Stuttgart 21 Finanzierung der Filderstation bleibt umstritten

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Die Projektpartner von Stuttgart 21 erwarten am Freitag harte Verhandlungen in Berlin. Dort debattieren Bahn, Land, Stadt und Region Stuttgart über den Filderbahnhof – Ausgang völlig offen.

Die S-21-Projektpartner verhandeln am Freitag im Bahn-Tower über den Filderhalt. Foto: dpa
Die S-21-Projektpartner verhandeln am Freitag im Bahn-Tower über den Filderhalt.Foto: dpa

Stuttgart/Berlin - Viele gute Wünsche begleiten den Tross aus Baden-Württemberg auf seinem Weg nach Berlin, wo Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer am Freitag den Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Stuttgarts OB Fritz Kuhn (beide Grüne) und den Regionalpräsidenten Thomas Bopp (CDU) zum Gespräch über die Anbindung des Manfred-Rommel-Airports im Rahmen von Stuttgart 21 empfängt. Er habe von allen drei Landsleuten „den Eindruck, dass sie eine bessere Lösung als die Antragstrasse finden wollen“, sagt der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk (CDU). Und: „Ich bin froh, dass endlich Bewegung in die festgefügten Fronten geraten ist.“

Tatsächlich scheinen sich die schwäbischen Emissäre in zähen Vorgesprächen darauf geeinigt zu haben, dass die bisherigen Pläne zur S-Bahn-Station am Flughafen um ein drittes Gleis ergänzt werden sollen (die StZ berichtete). Dieses soll reserviert werden für Züge der Gäubahn. Vorteil dieser Variante: die S-Bahn-Station bliebe unverändert und würde weiterhin ausschließlich von S-Bahnen genutzt werden. Zudem könnte später eine Anbindung an die Neubaustrecke Richtung Ulm realisiert werden. Der Nachteil: schon ohne diese optionale Anbindung an die Neubaustrecke entstehen Mehrkosten von etwa 120 Millionen Euro. Wer wieviel davon zahlt, ist offen.

Der Kostendeckel soll geschlossen bleiben

Alle Projektpartner erwarten in dieser Hinsicht harte Verhandlungen. Weil in der Landesregierung sämtliche Beteiligten sicher sind, dass sich die S-21-Bauherrin nur dann von ihrer Antragstrasse verabschiedet, wenn Geld von Stuttgart nach Berlin fließt, debattieren Grüne und SPD intensiv über Nebenfinanzierungen, die der Bahn zusätzliche Millionen über Gebühren von Trassen- und Bahnhofsnutzungen sowie über die Bestellung von weiteren Zügen bescherten. Auf diese Weise, so das Kalkül der Koalitionäre, könnte der Kostendeckel geschlossen bleiben, aber dennoch eine Co-Finanzierung realisiert werden.

Minister Hermann hat jedoch strikte Gegner dieses Handels in den eigenen Reihen. Andreas Schwarz, Vizechef der Grünen-Landtagsfraktion, sagt zwar, dass der Bau eines dritten Gleises „Charme“ habe. Da aber ihre Antragstrasse ausweislich eines Gutachten der TU Dresden nicht genehmigungsfähig sei, müsse die Bahn „ohne Wenn und Aber eine andere Variante planen, umsetzen und bezahlen“.

Viele grundsätzliche Probleme auf den Fildern bleiben

Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder sieht die Dinge noch grundsätzlicher. Auch mit dem Bau eines dritten Gleises würden „die meisten offenkundigen Probleme der Antragstrasse übernommen“, sagt der S-21-Gegner und nennt als Beispiele unter anderem den Mischverkehr aus S- und Fernbahnen durch Leinfelden-Echterdingen, der mehr Lärm und Erschütterung erzeuge. Dem kann auch der OB von L.-E. nicht widersprechen. „Diese Probleme bleiben“, sagt Roland Klenk, „aber meine Sorge wegen des S-Bahn-Betriebs am Flughafen wäre gelöst.“ Und dafür wäre er auch bereit, eine weitere Unannehmlichkeit in Kauf zu nehmen. „Für mich“, sagt Klenk, „ist nicht entscheidend, ob das dritte Gleis gleichzeitig mit dem Rest von Stuttgart 21 in Betrieb geht. Die Hauptsache ist, dass es überhaupt kommt.“

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27 KommentareKommentar schreiben

Falsche Überschrift: Wieso bleibt die Finanzierung umstritten? Finanzieren müssen es wir Bürger über die Steuern, spielen da die verschiedenen Wege der Geldströme noch eine Rolle. Wir sind ja alle (zumindest mehrheitlich) für S21 und haben dem Projekt zugestimmt. Die Beträge die damals genannt wurden und auch als Kostendeckel definiert werden ja wohl reichen. Einfach bisschen mehr Vertrauen in die Bahn und die anderen Projektpartner setzten die werden schon wissen was sie tun.

Da meint doch eine bestimmte Frau in einfacher Manier einer regelrechten Treppenhausrunde, S21-Kritiker hätte nun die große Erleuchtung erreicht, es würde an S21 nichts mehr vorbeiführen. Der Verfasserin scheint aber selbst die Erkenntnis zu fehlen, daß PFA1.3 noch längst nicht genehmigt ist und die Beurteilung der TU Dresden aussteht. Genauso fehlt ihr aufgrund mangelndem Fachwissen die Erkenntnis, daß mit der Absicht von VM Hermann, die Reisezüge der Gäubahn und die S-Bahnen zu verdoppeln konträr zur Kapazitätsbegrenzung auf der Fildertrasse stehen wird. In diesem Zusammenhang fehlt offensichtlich vollends die Erkenntnis, daß die Reisezüge am Flughafenbahnhof auf das 3. Gleis aus- bzw. eingefädelt werden muß, was einen verspätungsanfälligen Zwangspunkt darstellt. Schlußendlich wurde noch gar nicht untersucht, ob aufgrund des Mischverkehrs mit Reisezügen, S-Bahnen sowie Güterzügen zwischen Herrenberg und Böblingen überhaupt noch Trassen für weitere Reisezüge frei sind. ... Fazit: Eine überhastete Entscheidung ohne Kenntnis der Durchführbarkeit. Genauso wie es OB Klenk von LE schon vor dieser Entscheidung zugegeben hat: Einfach froh sein darüber, daß das 3. Gleis im Flughafenbahnhof funktioniert, alles andere ist völlig unwichtig. Hauptsache mal wieder, S21 als Symbol nach dem Motto "wir werden es dem Volk schon zeigen, wer Herr im Hause ist" ein Stück hinübergerettet zu haben. Aber - das Projekt ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. Denn da stehen noch aus: Abstellbahnhof, Nesenbachdüker, Baustellen in Wangen, Fasanenhof und sogar im Boßlertunnel (NBS). Nichts geht voran. ... --- Oben bleiben!

frau müller: alle 30 minuten ein metropolexpress auf der gäubahn. so habe ich es gelesen. wo haben sie gelesen, dass die züge auf der gäubahn und die s-bahnen verdoppelt werden sollen?

sie geifern wieder: so langsam kommt auch bei den heftigsten gegnern die erkenntnis, dass nichts mehr an s 21 vorbeiführt.

Erkenntnis: woher haben Sie denn diese Erkenntnis?

Ordentlich: Man sollte den besten Filderbahnhof bauen! Wenn das Geld fehlt, sollte man es von den Autobahnen nehmen. Damit wären S21-Befürworter und S21-Gegner/Ökos beidermaßen zufrieden. Leider glaube ich aber nicht, dass es den Gegner wirklich um den Öko-Gedanken geht. Auch wenn man nicht leugnen kann, dass jeder Euro für die Bahn besser ist als 2 Euro für die Autobahn. Aber mit Logik hatten es die Gegner nie so und auch nicht mit zielführenden Öko-Gedanken.

Geld: es gibt weder vom Land, noch von der Stadt noch irgendwelches Geld für diesen Planungs-Mist. Das müsste Ihnen doch mittlerweile klar sein. Wenn die Bahn nicht das liefern kann, was bei der Volksabstimmung versprochen wurde, dann soll sie es einfach bleiben lassen oder selbst bezahlen. Ist doch ganz einfach und so sind Gegner und Befürworter zufrieden.

ehrlich?: geld gibt es vom land nicht? keinen tag halten ihre aussagen herr spitzer

Ungelegte Eier?: Wer es noch nicht bemerkt haben sollte: Man kann das gesamte Trauerspiel auf einen Nenner bringen, nämlich, daß S21 GERADE MAL SO UND AM RANDE LAUFEN SOLL, im Kessel wie auch auf den Fildern. Ähnlich einem zusammenkonstruierten Auto mit einem Stottermotor, mal läuft er, mal nicht, mal fliegen die Radscheiben fort, mal halten sie. OB Klenk bestätigt diese Einstellung: Er ist froh, wenn WENIGSTENS der Filderbahnhof mit einem 3. Gleis funktioniert, alles andere ist ihm egal. Jedenfalls ein Eingeständnis, daß die Fildertrasse wohl oder übel nicht einmal "optimal" funktionieren wird, da die anderen Zwangspunkte wie Rohrer Kurve und anderes bleiben. ... Man kennt es aus dem sog. Stresstest, wo die SMA dem S21-Bahnknoten insgesamt eine "wirtschaftlich optimales" Betriebsqualität bescheinigt (von den extremen Fehlern beim Finalen Simulationslauf abgesehen), was nichts anderes bedeutet als ständiges Fahren am Rande der Kapazität, also ohne Reserven und Inkaufnahme von teils enormen Verspätungen. ... Das gleiche beim Brandschutz. Für die Deutsche Bahn gilt: Alle Züge in der Spitzenstunde sind nicht voll (warum werden dann überhaupt so viele Züge geplant?), daher geht man nur von 10.000 zu evakuierenden Menschen aus, statt, wie in PFB1.1 von 16.000 aus. Weiter teilt die Bahn pauschal die Masse gleichmäßig auf, so daß pro Bahnsteig "nur" 4.000 Menschen zu evakuieren wären. Und was sagt z. B. der U-Bahn-Experte in Köln? Er geht von höchstmöglicher Anzahl von Fahrgästen, welcher ein Zug fassen kann, einschließlich der wartenden Passagiere am Bahnsteig, aus. Im übertragenen Sinne wäre das bei S21 über 6.000 Passagiere, mit denen man im Extremfall rechnen muß. ... Fazit: Nicht nur bei der Kapazität, sondern auch bei der Bewertung der RETTUNG VON MENSCHENLEBEN gilt bei der Bahn die "WIRTSCHAFTLICH OPTIMALE" Betriebsqualität. Opfer werden also in Kauf genommen. Leider ist aber offensichtlich der Politik die Rettung des Projekts S21 wichtiger als Menschenleben. Nur noch erbärmlich. Daten aus https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=eQPMXEJqvf0. --- Oben bleiben!

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