Stuttgart 21
Es droht ein Jahr Verspätung
Jörg Nauke,
25.05.2010 06:48 Uhr
Das alte Drucktastenstellwerk: Von dort werden die Weichen und Signale gesteuert. Foto: Zweygarth
Ein Grund für die Verzögerungen ist laut Experten der generelle Mangel an Eisenbahningenieuren. In Stuttgart komme erschwerend hinzu, dass man nicht etwa ein modernes elektronisches Stellwerk mit drei sich gegenseitig kontrollierenden Servern in Betrieb nimmt. Die Bahn erneuert lediglich ihr altes Drucktastenstellwerk mit einer Technik aus den 50er-Jahren, für die es nicht mehr allzuviele Spezialisten geben dürfte. Eisenbahningenieure scheinen eine aussterbende Spezies zu sein. "Die werden doch heute an den Schulen nicht mehr richtig ausgebildet", klagt einer aus der Branche. Die Bahn bevorzuge Fachleute für Betriebsorganisation; technisches Knowhow sei zweitrangig. Der Konzern habe zudem erfahrene Kräfte vorzeitig in den Ruhestand versetzt, die jetzt "fürs dreifache Gehalt neu verpflichtet werden". Beim Eba sehe es noch schlechter aus, da die Ingenieure dort schlecht bezahlt würden und die Behörde von der Politik sowieso für überflüssig erachtet werde.
Kritiker sagen, der Abriss der Seitenflügel könne noch warten
Fehler bleiben nicht aus. So hat die Bahn nach StZ-Informationen vergessen, einen wichtigen Kabelschrank im Bereich des S-Bahntunnels zu bestellen, worauf Thales, nachdem der Fehler entdeckt worden war, gebeten wurde, den Fehler rasch zu korrigieren. Das Angebot für diesen Auftrag könne dann später abgeben werden.
Das Auftragsvolumen bei der Leit- und Sicherungstechnik beläuft sich auf überschaubare 22 Millionen - im Vergleich zur Gesamtinvestition von 4,2 Milliarden Euro. Um drei Millionen Euro hatte die Bahn Thales heruntergehandelt, was laut Insidern die Motivation nicht gefördert hat. Wenn schon eine so kleine Maßnahme den Zeitplan durcheinander wirble, "welche Verspätung bringen dann erst die großen Bauabschnitte?" fragen jetzt Projektkritiker wie der BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Dieses Beispiel zeige, dass Stuttgart 21 nicht das "am besten geplante Projekt aller Zeiten sei", wie die Politik weismachen wolle. Es gebe nun überhaupt keinen Anlass, den Nordflügel des Bahnhofs in Kürze abzureißen.
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Mündiger Bürger
Ich gestehe nicht "endlich" irgendetwas ein, sondern konstatierte, dass unser aller Meinung nun einmal subjektiv ist. Und unterstellt habe ich überhaupt nichts, schon gar nicht permanent. Vielleicht lesen Sie einfach einmal in aller Ruhe, was ich geschrieben habe und bleiben dabei sogar sachlich? Bei Sätzen wie diesen: "Der gesunde Menschenverstand urteilt eben anders..." dreht es mir aber schon arg den Magen herum, wenn man damit Projekte hoher Komplexität beurteilen möchte, die eine gewisse Bildung voraussetzen. Oder sogar: mir graut davor und ich bezweifle, dass der von jedem Wissen unbelastete "gesunde" völkische Menschenverstand zu irgend etwas sinnvollem führen kann.
Gegendarstellung auf angeblich vorgeschobenen Mist
@ Antworten Endlich gestehen Sie einmal ein, dass IHRE Betrachtungsweise rein subjektiver Natur ist. Warum unterstellen Sie dann permanent der bewiesenen Mehrheit der Bürger, nur sie beurteile S21 rein subjektiv, sei nicht richtig informiert und letztlich nur auf angeblich rein parteipolitisch orientierte Profiteure hereingefallen. Nichts trotz desto weniger ist die Bevölkerung keineswegs davon überzeugt, dieses Projekt bringe gewaltige Vorteile - im Gegenteil. Der gesunde Menschenverstand urteilt eben anders als das abgehobene, siegesgewisse, anscheinend durch demokratisch legitimierte Mehrheitsbeschlüsse sanktionierte Vorgehen der hiesigen Machthaber. Nur Sie und Ihresgleichen nehmen für sich in Anspruch, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Auf jegliche sachlich begründete Kritik immun, die Realität verschleiernd, wollen Sie unbedingt ein Projekt durchpeitschen, das weder finanziell noch moderat in die Landschaft passt und absolut nicht notwendig ist.
Fakten vs. Rhetorik
Lesenswerter Artikel in den StN zum Thema "Ministererlaubnis": Auszug: "Das Verkehrsministerium von Peter Ramsauer (CSU) hatte am Mittwoch auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung moniert, dass die Bahn bis heute keine Unterlagen vorgelegt habe, die in den Tunneln unter Echterdingen und dem Flughafen im gemischten Betrieb mit ICE und S-Bahn die gleiche Sicherheit nachweisen, als ob nur die S-Bahn fahre. Das Stuttgart-21-Sprecherbüro von Wolfgang Drexler (SPD) beharrte am Donnerstag in einer schriftlichen Stellungnahme darauf, dass die Nachweise geliefert worden seien. "Entsprechende Nachweise belegen, dass dabei auf der S-Bahn-Strecke im Echterdinger Tunnel und im Flughafentunnel die gleiche Sicherheit wie bei anderen Tunneln besteht", heißt es. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung schreibt für den Mischbetrieb laut Drexler Gleisabstände von mindestens vier Metern vor. In den Tunneln betrage der Abstand 3,80 Meter. Hinsichtlich der Befahrbarkeit bestünden dennoch "keine Sicherheitsprobleme im Betriebsablauf", schreibt Drexler. Die Frage, ob diese Sicherheitsprobleme im Fall einer Havarie auftreten könnten, lässt die Bahn unbeantwortet." Auch Rhetorik hat ihre Grenzen. Mit Schweigen klärt man eben keine Sachfragen. Quelle: http://content.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2426725_0_6724_-stuttgart-21-bahn-pocht-auf-sonderrechte.html