Stuttgart 21 Grundwasser: Zeitplan gerät ins Schwimmen

Von Thomas Braun und Markus Heffner 

Die Bauarbeiten am Projekt Stuttgart 21 verzögern sich erneut: Die Änderung der wasserrechtlichen Genehmigung für den Bau des unterirdischen Durchgangsbahnhofs weitet sich zum großen Verfahren aus.

Beim Grundwassermanagement für den Bau des Tiefbahnhoftrogs läuft für die Bahn nicht alles nach Plan. Foto: Achim Zweygarth
Beim Grundwassermanagement für den Bau des Tiefbahnhoftrogs läuft für die Bahn nicht alles nach Plan.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Baubeginn des Stuttgart-21-Bahnhoftrogs wird sich möglicherweise um weitere Monate verzögern. Martin Schönbeck, der Kommunikationschef der mit der Planung betrauten DB-Tochter Projektbau, hat am Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats überraschend ein „neues Planfeststellungsverfahren“ für das Grundwassermanagement in diesem Bauabschnitt angekündigt. Ursache sind die höheren Wassermengen, die aus der Baugrube gepumpt werden müssen. „Wir gehen von einem größeren Anhörungsverfahren inklusive Erörterungstermin aus“, so Schönbeck auf Nachfrage des Grünen-Fraktionschefs Peter Pätzold. Selbst der Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) wollte seinen Ohren nicht trauen und ließ die Neuigkeit im Sitzungsprotokoll ausdrücklich festhalten.

Das Eisenbahn-Bundesamt macht Erörterung zur Auflage

Bisher hatte die Bahn stets davon gesprochen, die siebte Änderung ihrer Pläne sei reine Routine; es müsse lediglich die wasserrechtliche Genehmigung den neuen Umständen angepasst werden. Diese war Bestandteil des Baubeschlusses für den Tiefbahnhof. In einem Gespräch mit Journalisten hatte Bahn-Anwalt Walter Kirchberg am Montag noch ausgeführt, die nötige Erhöhung der abzupumpenden Grundwassermenge von 3,2 auf 6,8 Milliarden Liter sei durch die Änderung des Planes gedeckt und es müssten die Unterlagen lediglich öffentlich ausgelegt werden. Nun hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zusätzlich einen Erörterungstermin zur Auflage gemacht.

Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, das das Planfeststellungsverfahren vor Ort durchführt, erklärte auf Anfrage, die geänderten Pläne würden frühestens nach Ende der Sommerferien öffentlich ausgelegt. Über die Dauer des Verfahrens bis zu einer Entscheidung des EBA wollte der RP-Sprecher nicht spekulieren. Er verwies lediglich auf die Verfahrensdauer bei den Planänderungen für den Bauabschnitt Fildertunnel: Dort liegt nunmehr neun Monate nach Auslegung der Pläne sowie dem Erörterungstermin noch immer keine Genehmigung des EBA vor. Die Bahn geht laut Schönbeck aber weiter davon aus, das Grundwassermanagement im Januar 2013 in Betrieb nehmen zu können. Die bestehende Anlage im Schlossgarten ist zurzeit nicht in Betrieb, da das EBA die entsprechende Genehmigung nicht erteilt hat.

Zweite GWM-Anlage auf dem Areal des ehemaligen Südflügels

Schönbeck und der mit den Planungen für das Grundwassermanagement betraute Gutachter Theo Westhoff informierten den Ausschuss auch darüber, dass die Bahn auf dem Gelände des abgerissenen Südflügels eine zweite stationäre Grundwassermanagementanlage errichten will, die helfen soll, die Spitzenmengen beim Abpumpen und Infiltrieren zu bewältigen. Einen entsprechenden Bericht der Stuttgarter Zeitung vom Januar dieses Jahres hatte der Projektsprecher Wolfgang Dietrich seinerzeit umgehend relativiert: Dies sei „nur eine von mehreren Optionen“ so Dietrich damals.

Die Bahn erklärte nun, die zweite Anlage werde so groß ausfallen wie die bestehende. Beide Anlagen würden durch Rohre verbunden, um die erhöhte Wassermenge aufnehmen und reinigen zu können. Auch der Durchmesser der Rohre wird laut Westhoff vergrößert – von 15 auf 20 Zentimeter. Zu den Mehrkosten für die zweite Anlage will sich die Bahn derzeit nicht äußern. Auf der Zuhörertribüne im Rathaus regte sich bei Westhoffs Erläuterungen und den Stellungnahmen der Fraktionssprecher lautstarker Widerstand. Es hagelte Zwischenrufe, Proteste und teilweise auch Beleidigungen. Sogar der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker, S-21-Protestveteran der ersten Stunde, sah sich veranlasst, die Zuhörer zur Mäßigung zu mahnen. Ungeachtet der Probleme beim Thema Wasser hält der S-21-Projektsprecher Dietrich daran fest, Anfang 2013 werde mit den Arbeiten am Tiefbahnhof und der Talquerung begonnen. Die Pläne würden so angepasst, dass der Einsatz einer Abpump- und Infiltrationsanlage zunächst ausreiche, so Dietrich. Es seien zwischenzeitlich rund 1000 Erkundungsbohrungen im Untergrund durchgeführt worden. Zudem lägen umfangreiche Erkenntnisse über die Gebirgsdurchlässigkeit und den Aufbau der geo­logischen Schichten vor: „Wir können ­maximale Bausicherheit garantieren.“ Allerdings ist das für den Betrieb der Anlage notwendige artenschutzrechtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen. Im Verkehrsministerium geht man nach StZ-Recherchen dagegen von einem Baubeginn frühestens zu Beginn 2014 aus.

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163 KommentareKommentar schreiben

Kirchenmusiker haben in Physik nicht aufgepasst - das Gesetz der verbundenen Gefäße!: Ach Herr Schwab! 'Die U-Haltestelle hat nur vier Gleise ' Das ist dem Grundwasser, was von Süden nach Norden 'fließen' will - talabwärts, so behaupten es zumindest die S21-Gegner - völlig egal, wie breit der heutige Tiefbahnhof ist. Fakt ist, er stellt einen 'Riegel quer zum Tal' dar, und würde einen unterirdischen Wasserstrom komplett stauen nach Theorie der S21-Gegner. Dass dieses Phänomen nicht auftritt, beweist klar: Die Theorie ist Unsinn, denn das Grundwasser umfließt den Tiefbahnhoftrog auch unterhalb seiner Sohle und breitet sich zudem per Druckausgleich in alle Richtungen aus. Beim heutigen Tiefbahnhof genauso wie beim künftigen. ________________________________________________________________________ 'und ist nicht 420m, sondern nur 120m lang. ' Das ist falsch. Mit den Zulauftunneln aus 4 Richtungen und den Tunnels Willy-Brand-Straße zusammen ist der heute existierende Tiefbahnhof AKP 690m lang und liegt damit bereits in fast voller Länger 'quer zum gesamten Tal'. Warum ist er also noch nicht weggespült worden, wie die Verschwörungstheoretiker behaupten? ________________________________________________________________________ 'Die U-Haltestelle und der Tiefbahnhof zusammen werden aber die ganze Talbreite für das Grundwasser blockieren' Wenn Ihre Theorie stimmen würde, würde bereits die heutige AKP das gesamte Tal blockieren und das Grundwasser komplett blockieren, weil er talabwärts geblickt VOR allen künftig zu bauenden Tunnels liegt und sogar im kritischen Bereich etwas tiefer. Ob dahinter noch ein 'zweiter Riegel' folgt oder nicht, wäre egal. Da allerdings die Theorie nicht stimmt, ist weder der erste noch der zweite Tiefbahnhof eine Gefahr fürs Grundwasser. ______________________________________________________________________ 'Das Wasser strömt nun mal aus physikalischen Gründen nicht talquer, sondern tallängs' Das ist eine laienhafte Annahme. Grundwasser strömt gar nicht in eine bestimmte Richtung, sondern breitet sich per Druckausgleich innerhalb der wasserführenden Schicht in potenziell alle Richtungen aus. Selbst, wenn es eine Vorzugsrichtung gibt, so genügt es, dass sie Schichten per Druckausgleich miteinander verbunden sind, damit ein evtl. Bauwerk unterflossen werden kann. Dies ist sowohl beim existierenden Tiefbahnhof wie dem künftigen voll gegeben, hier ist noch 10-20m Grundwasser unter der Sohle vorhanden für einen Druckausgleich. __________________________________________________________________________ 'Weil man das weiß, schaut der Tiefbahnhof ja teilweise aus dem Boden und blockiert in der Konsequenz die Sichtachse im Tal.' Sie widersprechen sich selbst. Wenn der Tiefbahnhof 'aus dem Boden ragt', bedeutet doch, dass er kaum ins Grundwasser hineinragt, oder? Dann gibt es ja keine Gefahr. Außerdem - welche Sichtachse soll denn da angeblich blockiert werden? Vom Oberen Schlossgarten gibt es gar keine Sicht in den Mittleren, von der Königsstraße ebenso nicht. Vom heutigen Ausgang der AKP Richtung Leitnersteg steigt das Gelände schon heute an, daran wird sich künftig nix ändern. Also, wo bitte soll es die Sichtbehinderung geben?

und wieder eine freie Erfindung des Herrn Schwab: 'und blockiert in der Konsequenz die Sichtachse im Tal. ' Erst seit die Bäume gefällt worden sind kann man ein wenig in den Park hineinsehen. Davor gab es dort keine Sichtachse. Das ist eine freie Erfindung. Vom Schloß aus konnte man selbst im Winter gerade mal Baumkronen sehen. Aber vll. ändert Hr. Schwab ja seine Meinung wieder und findet Sichtachsen auf einmal blöd. So wie er auf einmal barrierefreie Aufzüge toll findet, wenn er selbst an Krücken gehen muss.

Wieder tischt Eisenbahner sein stupides Märchen auf: Eisenbahner behauptet, der U-Bahnhof läge friedlich seit 30 Jahren quer zum Tal. 1. Die U-Haltestelle hat nur vier Gleise und ist nicht 420m, sondern nur 120m lang. 2. Die U-Haltestelle und der Tiefbahnhof zusammen werden aber die ganze Talbreite für das Grundwasser blockieren. Das Wasser strömt nun mal aus physikalischen Gründen nicht talquer, sondern tallängs. Weil man das weiß, schaut der Tiefbahnhof ja teilweise aus dem Boden und blockiert in der Konsequenz die Sichtachse im Tal. Trotzdem denke ich, daß das insgesamt zuviel ist. Ich behaupte, daß ein Unwetter, wie am 15.8.72 in Stuttgart, durch die Verriegelung der Grundwasserströme eine Katastrophe in Stuttgart auslösen würde. Frei Otto hat das auch so gesehen, und stieg daher als Ko-Architekt bei S 21 aus. Der Mann hat immerhin noch ein Gewissen. Das Theater beim nicht genehmigten Grundwassermanagement spricht doch Bände. Stuttgart 21 kommt wegen der Wasserproblematik nicht in die Gänge.

Pseudonym-Fälscher 15.25: Aber hallo, welcher Pseudonym-Fälscher ist denn da am Werk? Was wollen Sie mit Ihrem Beitrag bezwecken?

Seit 30 Jahren liegt der Tiefbahnhof friedlich quer zum Tal, und nichts ist mit dem Wasser passiert!: Werter Ebanque! 'Jetzt werden Sie sagen, die S-Bahn wurde auch gebaut. Das ist richtig aber in Fahrtrichtung Strömung und nicht als Sperre wie der Hbf-Trog.' Zum einen kennt das Grundwasser keine alleinige Strömungsrichtung, sondern verteilt sich nach dem Prinzip des Druckausgleichs. Übrigens auch unter einem gebäude wie dem Tiefbahnhof hindurch, wenn letzterer nur ca. 1/3 in die Grundwasserschicht hineinragt. Selbst, wenn man aber eine Vorzugsrichtung des grundwassers Richtung Tal annehmen könnte, so liegt bereits heute ein unterirdischer Bahnhofstrog 'quer zum gesamten Tal', nämlich die U-Bahn-Station Arnulf-Klett-Platz nebst Zulauftunnels! Diese liegt sogar teilweise tiefer als der S21-Bahnhof, ebenfalls quer zum gesamten tal und aus Blickrichtung Innenstadt sogar vor dem S21 Bahnhof. Sollten sich also negative Auswirkungen auf der Grundwasser ergeben, so wäre dies schon vor 30 Jahren aufgefallen. Doch absolut nichts ist passiert! __________________________________________________________________ 'Ich habe bei mir im Garten einen Bach. Ich weiß genau, was passiert, wenn ich ein Brett quer einstelle. ' Machen Sie mal. Aber stellen Sie das Brett nur 1/3 der Wasserhöhe tief hineinreichend. Was passiert? Nichts, das Wasser fließt darunter hindurch. Übrigens wird für den Nesenbach, das einzige richtige Fließgewässer in diesem Bereich, ein Kanal unter dem Tiefbahnhof hindurch gebaut.

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