Stuttgart 21 Kritik an den Zahlen der Bahn

Von und Jörg Nauke 

In einem Fachartikel wird die Leistungsfähigkeit des in Stuttgart geplanten Bahnhofs angezweifelt. Die Pläne seien wirklichkeitsfremd.

 Foto: Visualisierung Aldinger & Wolf
Foto: Visualisierung Aldinger & Wolf

Stuttgart - Pünktlich zur ersten Sitzung des Lenkungskreises für das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm mit Vertretern der neuen Landesregierung am Montag Vormittag entfacht ein Fachartikel im Fachblatt „Eisenbahn-Revue International“ Aufregung. Er nährt Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Projekts. Die Analyse soll zeigen, dass kein einziger deutscher Bahnhof auch nur annähernd so hohe Kapazitäten hätte, wie sie die Deutsche Bahn für das Milliardenprojekt verspricht. Der Münchner Autor Christoph M. Engelhardt kommt zum Schluss, dass der achtgleisige Tiefbahnhof künftig 6,1 Züge pro Gleis in der Spitzenstunde von sieben bis acht Uhr abfertigen müsste, um den Stresstest zu bestehen, der derzeit von der Bahn vollzogen wird.

Engelhardt hält das für wirklichkeitsfremd und verweist auf die leistungsstärksten Durchgangsbahnhöfe Hamburg und Köln, die nur etwas mehr als vier Züge pro Gleis und Stunde schafften – allerdings um den Preis vieler Verspätungen. Die Kopfbahnhöfe Frankfurt, Leipzig und München wickelten 1,9 Züge pro Gleis und Stunde ab, Durchgangsbahnhöfe im Schnitt 2,7. Die Leistungsgrenze des geplanten achtgleisigen Tiefbahnhofs liege bei lediglich 32 Zügen in der Spitzenstunde, rechnet das Fachblatt vor; das wären sechs weniger als heute.

Auch ein Ausbau auf zehn Gleise würde nicht reichen

Auch bei einem Ausbau auf zehn Gleise betrüge die Kapazität nur 40 Züge. Um den Stresstest zu bestehen, mit dessen Ergebnis Anfang Juli gerechnet wird, müsste die Bahn für 49 Züge eine „gute Betriebsqualität“ nachweisen.

Das Magazin „Stern“ wird in seiner Mittwochsausgabe ebenfalls über Engelhardts These berichten, aber auch über Bahn-Notizen, die bewiesen, dass bei einer Auflistung von 121 Risiken durch den Bauleiter Hany Azer nur jene 73 Posten in ein Projektsteuerungsprogramm eingegeben worden seien, die kostenmäßig noch nicht bewertet seien. Der Grund dafür: Es solle „derzeit keine vom Gesamtwertumfang (4,088 Milliarden Euro) abweichende Vorschau aufgezeigt werden“.

Der „Stern“ schließt daraus: „Man sollte das Projekt schönrechnen und Zahlen, die Stuttgart 21 teurer machen könnten, nicht berücksichtigen.“ Angedeutet wird, dass Azer seinen Posten nicht freiwillig und schon gar nicht wegen Bedrohungen geräumt habe.

 

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103 Kommentare Kommentar schreiben

Artikel nicht nur prüfen (für oder gegen S21), sondern auch lesen!!: Werter Karl w., letzteres scheinen asie nicht sehr sorgfältig gemacht zu haben __________________________________________________________ 'Es fällt auf, dass hier einerseits Fachbegriffe unklar gebraucht werden (z.B. Vollknoten, Teilknoten)...“ ///Artikel: (Abschnitt zweifache Leistungsfähigkeit, Absatz 3): „Ein integraler Taktfahrplan mit einem Vollknoten in Stuttgart, in dem sich zu einer bestimmten Taktzeit die Züge aller Linien im Bahnhof versammeln und direkte Anschlüsse mit kurzen Umsteigezeiten ermöglichen ...“ __________________________________________________________ „...andererseits Bahnhöfe ohne die in der Schlichtung so wichtigen Zuleitungen analysiert werden....“ ///Artikel: (Abschnitt 1,4-fache Leistungsfähigkeit in der Praxis, Absatz 1 Ende und 4): 'Dargestellt wird die anerkannte Kapazitäts-Messgrösse „Züge pro (Bahnsteig-)Gleis und Stunde“. ...'Bitte dann gesamten Absatz beginnend mit u „In dieser Grösse spiegeln sich neben den betrieblichen Unterschieden ...“ lesen. Die Zulaufgleise sind enthalten! __________________________________________________________ „Der Abschnitt über Heimerl ('Zweifache Leistungsfähigkeit') ist unter aller Kanone...“ Bitte erklären, was an den Ausführungen in Absatz 2 „an den Haaren herbeigezogen ist“ Alles was sie mit ihrem kommentar geboten haben, sind Pauschalurteile!!

Faktum ist: Sie haben Dunning-Kruger als Argument benutzt: @Ostermann: Immer da antworten, wo es weh tut. Schön, dass Sie so berechenbar sind (Zitat: Achim *fg*). Immer schön die Rosinen picken (warte auf Gerichtzitat zu Gönneraussage: K21 ist nicht genehmigungsfähig seit nunmehr fast einem halben Jahr). Faktum ist, ich habe Dunning-Kruger hier nicht in Dikussion eingebracht. Das waren Sie. Leider haben Sie 'uns' damals nicht darüber aufgeklärt, dass Sie von Dunning-Kruger nix halten. Schade, denn sonst wäre 'uns' klar gewesen, dass dieses Einbringen nichts beitragen soll... Mit klaren Grüßen aus Hohenlohe

Alles falsch gemacht, aber den richtigen Schluss gezogen?: @Jürgen Schwab, Sie meinten 'Nehmen wir einmal an, es wären nur 47 Züge- Herr Engelhardt weist in seinem Artikel überzeugend nach, daß Stuttgart 21 bei gleichen Anforderungen nur 32 Züge schafft.' Wie können Sie weiter seiner Schlussfolgerung vertrauen, wenn Sie der Überzeugung sind dass die Daten, mit denen er zu dem Schluss gekommen ist, falsch sind? _____________________________________________________________________________________________________________ 'Fälle wie Brüssel sind nicht vergleichbar. Es geht nämlich auch um die Art des Verkehrs, die Verzeigungen etc. ' Richtig, da geht es drum. Das alles hat Herr Engelhardt aber nicht untersucht. Es hat ihn nicht interessiert. Wenn Sie dagegen der Meinung sind, dass es auf diese Dinge ankommt, wie können Sie weiter seiner Schlussfolgerung vertrauen, die Diese außer acht lässt? ________________________________________________________________________________________ Wenn man beides also mal nicht durch die rosarote K20-Brille sieht, so müsste man doch eben zu genau einem Schluss kommen: Die Untersuchung von Herrn Engelhard sagt über die Leistungsfähgkeit von S21 nichts aus! Nicht nur, weil er keine Daten über Leistungsfähigkeit gesammlt hat (sondern über die Benutzung: Wie oft haben ich den von Ihnen gelesen, die 38 Züge hätten nichts mit der Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofs zu tun: stimmt das plötzlich nicht mehr?), sondern eben auch, weil er alle bis auf einen der leistungsbestimmenden Parameter ignoriert. Ob S21 nun näher an Brüssel-Central (ca. 12 Züge/h pro Bahnsteiggleis) oder K20 (2,2 Züge/h Gleis bei ehemals 17 Gleisen) liegt, wird ja der Stresstest zeigen. Ich kann den in Ruhe abwarten. ___________________________________________________________________________________________________ @Kein-Wunder: Ich hatte irgendwann mal angemerkt, dass mich eine Aussage von Ihnen an den DK-Effekt erinnert. Sonst haben ich nichts dazu geäußert, auch nicht was ich über den DK-Effekt denke. Insofern entspringen wohl viele Schlussfolgerungen die Sie daraus ziehen, wie auch in andere Belangen, ausschließlich Ihrer Phantasie. Oder wie Herr Rockenbauch sagen würde: Der Widerstand gegen S21 ist bunt und kreativ...

Atikel bitte prüfen - auch er ist interessegeleitet: Der Artikel, auf den hier Bezug genommen wird, ist im Internet einsehbar: http://kopfbahnhof-21.de/fileadmin/downloads/presseberichte/ERI_6_2011_engelhardt.pdf . Hier kann jeder selbst prüfen, ob die Fakten stimmen. Meine Prüfung sieht negativ aus. ///// Die 'Eisenbahn Revue International' stellt sich selber als kritisch-engagiert dar, sie vertritt eine grundsätzlich Stuttgart-21-kritische Haltung. Der Artikel ist also interessegeleitet und sollte auch so gelesen werden. Die 'kritische' Positionierung ist im übrigen legitim! Bitte nicht missverstehen, aber ob der spiegel oder die FAZ über Angela Merkel schreiben, ist einfach ein Unterschied, und jeder weiß, wo spiegel und FAZ stehen, aber die Eisenbahn Revue ist ein Nischenblatt mit nur ca. 5000 Exemplaren internationaler Auflage, das kein Mensch kennt und damit auch nicht 'politisch' einordnen kann. ///// Zum Artikel: Es fällt auf, dass hier einerseits Fachbegriffe unklar gebraucht werden (z.B. Vollknoten, Teilknoten), andererseits Bahnhöfe ohne die in der Schlichtung so wichtigen Zuleitungen analysiert werden. Ferner halten die Zahlen einer Überprüfung nicht stand, die für einzelne Bahnhöfe schon per Internet geht, etwa für Köln. Der Abschnitt über Heimerl ('Zweifache Leistungsfähigkeit') ist unter aller Kanone, weil er weder Heimerl richtig referiert, noch dann auf Augenhöhe argumentieren kann: das ist an den Haaren herbeigezogen und so durchsichtig verfälscht, dass es für die Zeitschrift und ihr Lektorat fast schon peinlich ist. //// Mir persönlich scheint der Artikel viel zu einseitig und in der Analyse zu oberflächlich. Und ich verstehe nicht, wie der anerkannte Qualitätsjournalismus der Stuttgarter Zeitung, die ich gerne lese, an dieser Stelle so unkritisch ist - wobei ich Verständnis habe, weil Journalisten meines Bekanntenkreises immer wieder betonen, wie eng ihr Zeitkorsett geworden ist und wie unter Zeitdruck die Recherchemöglichkeit reduziert ist. Wie dem auch sei! Kritisch bleiben - auch gegen eine 'kritisch-engagierte' Zeitschrift ...

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