Stuttgart 21 Es droht ein Jahr Verspätung
Jörg Nauke, 25.05.2010 06:48 Uhr
Das alte Drucktastenstellwerk: Von dort werden die Weichen und Signale gesteuert. Foto: Zweygarth
Das alte Drucktastenstellwerk: Von dort werden die Weichen und Signale gesteuert. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Anfang Februar ist der Gleis-prellbock 49 medienwirksam versetzt worden - seither sind die von der Deutschen Bahn beauftragten Firmen sichtbar damit beschäftigt, das Gleisvorfeld umzubauen. Die Haltepunkte der Züge müssen um 110 Meter in Richtung Bad Cannstatt verschoben werden. Die 61einzelnen Bauabschnitte müssen bis Juli 2012 abgeschlossen sein, damit dann die Baugruben für den querliegenden Tiefbahnhof gegraben werden können. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung droht aber eine Verzögerung von einem Jahr, so dass mit dem Bau des neuen Hauptbahnhofs frühestens im Sommer 2013 begonnen werden könnte. Es würde dann wohl schwer, den Fertigstellungstermin 2019 einzuhalten.

Der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler sagt, alle Beteiligten gingen davon aus, dass die Arbeiten im Gleisvorfeld, von denen bereits zehn Prozent planmäßig abgewickelt worden seien, "im Juli 2012 abgeschlossen sind." Die Arbeiten seien allerdings "sehr komplex". Dabei könnten sich "schon einmal einzelne Termine für Planungen oder Gewerke verschieben". Aufgabe der Bahn sei es, gemeinsam mit den ausführenden Firmen und Ingenieurbüros möglichst schnell gegenzusteuern. Die mit der Leit- und Sicherungstechnik betraute Firma Thales hat gegenüber der StZ eine Stellungnahme abgelehnt und auf das Kommunikationsbüro der Bahn verwiesen.

Gelassenheit ist das Privileg der Presseabteilung, die die besonderen Umstände vom Bauen unter rollendem Rad betont. Im Bereich Leit- und Sicherungstechnik liegen aber die Nerven blank, weil die Bahn, so belegen interne Unterlagen, mit der Planung nicht nachkommt. Die Folge sind Besprechungen, in denen die Gefahr besteht, dass Mobiliar zu Bruch geht. Die Aufgabenstellung ist komplex. Gleise sind schnell verlegt, aber jedes verschobene Signal, jede neue Weiche und jede Kreuzung muss zentimetergenau geplant und platziert werden. Dann werden sie mittels Kabeln mit dem Drucktastenstellwerk verbunden. Dort muss dann alles neu programmiert werden. Diese in 18"signaltechnische Bauzustände" unterteilte Umbauarbeiten mit hunderten Kilometern Kabeln und Adern sind höchst kompliziert, sie müssen umfassend geplant und vor der Inbetriebnahme vom Eisenbahnbundesamt (Eba) abgenommen werden.

Es stellt sich die Frage nach Qualität und Sicherheit der Arbeit


"Wir schaffen wie die Verrückten", sagt ein Insider - trotzdem hinke man dem Zeitplan weit hinterher, und es sei "nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu großen Verschiebungen kommt". Dass die ersten beiden Abschnitte noch pünktlich zu Ende geplant worden sei und vom Eba habe abgenommen werden können, obwohl (beim ersten Abschnitt) 166 Tage Verspätung aufgelaufen seien, habe man dem großen Engagement der Beschäftigten zu verdanken.

Kommentare (198)
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MAI
30
Antworten, 20:05 Uhr

Mündiger Bürger

Ich gestehe nicht "endlich" irgendetwas ein, sondern konstatierte, dass unser aller Meinung nun einmal subjektiv ist. Und unterstellt habe ich überhaupt nichts, schon gar nicht permanent. Vielleicht lesen Sie einfach einmal in aller Ruhe, was ich geschrieben habe und bleiben dabei sogar sachlich? Bei Sätzen wie diesen: "Der gesunde Menschenverstand urteilt eben anders..." dreht es mir aber schon arg den Magen herum, wenn man damit Projekte hoher Komplexität beurteilen möchte, die eine gewisse Bildung voraussetzen. Oder sogar: mir graut davor und ich bezweifle, dass der von jedem Wissen unbelastete "gesunde" völkische Menschenverstand zu irgend etwas sinnvollem führen kann.

MAI
30
Mündiger Bürger, 18:23 Uhr

Gegendarstellung auf angeblich vorgeschobenen Mist

@ Antworten Endlich gestehen Sie einmal ein, dass IHRE Betrachtungsweise rein subjektiver Natur ist. Warum unterstellen Sie dann permanent der bewiesenen Mehrheit der Bürger, nur sie beurteile S21 rein subjektiv, sei nicht richtig informiert und letztlich nur auf angeblich rein parteipolitisch orientierte Profiteure hereingefallen. Nichts trotz desto weniger ist die Bevölkerung keineswegs davon überzeugt, dieses Projekt bringe gewaltige Vorteile - im Gegenteil. Der gesunde Menschenverstand urteilt eben anders als das abgehobene, siegesgewisse, anscheinend durch demokratisch legitimierte Mehrheitsbeschlüsse sanktionierte Vorgehen der hiesigen Machthaber. Nur Sie und Ihresgleichen nehmen für sich in Anspruch, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Auf jegliche sachlich begründete Kritik immun, die Realität verschleiernd, wollen Sie unbedingt ein Projekt durchpeitschen, das weder finanziell noch moderat in die Landschaft passt und absolut nicht notwendig ist.

MAI
29
W.Koben, 16:00 Uhr

Fakten vs. Rhetorik

Lesenswerter Artikel in den StN zum Thema "Ministererlaubnis": Auszug: "Das Verkehrsministerium von Peter Ramsauer (CSU) hatte am Mittwoch auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung moniert, dass die Bahn bis heute keine Unterlagen vorgelegt habe, die in den Tunneln unter Echterdingen und dem Flughafen im gemischten Betrieb mit ICE und S-Bahn die gleiche Sicherheit nachweisen, als ob nur die S-Bahn fahre. Das Stuttgart-21-Sprecherbüro von Wolfgang Drexler (SPD) beharrte am Donnerstag in einer schriftlichen Stellungnahme darauf, dass die Nachweise geliefert worden seien. "Entsprechende Nachweise belegen, dass dabei auf der S-Bahn-Strecke im Echterdinger Tunnel und im Flughafentunnel die gleiche Sicherheit wie bei anderen Tunneln besteht", heißt es. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung schreibt für den Mischbetrieb laut Drexler Gleisabstände von mindestens vier Metern vor. In den Tunneln betrage der Abstand 3,80 Meter. Hinsichtlich der Befahrbarkeit bestünden dennoch "keine Sicherheitsprobleme im Betriebsablauf", schreibt Drexler. Die Frage, ob diese Sicherheitsprobleme im Fall einer Havarie auftreten könnten, lässt die Bahn unbeantwortet." Auch Rhetorik hat ihre Grenzen. Mit Schweigen klärt man eben keine Sachfragen. Quelle: http://content.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2426725_0_6724_-stuttgart-21-bahn-pocht-auf-sonderrechte.html

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