Stuttgart 21 Keine Lösung für Baulärm in Sicht

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Die Wangener Baustelle für Stuttgart  21 ist zu laut. Abhilfe könnten nächtliche Sprengungen bringen. Doch dafür hat die Bahn keine Genehmigung. Lieber bezahlt sie weitere Hotelübernachtungen für lärmgeplagte Anwohner.

Die Arbeiten in den Röhren unter dem Stadtbezirk Wangen stören die Anwohner der Baustelle. Foto: Lichtgut/Volker Hoschek
Die Arbeiten in den Röhren unter dem Stadtbezirk Wangen stören die Anwohner der Baustelle.Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Stuttgart - In Wangen sollte so etwas wie weihnachtliche Ruhe eingekehrt sein. Zumindest die von den Anwohnern monierte Lärmbelastung durch Arbeiten an den Tunnels für Stuttgart 21 hat vorübergehend aufgehört. Das liegt aber nicht daran, dass die Bahn eine grundsätzliche Lösung des Problems gefunden hätte. Vielmehr ruhen über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel die Arbeiten auch in den beiden Röhren, die den Neckarvorort einmal mit dem neuen Durchgangsbahnhof verbinden sollen. Frühestens am 7. Januar geht es unter Tage weiter – ob dann auch wieder mit jener Lärmentwicklung, die die Anwohner bereits Anfang Oktober auf die Barrikaden getrieben hatte, steht freilich noch nicht fest.

Fünfstelliger Betrag für Hotelübernachtungen

Anfang Oktober hatten die Beschwerden überhand genommen. Seitdem fährt die Bahn zweigleisig. Zum einen bemüht sie sich um eine Genehmigung, auch in den Nachtstunden sprengen zu dürfen. Zum anderen bietet sie den betroffenen Anwohnern an, vorübergehend ins Hotel umzuziehen. Mit einem mittleren fünfstelligen Betrag hat der S-21-Bauherr auf diese Weise seit Oktober die heimische Hotellerie unterstützt. Und das Angebot gilt weiter. Vom 7. Januar an, wenn die Arbeiter auf die Baustellen zurückkehren, können die Wangener auf Bahnkosten wieder ins Hotel übersiedeln.

Die Bahn ist überzeugt davon, dass die maximal zwei Sprengungen pro Röhre und Nacht weit weniger störend sind als der derzeit eingesetzte Meißelbagger. Der tut in der Zeit zwischen 22 Uhr am Abend und sechs Uhr in der Früh seine Arbeit. In dieser Spanne ist der Bahn – anders als tagsüber – der Einsatz von Sprengstoff untersagt. So will es eine Verfügung der Landesbergdirektion vom April 2015. Bei der selben Behörde, einer Abteilung des Regierungspräsidiums Freiburg, versuchen die Tunnelbauer seit Mitte Oktober eine Änderung der Bestimmungen zu erwirken – bislang ohne Erfolg.

Jüngst reichte die Bahn Gutachten nach, die zum einen die Frage beleuchten, welche gesundheitliche Gefahren von nächtlichen Sprengungen für jene ausgehen, die in der Nähe der Detonation Schlaf finden wollen. Zum anderen musste nachgewiesen werden, wie stark die Erschütterungen durch die Explosionen an der Erdoberfläche wahrzunehmen sind. Die Tunnels verlaufen in einer Tiefe zwischen gut 30 und gut 50 Metern. Eine Bewertung der Gutachten mag das Freiburger Amt noch nicht abgeben und der Behördensprecher verweist auf den zuständigen Mitarbeiter, der just seinen Weihnachtsurlaub angetreten habe. Das Landesverkehrsministerium ist auch nur bedingt hilfreich. Es sei „im Rahmen einer Moderationsrolle an Gesprächen der für das Sprengstoffrecht zuständigen Behörden mit der Bahn beteiligt“, erklärt eine Sprecherin. „Entscheidungsbefugnisse hat das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur aber nicht“.

Bau der zweiten Röhre unter Wangen steht bevor

Die Wangener werden sich weiterhin mit der Baustelle arrangieren müssen. Das Prozedere in ihrem Untergrund wiederholt sich. Während die Röhre für die Züge in Richtung City Mitte Dezember bereits den Großteil der mit Wohnhäusern bebauten Gebiete Wangens passiert hatte, steht das für die zweite, die stadtauswärtsführende Röhre, im kommenden Jahr noch bevor.

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47 KommentareKommentar schreiben

Die Schimäre "konstruktiv-kritische" Projektbegleitung: Auch der grüne OB befindet sich offensichtlich im Weihnachtsurlaub. Das sei ihm gegönnt. Nur mit der großsprecherisch angekündigten "Projektbegleitung" wird das auch hier nichts. Stuttgart ist längst zur Käs-isch-gessa-Stadt mutiert.

Sie irrten: Jetzt fangen die S21-Probleme erst so richtig an. Fehlende Planung, fehlende Baugenehmigungen, fehlende Finanzierung mit Milliardenfehlbeträgen. Man sollte sich allmählich mit der Modernisierung des Kopfbahnhofs befassen, bevor noch mehr Zeit und Geld durch die Fehlplanungen der Bahn verloren gehen.

"Modernisierung" des Kopfbahnhofs: Wo leben Sie? Bezüglich Ihrer Sackbahnhofträume ist selbst ein Sechser im Lotto tausendmal wahrscheinlicher.

Der alte Sackbahnhof: ist deutlich leistungsfähiger, pünktlicher, flexibler und sicherer als Ihre moderne Luftnummer.

Beton: Es ist keine Luftnummer sondern WAHRHEIT! Beton hat eine Dichte von ca. 1,8 .

Herr Moses: Das ist ja fantastisch!

Beton: Normalbeton hat eine Dichte von ca. 2,4 t/m³. Mit einer Dichte von 1,8 t/m³ ist es Leichtbeton.

Jetzt fangen die S21-Probleme erst so richtig an. +++: Ach Herr Renz, jetzt erst ?? ++ Ihr Gegner beschreibt doch das Aus und Ende von S 21 durch"Probleme" doch schon seit fast 6 Jahren

Ja, Herr Anselm-Kruse: Ist denn der Milliardenfehlbetrag kein Problem? Wer bezahlt denn nun die 9800 Millionen Euro? (bitte mit Quelle, Link)

9,8 milliarden?: wo haben sie denn die her? bitte mit quelle, link

Lösung gegen Baulärm in Sicht: Die da lautet: Sofortige Einstellung des zerstörerischen, kropfunnötigen Immobilienprojekts Stuttgart 21, ehe noch mehr Schaden angerichtet wird. Oben bleiben!!! Die 303. Montagsdemo findet am 28. Dezember 2015 ab 18 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart statt.

Hallo Frau Füller ____________: Das waren ja gestern wieder übewältigend ! -- Waren es überhaupt 100 Gegner auf der 303.Montagsdemo ? Habe nach guten 15 Minuten den Ort des Geschehens lieber wieder verlassen ,weil man einfach nichts erfahren konnte ausser das es in der Tat nur noch ein kümmerlicher Rest von Gegner sind ,die auch noch glauben das S 21 gestoppt werden kann ! ___Eine Kundgebung von Weltuntergangspropheten steht der Montagsdemo in nichts nach , da kommen zum einen gleich viel Interessierte und zum anderen hat die Botschaft realitsich betrachtet den gleichen Stellenwert !

Herr Anselm-Kruse: Fragen Sie doch mal die Bahn nach Neuheiten, z.B. auf welche aktualisierten Gesamtkosten sie kommt, oder welche Kostenberechnung der Bundesrechnungshof liefert. In der tat verwundert es nicht, dass nur noch ein kümmerlicher Rest von Dafürlis glaubt, Fantasia 21 sei irgendwie umzusetzen. Da nutzt es auch nichts, Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen oder wie ein kleines Kind auf den Boden zu stampfen, wenn einem die ganzen Lügen auf die Füße fallen.

Hinter welcher Ausrede versteckt sich H. Kuhn?: In Deutschland gibt es Vorschriften und Gesetzte, wie Nachtflugverbot am Flughafen, kein Strassenfest nach Mitternacht, Gartenlokal ab 10:00 oder 11:00 keine Bewirtung mehr. Selbst ein Kindergarten oder auch ein Sportplatz sehen viele als Ruhestörung an. Und diese Vorschriften gelten für alle, nur nicht für das staatseigene Untenehmen Bahn, weil das eigene zuständige Amt (EBA) das genehmigen kann. In welcher Bananenrepublik leben wir denn. Und wo versteckt sich denn unser grüner Bürgermeister? Hinter welcher Aussrede?

Frieder Maier findet zwar keinen Grund: um auf den S21-Kritikern herum zu hacken... er tut es aber trotzdem. Na denn...

"Keine Lösung für Baulärm in Sicht": heisst übrigens die Artikelüberschrift. Und zwar weil sich Behörden quer legen. "Vorschrift ist Vorschrift" egal ob das nun im Einzelfall besser sein mag oder nicht. Ausserdem verabschiedet sich der zuständige Sachbearbeiter "just" lieber in den Weihnachtsurlaub. Für unsere S21 Gegner aber natürlich allemal ein Grund, sinnlos auf der Bahn herumzuhacken.

Herr Maier, wenn es nach den S21-Befürworter geht, muss sich wirklich alles S21 unterordnen. Sogar der Urlaub des zuständigen Sachbearbeiters (den er sicherlich nicht erst seit kurzem beantragt hat). Und wahrscheinlich sollten dann auch noch Vorschriften so angepasst werden, dass es mit S21 keinerlei Probleme mehr geben darf. Am besten der Physik und die Naturgesetze auch noch S21 unterordnen. ---- Es ist nicht die Bahn auf der rumgehackt wird, es sind die unfähigen Verantwortlichen bei der Bahn AG und bei der S21-Planunge, welche nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ein EBA-Mitarbeiter darauf hinweißt, dass es im Internat Informationen gibt, wie ein Antrag beim EBA aussehen soll, dann lässt das meiner Meinung nach sehr tief blicken.

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