Stuttgart 21 Gegner verzögern die nächtliche Fällaktion

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Die Bahn rodet den Bereich vor dem Wagenburgtunnel. Die Polizei räumt eine Blockade der Baustelle - und einen Mann holt sie vom Baum.

Ein Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 wird am Sonntag (22.01.2012) von Sondereinsatzkräften der Polizei in Stuttgart von einem Bagger geholt. Unter Protest begannen im Bereich des Wagenburgtunnel die Fällung von 31 Bäumen. Foto: Franziska Kraufmann dpa/lsw  +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: dpa 54 Bilder
Ein Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 wird am Sonntag (22.01.2012) von Sondereinsatzkräften der Polizei in Stuttgart von einem Bagger geholt. Unter Protest begannen im Bereich des Wagenburgtunnel die Fällung von 31 Bäumen. Foto: Franziska Kraufmann dpa/lsw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Stuttgart - Irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag bekam Carola Eckstein, Sprecherin der Parkschützer, eine Nachricht auf ihr Handy. „Bäume fällen bei Nacht und Sturm ist verboten“, gab sie wieder, was sie von Ingenieuren, die gegen Stuttgart 21 sind, souffliert bekam. Es ist eine gute Nachricht für die Gegner, auch wenn die Rodungsmaschinen schon aufgefahren sind vor dem Portal des Wagenburgtunnels: Damit haben sie etwas gegen die Bahn in der Hand; in der Tat zerfetzte der Wind Schirme und zerrte an Transparenten der Gegner, längst nach Mitternacht.

Schon am Nachmittag hatte irgendjemand den Parkschützern geflüstert, dass genau dies in der Nacht passieren sollte: Die Bäume am Wagenburgtunnel sollten fallen. Deswegen hatte sich ein Teil der Demo-Teilnehmer nach der Kundgebung des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 spontan zum Ort des Geschehens begeben, um zu demonstrieren und zu blockieren. 90 Personen waren es zunächst. Als die Polizei gegen 21 Uhr das Baustellengebiet absperrte, waren es rund 250. Die Bahn hat mit den Baumfällungen in der Nacht zum Sonntag die Vorbereitungen getroffen, um die Baustelle für den Fildertunnel einzurichten. Durch die knapp zehn Kilometer lange Röhre sollen die Züge vom geplanten Tiefbahnhof auf die Filder geführt werden. Dass 50 Demonstranten die Arbeit blockierten, ein Mann einen Baum besetzte und zwei Männer auf ein Baufahrzeug kletterten, führte dazu, dass die Rodung mit einer mehr als dreistündigen Verspätung erst nach Mitternacht begann.

In Fluchtwegen Kameras zerstört

Einige Störungen seien für die Einsatzkräfte definitiv nicht als friedlich einzustufen gewesen, sagte der Sprecher der Polizei, Stefan Keilbach. Sechs Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren, vier Männer und zwei Frauen, nahm die Polizei fest, als sie in den Fluchtwegen der Tunnelröhre Sicherheitskameras zerstörten. „Diese Kameras haben weder mit der Polizei noch mit Stuttgart 21 etwas zu tun“, so Keilbach. Und zweimal musste ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei mit einem Hubwagen anrücken. Vor Mitternacht holten sie einen 53-jährigen Mann aus einem Baum, der sich vom Anti-Konflikt-Team der Stuttgarter Polizei nicht zur Aufgabe hatte bewegen lassen. Als dann die ersten Bäume schon gefallen waren, erschreckten zwei junge Männer die Bauarbeiter: Wie aus dem Nichts – vermutlich über das Gelände der Staatsgalerie – rannten sie zu einem Baufahrzeug und kletterten hinauf. Ein 21-Jähriger gab schnell wieder auf, ein 29-Jähriger setzte sich auf den Greifarm. Seinetwegen musste das SEK erneut anrücken.

Rund 600 Beamte im Einsatz

Die Demonstranten haben die Bauarbeiten zwar gestört, doch sind diese schneller vorangegangen als gedacht. Kurz nach Mitternacht hatte der Stuttgart-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich die Baustelle etwas skeptisch verlassen; er war sich nicht sicher, ob der Bereich vor dem ehemaligen Club Röhre wie geplant bis 9 Uhr morgens um 31 Bäume und zahlreiche Sträucher ärmer sein würde. Die Häckselmaschinen, welche die Gehölze vor Ort zerschredderten, liefen dann aber nur bis 5.45 Uhr, der letzte Baum war um halb vier Uhr gefällt worden. Bis zu 600 Beamte habe die Polizei zum Schutz der Baustelle in der Nacht im Einsatz gehabt, sagte der Polizeisprecher Stefan Keilbach. Als Nacht- und Nebel-Aktion beschimpften die Kritiker die Bauarbeiten. Dem trat Projektsprecher Wolfgang Dietrich entgegen. Sein Kommunikationsbüro habe am Freitag angekündigt, die Baustelle werde in den kommenden Tagen eingerichtet . Der Termin in der Samstagnacht sei in Abstimmung mit der Polizei und der Stadt vereinbart worden, um die Verkehrsbehinderungen möglichst gering zu halten. Auch das Argument der Gegner, die Bauarbeiten seien illegitim, weil eine Planänderung noch nicht genehmigt sei, akzeptierte er nicht. Der Bau des Tunnels sei grundsätzlich genehmigt, und die Baumfällungen seien mit dem Eisenbahnbundesamt abgestimmt und von diesem genehmigt.

Für die nächste geplante Baumaßnahme, die Baumfällungen und Verpflanzungen im Schlossgarten, fehlt der Bahn indes noch die Genehmigung.