nebeneffekte wohl niemand so richtig berücksichtigt hat (Kaltluftschneise, ich habe auch gelesen was der RP-Sprecher von sich gegeben hat, aber was wurde nicht schon alles bei S21 behauptet ohne es danach auch wirklich einhalten zu können). Und noch ein Zitat aus dem StZ-Artikel über Schilda: "Statt aber vorausschauend und vor allem pragmatisch mit dem Thema umzugehen, wird der Artenschutz in grotesker Weise verabsolutiert: Man zerstört Natur in der Hoffnung, damit Eidechsen zu schützen.". Bei S21 wurde schon ZU viel zerstört. Denkmalschutz, Naturschut, Vertrauen, ... und das zerstören geht immer noch weiter.

Der Kommentar in den StN ist dumm: Es wird sicher sehr sehr schön aussehen. Nur während des Bauens selber sieht alles böse aus. Deswegen würde Ihresgleichen ja nichts mehr bauen. Aber wenn fertig werden dort Blumen blühn, die auf normale Wiesen nicht wachsen, Eidechsen sich tummeln, Steine sich nachts frischluft-eisekalt abkühlen, Natur un Paradies pur! Tipp: Sehen Sie nicht immer schwarz bzw. zitieren Sie nicht Journalisten, die dem Besitzstandswahrer nach dem Mund reden.

Herr Biberle, nur weil der Kommentar Ihnen nicht gefällt ist er gleich "dumm". Dazu sag ich mal nichts. --- Und es scheint so, als würden Sie immer noch blind an die Werbeaussagen der S21-Verantwortlichen glauben. Blumen, mal abwarten. Übrigens, meines Wissens sind Eidechsen wechselwarm und brauchen viel Wärme, und dies bei "Steine sich nachts frischluft-eisekalt abkühlen", tolles Paradies. --- Und es geht nicht um Besitzstandswahrung sondern um sinn- und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und auch mit Steuergeldern. Aber das sucht man bei S21 vergeblich. --- Ich betrachte das meist einfach auch vor dem Hintergrund, dass über S21 das Damoklesschwert, des viel zu klein Seins, hängt. Wissen Sie, wäre S21 mit Sicherheit ein REALER Fortschritt, geschenkt, aber das ist S21 meiner Meinung nach eben nicht. Wahrscheinlich nicht einmal "Besitzstandswahrung" sondern Rückschritt.

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