Stuttgart 21 Feuerwehr kritisiert Konzept der Bahn

Von Markus Heffner 

Feuerwehr und Bahn wollen die Sicherheit in den Stuttgart-21-Tunneln verbessern. Von 16 Punkten auf der Mängelliste sind 14 allerdings noch immer offen – einige von ihnen sind von zentraler Bedeutung.

Die Fachleute verlangen von der Bahn mehr Sicherheit im Tunnel. Foto: dpa 23 Bilder
Die Fachleute verlangen von der Bahn mehr Sicherheit im Tunnel.Foto: dpa

Stuttgart - Bis zum 14. Juni lief die Stellenausschreibung der Stuttgarter Branddirektion, in der ein Experte mit ganz spezifischem Arbeitsgebiet gesucht wurde: ein Projektleiter für Stuttgart 21, der für die Sicherheit während der Bauphase und vor allem beim späteren Betrieb des neuen Tiefbahnhofs und der Tunnelröhren sorgen soll. Um solch eine Koordinierungsstelle bemühe sich die Feuerwehr schon lange, sagt der Amtsleiter und Stadtdirektor Frank Knödler. Es seien ausreichend qualifizierte Bewerbungen eingegangen.

Gesucht wurde dabei eine „dynamische, verantwortungsfreudige und menschlich überzeugende Persönlichkeit mit Führungsqualitäten und Verhandlungsgeschick“, das bei den anstehenden Aufgaben offenbar nötig ist. So hat die Stuttgarter Feuerwehr bereits vor geraumer Zeit einen 16-Punkte-Katalog aufgestellt, in dem sie gegenüber der Bahn klarmacht, an welchen Stellen aus ihrer Sicht in puncto Sicherheit noch nachgebessert werden muss. 14 Punkte davon sind laut Knödler noch offen, wobei nach längerer Auszeit nun ein „guter Dialog mit der Bahn begonnen hat“, sagt der Stuttgarter Feuerwehrchef.

Das liegt vor allem auch daran, dass die Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 zwischenzeitlich einen zentralen Koordinator und Projektverantwortlichen eingesetzt hat, der sich um die von der Feuerwehr bemängelten Sicherheitsaspekte kümmern soll – nicht nur in Stuttgart, sondern im gesamten Bereich des Schienenprojekts einschließlich der Neubaustrecke nach Ulm. „Die Bahn hat sich bereit erklärt, die einzelnen Punkte zu prüfen“, erklärt auch der Stuttgart-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich. „Wir gehen davon aus, dass wir in allen relevanten Punkten Einvernehmen erringen werden.“ Zum Stand der Verhandlungen könne er allerdings nichts Konkretes sagen. „Wir haben uns darauf verständigt, keine Zwischenstände rauszugeben“, so Dietrich.

Experten lehnen Trockenleitungen ab

Diskutiert werden müssen dabei aus Sicht der Stuttgarter Feuerwehr vor allem fünf wesentliche Punkte. Knödler: „Die übrigen Anliegen sind uns auch wichtig, aber nicht von zentraler Bedeutung für die Sicherheit.“ Nicht zu akzeptieren sind für die Brandschutzexperten allen voran die so genannten Trockenleitungen, die von der Deutschen Bahn aus Kostengründen in sämtlichen Tunnelröhren verlegt werden sollen und auch in den Planfeststellungen so beantragt und genehmigt wurden. „Wir brauchen sofort Wasser am Strahlrohr, wenn in einem Tunnel etwas passiert ist“, betont Knödler. Wenn vor dem Löschen die Leitungen zunächst einmal eine Dreiviertelstunde befüllt werden müssten, verliere man bei der Rettungsmaßnahme viel zu viel kostbare Zeit. Dennoch sehe die Bahn bis jetzt keine Möglichkeit, ihr Konzept zu ändern, so Knödler. „Wir werden von unserer Forderung aber nicht abrücken.“