Stuttgart 21 Kritischer Polizist wird gemobbt

Von Johanna Eberhardt 

Der Polizeigewerkschaftler Thomas Mohr wird seit seiner Kritik am Schlossgarteneinsatz ausgegrenzt. Aus seiner Hundertschaft wurde er verbannt.

Die Kritik am Schlossgarteneinsatz hat Konsequenzen für einen Polizeibeamten. Foto: dapd
Die Kritik am Schlossgarteneinsatz hat Konsequenzen für einen Polizeibeamten.Foto: dapd

Mannheim - Ende September vergangenen Jahres hat der Mannheimer Polizeioberkommissar Thomas Mohr über Baden-Württemberg hinaus Aufsehen erregt, als er - als Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) - den massiven Einsatz des Landes gegen Stuttgart-21-Gegner im Schlossgarten kritisierte. Mohr, der in einer Karlsruher Einsatzhundertschaft selbst vor Ort gewesen war, hatte damals unter anderem erklärt, der Großeinsatz mit Wasserwerfern und Schlagstöcken sei "völlig aus dem Ruder gelaufen"; außerdem hatte er Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) vorgehalten, er habe mit seinen Äußerungen zur Eskalation der Lage beigetragen. Später hatte er seine Kritik im Untersuchungsausschuss des Landtags wiederholt.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Mohr schon wenig später von weiteren Einsätzen mit der Hundertschaft der Landespolizeidirektion Karlsruhe, die aus den drei Einsatzzügen der Dienststellen Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim besteht, ausgeschlossen worden. Im Oktober bereits habe man ihm mitgeteilt, dass er "aufgrund von Irritationen im Führungskreis" der Hundertschaft dort vorerst nicht mehr eingesetzt werden solle, erklärte Mohr auf Anfrage. Des Weiteren sei zur Begründung auch darauf verwiesen worden, dass er wegen seiner weitgehenden Freistellung als Personalvertreter in Mannheim seine verbleibende Dienstzeit in dem dortigen Einsatzzug leisten solle.

Die Entscheidung habe "innerdienstliche Gründe" gehabt

Inzwischen habe man seiner Mannheimer Dienststelle nach mehrfachen Nachfragen mitgeteilt, dass man ihn in der Hundertschaft auch künftig nicht mehr haben wolle. Dabei sei offiziell nur noch auf seine Teilfreistellung als Personalrat und seine reduzierte Dienstzeit verwiesen worden. Dies bestätigte im Prinzip auch der Pressesprecher des Karlsruher Regierungspräsidiums, bei dem die Führung der Hundertschaft liegt. Die Entscheidung habe "innerdienstliche Gründe" gehabt, erklärte er.

Da Mohr als Personalrat überwiegend vom regulären Dienst seines Mannheimer Einsatzzuges freigestellt sei, solle er den verbleibenden Rest der Arbeit dort verrichten. Die "seit Oktober 2010 festgelegte Verwendung" stelle keine Bewertung seiner Äußerungen im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz vom Schlossgarten dar und habe auch keinen Einfluss auf die Bewertung "seiner anerkannt guten fachlichen Leistungen", sagte der Behördensprecher. Nachdem die Angelegenheit in den Lokalblättern der Kurpfalz einigen Staub aufwirbelte, versicherte er zudem, es sei seitens der Landespolizeidirektion noch keine endgültige Entscheidung über Mohrs weiteren Verbleib in der Hundertschaft gefallen, vielmehr werde es "sicher noch Gespräche mit allen Beteiligten geben".

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71 KommentareKommentar schreiben

Welten: Das Schöne ist, je weniger man weiß, umso mehr kann man spekulieren, wild spekulieren! Und noch schöner ist, wenn die Organisation aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht antworten kann. - Welche Welten tun sich da auf!

Thomas Mohr: Es war ja so klar, was mit Thomas Mohr nach dessen Äußerungen passiert! Jedem Beamten - nicht nur bei der Polizei - droht das Bossing, wenn man sich hinstellt und die Wahrheit erzählt, Wahrheit ist zwar nicht absolut, aber man darf sie nicht unterdrücken, eher mit Argumenten erklären das war’s dann auch schon! In den Amtsstuben treibt nicht nur die Politik ihr 'Unwesen' religiöse Randgruppen und sonstige angehauchten Vereinigungen treiben mit Seilschaften ihr 'Unwesen' und unterdrücken anders Denkende in einem Maße der anderen die Gesundheit kostet! Was man davon halten soll wen man nicht durch fachliche Argumentation zum Schweigen gebracht wird sondern durch Aussagen wie: 'Ein Beamter muss seinen Vorgesetzten und deren Dienstanweisungen folge leisten' - auf die Erwiderung dass es 1933 schon Dienstanweisungen gab fällt den Herren die Kinnlade runter und sie werden wütend - 'Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd'! Meines war zu langsam! Deswegen braucht sich auch niemand wundern wenn bei Schlägereien und übergriffen auf Ausländer allzu viele nur noch wegschauen! Zivilcourage ist nicht mehr erwünscht!

Wertungen: Das ist ganz einfach. Wenn hier z.B. ganz viele Polizisten scharenweise werten, dann entstehen hier Tendenzen, die nicht dem Durchschnittszeitungsleser entsprechen. Das ist doch mal ein Zeichen, wie sehr man sich hier auf die Füsse getreten fühlt. Thomas Mohr hat meine Hochachtung. Ich hoffe er zieht das Ding jetzt durch.

Manipulation: Liebe STZ, bitte nehmen Sie die Bewertungsmöglichkeit heraus, wenn Sie nicht in der Lage sind, Manipulationen zu unterbinden. Hier geben einzelne Personen zig Stimmen zu einem einzigen Statement ab, so dass das Ergebnis komplett in die entgegengesetzte Richtung Richtung verdreht wird.

Sehr guter Beitrag von Ihnen! Es ist aber keine 'Anpassungs-': Störung', sondern meiner Meinung nach lediglich 'mangelnde Intelligenz'. Ich weiß, ich weiß: es ist hart. Aber eine Bevölkerung, die 58 Jahre die 'C'DU als Regierungspartei gewählt hat, kann man meiner Ansicht nach nicht als 'besonders' intelligent (im Durchschnitt, klaro) - und schon gar nicht als 'überdurchschnittlich intelligent' - bezeichnen. Man wollte halt 'ein gutes Auskommen verdienen, nach den Sorgen der Kriege' - also Angst und Sorge als Motiv. Nächstenliebe? Demokratie? Umwelt? Ohhh weehhhh.

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