Stuttgart 21 hat Folgen für Stadtbahnen Liniennetz noch bis Ende 2020 verändert

Von Josef Schunder 

Die Bahnhofsbaustelle in Stuttgart wirkt sich weiter auf den Stadtbahnverkehr aus. Vom 10. Dezember an, wenn der neue Fahrplan in Kraft tritt, werden vor allem die Linien 9, 11 und 14 betroffen sein.

Die Bahnen der U14 werden von Dezember an zwar noch wie hier am Rotebühlplatz halten, aber für mindestens zwei Jahre nicht mehr zur Endhaltestelle Heslach/Vogelrain fahren. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Bahnen der U14 werden von Dezember an zwar noch wie hier am Rotebühlplatz halten, aber für mindestens zwei Jahre nicht mehr zur Endhaltestelle Heslach/Vogelrain fahren. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Wegen des Bahnhofbaus in Stuttgart und der dadurch notwendigen Verlegung der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie wird das Liniennetz der Stadtbahn bis mindestens Ende 2020 verändert – möglicherweise noch länger. Das kündigte Wolfgang Arnold, Technik-Vorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG, am Dienstag im Umwelt- und Technik-Ausschuss des Gemeinderats an.

Nach einem Jahr Unterbrechung beziehungsweise Verlegung können mit dem neuen Fahrplan am 10. Dezember 2017 zwar die Linien U 1 (Vaihingen–Fellbach), U 2 (Neugereut–Botnang) und U 4 (Untertürkheim–Hölderlinplatz) wieder auf ihre angestammten Trassen zurückkehren, dafür werden aber hauptsächlich die Linien U 14 (normalerweise Heslach/Vogelrain–Mühlhausen), U 9 (Botnang–Hedelfingen) und die Sonderlinie U 11 durch die Innenstadt zum Cannstatter Wasen von den Bauarbeiten aus der Bahn geworfen werden.

Interimszeit könnte auch mehr als 24 Monate währen

Die Bahnen dieser Linien werden in den nächsten Jahren nicht direkt zwischen dem Neckartor und dem Hauptbahnhof fahren können. Die U 9 verläuft zwischen Hedelfingen, Charlottenplatz und Heslach/Vogelrain. Von Botnang fährt stattdessen die neue Interimslinie 29 zum Hauptbahnhof. Die neue U 34 wird interimsweise den Vogelsang im Stuttgarter Westen und den Südheimer Platz im Stuttgarter Süden verbinden. Die U 11 vom Wasen macht am Hauptbahnhof halt, fährt von dort also zurück. Dass die U 34 nicht zum Hauptbahnhof fahren werde, liege daran, dass es zwischen Berliner Platz und Bahnhof an 120 Tagen im Jahr keine Lücken mehr gebe, sagt Nils Himmelmann von den SSB – dann pendeln wegen Großveranstaltungen auf dem Wasen und im Neckarpark die Bahnen der U 11 durch die Stadt und auch auf diesem Abschnitt. 37 000 der 451 000 Stadtbahn-Fahrgäste pro Tag seien von den neuen Linienführungen betroffen. Ihre Reisezeit verlängere sich im Schnitt um drei Minuten.

Dass die Interimszeit mit einem geänderten Streckenverlauf für die Linien 9, 11 und 14 nach 24 Monaten wieder enden wird, ist noch nicht einmal sicher. SSB-Chef Arnold sprach von einer Interimszeit „nicht unter zwei Jahren“. Schon für die Begrenzung auf 24 Monate müsste der Bauablauf für die neue Haltestelle Staatsgalerie durch die Änderung von Baufenstern verbessert werden. Das wiederum ginge nicht ohne Einschränkungen der Fahrspuren an der Erdoberfläche für die Linienbusse, deutete Arnold an. Noch überlege man, ob man der Begrenzung der Interimszeit den Vorzug gebe vor bestmöglicher Stabilität der Busbedienung, sagte Arnold.

Am Charlottenplatz wird noch mehr los sein

Für den Stadtbahnverkehr wollen die SSB die Eingriffe voll auffangen. Auch im sogenannten Netz 2018, also im Angebot für das kommende Jahr, würden alle gewohnten Stationen bedient, wenn auch nicht immer mit den gewohnten Linien, sagte Himmelmann. Der Zehn-Minuten-Grundtakt habe Bestand.

Wie zuvor die Haltestelle Arnulf-Klett-Platz wird nun aber die Station Charlottenplatz durch den Interimszustand an Bedeutung gewinnen. Statt rund 16 000 Umsteiger pro Werktag erwarte man dort von Dezember an etwa 31 000, sagte Himmelmann. Aber das Fahrzeugangebot werde auch fast verdoppelt: Statt drei Linien gebe es dann bis auf Weiteres fünf Linien mit einem Zehn-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten. Das Umorientieren wolle man den Fahrgästen erleichtern, indem man hier, am Rotebühlplatz und am Hauptbahnhof „auf jeden Fall zwei oder drei Wochen lang“ mit Personal für Informationen sorge, möglicherweise auch an anderen Haltestellen. Die neuen Wege sollen in der Station Charlottenplatz zudem markiert werden, doch ein Übermaß könnte eine Reizüberflutung ergeben und besonders bei Gelegenheitsfahrgästen eher Verwirrung stiften, so Arnold. Die Haltestelle, die 1966 als eine der ersten in Betrieb ging und dem damaligen Zeitgeist entspreche, sei baulich schwierig.

U19 soll künftig auch an der Station Wasen halten

Nach der Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs und der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie will der SSB-Chef im Übrigen das Liniennetz auf den Prüfstand stellen: Dann sei die neue, verlegte Haltestelle Staatsgalerie ein Verknüpfungspunkt mit kurzem Fußweg zum Hauptbahnhof. Außerdem werde man auch bedenken, was in der Zeit der Linienverlegungen positiv gewesen sei. So fanden etwa manche Fahrgäste aus den Bereichen Vaihingen und Fellbach vorteilhaft, dass die U 1 sie in den vergangenen Monaten direkt zum Hauptbahnhof beförderte.

Im Fahrplan für 2018 wird auch wieder die U 19 (Neugereut–Neckarpark) eine Rolle spielen, die wegen Fahrermangels bei den SSB am 15. April erst einmal eine Zwangspause einlegen muss. Sie solle aber wieder fahren, und zwar dauerhaft, und sie soll auch an der Haltestelle Wasen halten, versprach SSB-Chef Arnold: „Bis Oktober wird es eine Lösung geben.“

Seit ihrem Start im Oktober 2016 hatte die U 19 aus technischen Gründen nur den Wilhelmsplatz und die Haltestelle Neckarpark bedient. An der Haltestelle Cannstatter Wasen hielt die U 19 nicht.

5 Kommentare Kommentar schreiben

Dauerzustand?: Wenn es zu keiner Einigung über die Mehrkostenübernahme kommt, wird es noch viel länger als 2 Jahre dauern. Stuttgart und das Land Baden-Württemberg sind erpressbar, aber darum haben die einst Verantwortlichen ja gebettelt und die jetzt am Ruder sind, haben es zwar erkannt, wollen es aber nur kritisch begleiten.

In zwei Jahren sind Kommunalwahlen: In ganz Deutschland, nein, auf der ganzen Welt, wird man außer in Stuttgart keinen zweiten Gemeinderat finden, der die eigene Stadt für einen Nichts-Nutz-Rückbau Stück für Stück in Trümmer legt. In zwei Jahren haben die Wähler die wunderbare Gelegenheit, den Tunnelfanatiker von schwarz bis grün die Rechnung zu präsentieren.

Unfassbar: wie hier für dieses mafiöse Deppenbahnhöfle gelogen wurde und noch gelogen wird. Ursprünglich war von 14 Tagen (!!!) Unterbrechung die Rede. Nun verkündet der S21-Drahtzieher Wolfgang Arnold einen Zeitraum von weiteren 2 Jahren mit offenem Ende. Unfassbar, wie der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart an die Wand gefahren wird, für ein Immobilien-Prestige Projekt.

Nun mal halblang, und nicht übertreiben: ZWEIMAL 14 Tage; So hatte es Herr Arnold hoch und heilig dem staunenden Publikum vorgelogen.

Und das: alles für den Rückbau des Schienenverkehrs. Kann man sich ja schon mal dran gewöhnen. Wenigstens wird's dann am Hauptbahnhof schön ruhig, wo sich zur Zeit aufgrund der Umleitungen morgens so viele Leute drängen, dass man kaum aus der Stadtbahn, die mittlerweile in der Rushhour regelmäßig verspätet dort ankommt, aussteigen kann. Ist ja aber offensichtlich so gewollt. Muss man halt 1-2 Bahnen früher fahren um morgens seinen gewohnten Anschluss zu bekommen. Aber braucht schon Schlaf oder ein Frühstück?! zur Belohnung für alle Einschränkungen gibt's dann sicher wieder eine unverschämte Fahrpreiserhöhung um die Leute endgültig zum Umstieg auf's Auto zu bewegen. Schließlich muss man ja den ersten Platz in der Feinstaubhitliste behaupten.

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