Stuttgart - Anfang Februar ist der Gleis-prellbock 49 medienwirksam versetzt worden - seither sind die von der Deutschen Bahn beauftragten Firmen sichtbar damit beschäftigt, das Gleisvorfeld umzubauen. Die Haltepunkte der Züge müssen um 110 Meter in Richtung Bad Cannstatt verschoben werden. Die 61einzelnen Bauabschnitte müssen bis Juli 2012 abgeschlossen sein, damit dann die Baugruben für den querliegenden Tiefbahnhof gegraben werden können. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung droht aber eine Verzögerung von einem Jahr, so dass mit dem Bau des neuen Hauptbahnhofs frühestens im Sommer 2013 begonnen werden könnte. Es würde dann wohl schwer, den Fertigstellungstermin 2019 einzuhalten.
Der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler sagt, alle Beteiligten gingen davon aus, dass die Arbeiten im Gleisvorfeld, von denen bereits zehn Prozent planmäßig abgewickelt worden seien, "im Juli 2012 abgeschlossen sind." Die Arbeiten seien allerdings "sehr komplex". Dabei könnten sich "schon einmal einzelne Termine für Planungen oder Gewerke verschieben". Aufgabe der Bahn sei es, gemeinsam mit den ausführenden Firmen und Ingenieurbüros möglichst schnell gegenzusteuern. Die mit der Leit- und Sicherungstechnik betraute Firma Thales hat gegenüber der StZ eine Stellungnahme abgelehnt und auf das Kommunikationsbüro der Bahn verwiesen.
Gelassenheit ist das Privileg der Presseabteilung, die die besonderen Umstände vom Bauen unter rollendem Rad betont. Im Bereich Leit- und Sicherungstechnik liegen aber die Nerven blank, weil die Bahn, so belegen interne Unterlagen, mit der Planung nicht nachkommt. Die Folge sind Besprechungen, in denen die Gefahr besteht, dass Mobiliar zu Bruch geht. Die Aufgabenstellung ist komplex. Gleise sind schnell verlegt, aber jedes verschobene Signal, jede neue Weiche und jede Kreuzung muss zentimetergenau geplant und platziert werden. Dann werden sie mittels Kabeln mit dem Drucktastenstellwerk verbunden. Dort muss dann alles neu programmiert werden. Diese in 18"signaltechnische Bauzustände" unterteilte Umbauarbeiten mit hunderten Kilometern Kabeln und Adern sind höchst kompliziert, sie müssen umfassend geplant und vor der Inbetriebnahme vom Eisenbahnbundesamt (Eba) abgenommen werden.
Es stellt sich die Frage nach Qualität und Sicherheit der Arbeit
"Wir schaffen wie die Verrückten", sagt ein Insider - trotzdem hinke man dem Zeitplan weit hinterher, und es sei "nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu großen Verschiebungen kommt". Dass die ersten beiden Abschnitte noch pünktlich zu Ende geplant worden sei und vom Eba habe abgenommen werden können, obwohl (beim ersten Abschnitt) 166 Tage Verspätung aufgelaufen seien, habe man dem großen Engagement der Beschäftigten zu verdanken.