Stuttgart 21 Eine Westernmelodie untermalt den Abriss

Tilmann Gangloff, 23.08.2011 14:20 Uhr

Update Der für Dienstagabend (22.45 Uhr, ARD) vorgesehene Film "Alarm am Hauptbahnhof" wird wegen einer Programmänderung anlässlich des Todes von Loriot nun am Mittwoch (23.30 Uhr, ARD) gesendet.

Stuttgart - Stuttgart stand nie im Verdacht, eine Metropole der Protestkultur zu sein. Das änderte sich im Herbst 2010, als die Pläne für den milliardenschweren Umbau des Hauptbahnhofs die Schwaben zu Zigtausenden auf die Straße trieben. Demonstrationsveteranen fühlten sich angesichts der Fernsehberichte an die Jahre 1981 und 1982 erinnert, als sich nach dem Nato-Doppelbeschluss riesige Menschenmengen in Bonn versammelten.

Die Ereignisse vom 30. September, als die Stuttgarter Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstranten einsetzte, ähnelten den bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die in den Achtzigern durch Bauvorhaben in Brokdorf, Gorleben, Wackersdorf und Frankfurt verursacht wurden. Diverse Filme haben damals die Arroganz der Mächtigen sowie die Proteste gegen Atomkraftwerk, Zwischenlager, Wiederaufbereitungsanlage und Startbahn West dokumentiert.

"Alarm am Hauptbahnhof" wird im SWR ausgestrahlt

Nun hat auch Stuttgart 21 sein Denkmal bekommen. Dass der Film "Alarm am Hauptbahnhof" für den SWR entstanden ist, mag naheliegend sein. Aber die rührige Dokumentarfilmredaktion knüpft an die über fünfzig Jahre alte Tradition der Stuttgarter Schule an, deren Mitglieder für die SDR-Reihe "Zeichen der Zeit" bis in die Siebziger gesellschaftliche Zu- und Missstände beleuchteten. Vordergründig bezogen Regisseure wie Dieter Ertel oder Roman Brodmann eine neutrale Position, doch ihre kritische Haltung wurde immer deutlich. Das gilt auch für "Alarm am Hauptbahnhof".

Wiltrud Baier und Sigrun Köhler kommen zwar ohne jeden Kommentar aus, doch Szenen- und Musikauswahl lassen klare Sympathien erkennen: Zu den Bildern von den Abrissarbeiten erklingt Ennio Morricones Titelmelodie für den Italo-Western "Für ein paar Dollar mehr". Später greift die Musik des Films das Lied "Bella Ciao" auf, obligater Bestandteil jeder linken Protestbewegung.

Auch in den Wortbeiträgen schneiden die Befürworter des unterirdischen Bahnhofs nicht gut ab. Für den uninformierten Beobachter muss zwangsläufig der Eindruck entstehen, die Umbaufreunde hätten die schlechteren Argumente. Andererseits geben auch die beteiligten Politiker der damaligen Landesregierung (CDU/FDP) kein gutes Bild ab.