Stuttgart 21 Filderbahnhof plus auf dem Abstellgleis

Verkehrsminister Hermann (Grüne) findet den „Filderbahnhof plus“, der beim Filderdialog als zweitbeste Lösung identifiziert wurde, besser als die von der Bahn geplante Variante. Er will die prognostizierten Mehrkosten aber nicht zahlen. Die Bahn auch nicht. Und da fangen die Probleme erst an.

Der verbesserte Flughafenbahnhof war im Filderdialog als zweitbeste Lösung erkannt worden. Mehr zum Filderdialog erfahren Sie in der Fotostrecke. Foto: Achim Zweygarth 17 Bilder
Der verbesserte Flughafenbahnhof war im Filderdialog als zweitbeste Lösung erkannt worden. Mehr zum Filderdialog erfahren Sie in der Fotostrecke.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat gegenüber der Stuttgarter Zeitung erstmals eingeräumt, dass auch er den sogenannten Filderbahnhof plus „im Vergleich mit der bisher von der Bahn geplanten Variante für die bessere Lösung“ hält. Dennoch sei er nicht bereit, einen Anteil an den Mehrkosten dafür zu übernehmen. Seine Begründung: im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 nutze die optimierte Version des Filderbahnhofs zwar den Fahrgästen, die schneller von der Station zum Flugterminal gelangten, in verkehrlicher Hinsicht bringe die Alternative aber keinen Vorteil – „und das ist es, was für den Verkehrsminister entscheidend ist“.

In einem Brief an Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer habe er trotzdem seine Forderung nach einer raschen Sitzung des Lenkungskreises erneuert, sagte Hermann. Die S-21-Projektpartner Bahn, Land, Stadt Stuttgart und Verband Region Stuttgart müssten jetzt entscheiden, welche Bahnhofsvariante am Flughafen gebaut werden soll. Er lasse sich nicht dafür verantwortlich machen, „wenn es zu Ver­zögerungen kommt“. Es sei vielmehr die Bahn, die immer wieder für Überraschungen sorge. So habe ihm zwar Volker Kefer Gesprächsbedarf in Sachen Flughafen signalisiert. „Wenn aber gleichzeitig Projektsprecher Wolfgang Dietrich sagt, dass auf den Fildern wegen der Weigerung des Landes der schlechtere Bahnhof gebaut wird, dann wundert mich das“, sagte Hermann.

Die Variante "Filderbahnhof Plus"

Bopp plädiert offen für die Plus-Variante

Dietrich hatte erst am Mittwoch erneut erklärt, er glaube nicht, dass sich Land und Stadt für den Filderbahnhof plus aussprächen. „Unsere Planung geht davon aus, dass wir die sogenannte Antragstrasse realisieren“, sagte er. Spätestens Ende April wolle die Bahn die Pläne zur Genehmigung an das Eisenbahn-Bundesamt senden. Dietrich kündigte zudem an, dass in den nächsten Tagen der Termin für die nächste Sitzung des Lenkungskreises ausgemacht werden soll – offenbar Mitte/Ende April.

Der Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) hat sich am Donnerstag nochmals öffentlich für den Filderbahnhof plus ausgesprochen. Damit werde „aus einem reinen Zubringerbahnhof für den Flughafen ein Umsteigebahnhof, der S-Bahn, Regional- und Fernzüge verbindet“, sagte er. Zudem entlaste diese Variante den Hauptbahnhof und die überlastete S-Bahn-Stammstrecke in der Innenstadt. „Die Landesregierung muss jetzt rasch den Aufschlag machen“, sagte Bopp. „Wir fordern, dass sie darüber nochmals nachdenkt.“ Unter den Befürwortern gibt es offenbar Überlegungen, dass die Flughafen GmbH, an der Land (65 Prozent) und Stadt (35 Prozent) beteiligt sind, einen höheren Anteil übernimmt – und damit eine direkte Beteiligung von Land und Stadt kaschiert werden könnte. Beide lehnen die Übernahme von Mehrkosten ab.

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108 Kommentare Kommentar schreiben

klaus, 12:32 Uhr ich schliesse mich der frage an .... : '1. Hat die Bahn eine genehmigte Planung für einen Flughafenbahnhof?: 'Nach mehrfacher Überarbeitung des Antrags hat das Eba dann im Herbst 2011, also neun Jahre nach Antragstellung, die Vollständigkeit der Unterlagen attestiert und der Bahn mitgeteilt, diese könnten jetzt ausgelegt werden. Dazu kam es aber nicht: Anfang 2012 wurde die Planung laut Bahn wegen des von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) angeregten Filderdialogs bis auf Weiteres eingefroren.'http://m.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-die-rueckkehr-zur-antragstrasse-birgt-risiken.043aa227-7082-4118-b163-bc76b0c5fdef.html

Kapiert es doch endlich: Da legen die S21-Gegner doch immer so viel Wert auf direkte Demokratie und dass die gesamte Bevölkerung abstimmen soll und nicht nur ein paar (aus-)gewählte Personen, und jetzt meinen sie, nur weil einige Dutzend Anwohner der S-Bahn-Strecke Rohr-Flughafen beschlossen haben, dass sie nicht mehr Bahnverkehr vor ihrer Haustüre wollen und die Züge bei anderen Bürgern vorbeifahren sollen, dies wäre eine mehrheitliche Meinung der Bevölkerung. Hätten die Anwohner der Panoramastrecke im Stuttgarter Westen und Norden abstimmen dürfen, wäre mit Sicherheit eine Flughafenlösung mit den meisten Stimmen versehen worden. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Es war ganz klar Grundlage des Filderdialogs und allen Teilnehmern von Anfang an klar, dass es nur um die Strecke Böblingen-Flughafen und die Flughafenbahnhöfe ging, da die von Minister Hermann vorgeschlagene Panoramabahnvariante nur dazu geführt hätte, dass S21 hätte komplett neu aufgerollt werden müssen, was sicherlich von Herrn Hermann so beabsichtigt war. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Somit waren alle Stimmen, die für die Panoramabahnvariante abgegeben wurden von vornherein ungültig, da sie grundlegende Prämissen nicht beachteten. Deshalb war die Lösung 'Filderbahnhof plus' mit gemeinsamer Station für NBS und Gäubahn unter der Flughafenstraße mit den meisten gültigen Stimmen durchaus Ergebnis des Filderdialogs. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Man mag zum Filderdialog stehen wie man will und das Ganze als Farce betrachten oder nicht, die Tatsachen sollte man aber dabei nicht aus den Augen verlieren. Und wer jetzt noch meint, 'nur weil ich meinen Willen nicht bekommen habe, soll die Bahn die ursprünglich vorgesehene Murksplanung ausführen und nicht die für die Reisenden bessere Lösung' handelt wie ein trotziges Kind, das auch (sich und) die ganze Welt bestrafen will, wenn es nicht nach seinem Kopf geht.

Obenbleiberin: Für Sie zum Mitschreiben: „Die Bürger“ haben sich beim Filderdialog für gar nichts entschieden. 1. Wo ist die Legitimation dafür, dass die paar anwesenden Hansel für „die Bürger“ gesprochen haben? Wer hat gesagt, dass sie etwas entscheiden dürfen? Wurden sie gewählt? ===============2. Wenn sich 45 Hansel für eine von Hermann getürkte Variante ausgesprochen haben, so ist das dessen Machwerk und ohne Belang. =============3. Es war von vornherein klar und wurde auch so von Frau Erler transportiert, dass der Filderdialog nur zum Reden gedacht war und keinesfalls dafür, eine Entscheidung zu treffen. Gerade weil keine Entscheidung getroffen werden konnte, sollen ja jetzt die Projektpartner entscheiden.

bei der cdu hätte es gar kein dialog gebeben aber ist auch egal: weil ob die grünen uns bescheissen oder die cdu spd fdp ist auch egal

Kevin Weißbier, 08:52 Uhr: es gibt keinen siegerentwurf im filderdialog. weil der filderdialog von anfang bis ende eine verlogene veranstaltung war. da haben sich die grünen wieder mal nicht mit ruhm bekleckert, allen voran diese unsägliche Erler. ich frage mich warum ihr gegner eine volksbefragung als ungültig hinstellt, aber diesen seltsamen filderdialog als das nonplusultra.

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