Stuttgart-21-Lenkungskreis Prüfer sehen hohes Kosten- und Terminrisiko

Von Markus Heffner 

Am Dienstagnachmittag kommen die Spitzenvertreter der Stuttgart-21-Projektpartner im Lenkungskreis zusammen. Das voraussichtlich wichtigste Thema dabei: die Kostenexplosion.

Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) will sich vom Bahn-Technikvorstand Volker Kefer erklären lassen, wie es zum Kostenanstieg gekommen ist. Foto: Heinz Heiss 16 Bilder
Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) will sich vom Bahn-Technikvorstand Volker Kefer erklären lassen, wie es zum Kostenanstieg gekommen ist.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Der drastisch gestiegene Kostenrahmen auf bis zu 6,8 Milliarden Euro dürfte das alles bestimmende Thema im Verkehrsministerium sein, wenn dort am Dienstagnachmittag die Spitzenvertreter der Projektpartner von Stuttgart 21 im Lenkungskreis zusammenkommen. Ganz oben auf der Tagesordnung steht dabei die Entscheidung des Bahn-Aufsichtsrats, der nach Prüfung der Faktenlage am 5. März dieses Jahres grünes Licht für den Weiterbau von Stuttgart 21 und die Übernahme eines Teils der Mehrkosten durch die Bahn gegeben hatte.

Grundlage für diese Entscheidung war eine Plausibilitätsbetrachtung, die der Aufsichtsrat selbst im Januar unter anderem bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) in Auftrag gegeben hatte. Zuvor, am 12. Dezember 2012, war das Kontrollgremium des größten deutschen Staatskonzerns vom Bahnvorstand über die Kostenexplosion informiert worden.

Prüfer sehen Mängel beim Nachtragsmanagement

In dem Bericht, der einzelne Ergebnisse des Sechs-Punkte-Sparprogramms der Bahn analysiert und der Stuttgarter Zeitung vorliegt, weisen die Wirtschaftsprüfer unter anderem darauf hin, „dass die Härtegradlogik nicht den Grundsätzen des Risikomanagements im DB AG-Konzern“ für Großprojekte entspreche. Gemeint ist, dass die im Projekt festgesetzte Risiko- und Chancenbetrachtung nicht den Richtlinien der Bahn folgt. Die Prüfer empfehlen, dass die Risikobetrachtung zwingend überarbeitet werde müsse. Nur so ließen sich Auswirkungen auf den Investitionsrahmen berechnen und die Wahrscheinlichkeit ermitteln, dass diese auch eintreten.

Gravierende Mängel sehen die Prüfer auch beim projektinternen Nachtragsmanagement, also der Berücksichtigung von eventuell anfallenden Mehrkosten bei einzelnen Bauabschnitten. „Die Voraussetzungen für ein möglichst geringes Nachtragsvolumen sind in der Projektorganisation des Großprojektes noch nicht etabliert“, heißt es unter Punkt 24 der Plausibilitätsbetrachtung. Ohne umfassende Maßnahmen rechne das Konsortium mit einem „im Vergleich zum Gesamtwertumfang erheblichen Nachtragsvolumen“.

Auswirkungen auf Kosten und Termine

Auf drei Stunden ist das Treffen im Verkehrsministerium angesetzt worden, was angesichts der Brisanz wohl eher knapp bemessen ist. „Wir wollen ganz genau wissen, wie es zu der Kostenexplosion gekommen ist und wo die Gründe liegen“, so Edgar Neumann, Sprecher des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). Genau erklären lassen wollen sich die Projektpartner zudem Aufbau und Arbeitsweise der Projektgesellschaft, die mit dem Ingenieur Manfred Leger seit Ende Juni einen Geschäftsführer hat und im September ihre Arbeit aufnehmen soll. Auch dieses Konstrukt ist von PwC analysiert und in diesem Fall als „plausibel und sachgerecht“ bewertet worden. Die für die Teilprojekte geschaffene Möglichkeit, sich auf Kernfragestellungen zu konzentrieren, berge für die Phase der Projektentwicklung einige Potenziale

Große Risiken sehen die Wirtschaftsprüfer dagegen im Zeitplan, der offiziell eine Inbetriebnahme von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke zum Fahrplanwechsel 2021 vorsieht. In einem Papier an den Aufsichtsrat unterstellt die Bahn bei der Berechnung des neuen Kostenrahmens allerdings Dezember 2022 als Termin. Einen Verzögerungsgrund sehen die Prüfer in der Umverlegung zahlreicher Leitungen in Baufeldern. In den Kostenplanungen seien diese Maßnahmen in nennenswertem Umfang nicht berücksichtigt. Für einen Großteil der Maßnahmen würden zudem keine technischen Lösungen bestehen, woraus ein „hohes Terminrisiko“ resultiere. Es sei nicht auszuschließen, so das Fazit bei der Bewertung der Terminsituation, „dass die Erkenntnisse aus den Workshops und deren Weiterentwicklung möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf die bisherigen Kosten und Termine haben können“.

  Artikel teilen
105 Kommentare Kommentar schreiben

Klartext: Warum soll eine Emnid-Umfrage gefälscht sein? Die Befragung wurde doch nicht nach Wahlverhalten gestaltet, sondern das Wahlverhalten war eines der Ergebnisse der Umfrage. Dann spigelt das eben das Meinungsbild wieder, das in Stuttgart herrscht. Das sollten Sie endlich mal akzeptieren. Wenn etwas manipuliert war, dann doch die VA, weil im Vorfeld Lügen von einem weißen Hochglanzbahnhof für maximal 4,5 Milliarden Euro verbreitet wurden.

Stuttgarter: Lieber Stuttgarter, ich kenne Sie jetzt schon so lange und weiß natürlich, dass Sie oft etwas Nachhilfe benötigen. Also, Sie haben folgende Umfrage angegegeben: http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag.html?tx_news_pi1[news]=402&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[overwriteDemand][issues]=22==================== Wenn Sie diesen Link anklicken, erhalten Sie 3 Ergebnisse, das resultiert daraus, dass 750 Stuttgarter und 750 Baden-Württemberger befragt wurden.========================================= Ergebnisse: Einmal für Stuttgart, einmal für Ba-Wü und einmal beides zusammen.============================================ Wenden wir uns nun dem Ergebnis von Stuttgart zu: dort wurden 113 SPD-Wähler, 147 CDU-Wähler und 189 Grünen-Wähler befragt (Rest: andere Parteien oder NW).================================ Wenden wir uns nun dem Ergebnis für Ba-Wü zu: dort wurden 92 SPD-Wähler, 184 CDU-Wähler und 159 Grünen-Wähler befragt (Rest: andere Parteien oder NW).================================= Macht zusammen 205 SPD-Wähler, 331 CDU-Wähler, 348 Grünen-Wähler.================================================= Ich weiß, dass Kontext da andere Zahlen herausbringt, da es aber die gegnerische Hauspostille ist, ist klar, dass sie nicht rechnen können. Zählen Sie die beiden Ergebnisse (Stuttgart und Ba-Wü) einfach mal zusammen, ich bin gespannt, was SIE herausbringen (bitte ohne Stocker-Faktor).========================================= Wenn eine Umfrage „repräsentativ“ sein will, dann muss sie die politische Stimmung abbilden, sonst können die Meinungsforscher ja gleich bei einem Grünen Parteitag eine Umfrage machen und finden dann 100 % Übereinstimmung mit den Grünen (Überraschung!) Da die von Ihnen genannte Umfrage jedoch gefälscht ist – in vielerlei Hinsicht, was ich auch schon mehrmals begründet habe – spielt es auch keine Rolle, dass sie nicht repräsentativ ist, sondern vorwiegend Grüne befragt wurden. ========================== Ich finde es richtig lustig, wie sich die Gegner (und damit auch deren Hauspamphletchen) mit dieser Umfrage bis auf die Knochen blamiert haben.

PS: Mareike: Vergessen: Natürlich gab es eine VA. Wollen Sie jetzt bei jedem Euro mehr eine neue VA, bis Ihnen das Ergebnis passt? Wer irgendwann wirklich einmal an die 2,5 Milliarden (nicht Mio. natürlich) geglaubt hat, sollte nicht zu solchen Abstimmungen gehen.

Mareike: Ich habe diese Diskussion nicht Im Einzelnen verfolgt. Ich kenne die Positionen beider Seiten und wer jetzt zu welchem Thema noch etwas zu sagen hat, ist extrem langweilig. Getreu dem Motto: Es ist zwar schon alles gesagt worden, aber noch nicht von jedem. Also wem das nicht langsam zu blöd wird, dem scheint nicht mehr zu helfen zu sein. Ohne jetzt jeden Ihrer wertvollen Beiträge gelesen zu haben und sogar ohne eine wirklich manifestierte Einstellung Pro oder Contra S21 zu haben, steht ja wohl fest, daß es Argumente dafür und dagegen gibt. Ich kenne auch kein Großprojekt, bei dem das anders wäre. Die Beharrungsstandpunkte und das Negieren der Argumente der Gegenseite ist dabei ziemlich dumm und nervtötend. Dazu kommen zwei weitere Umstände, die mich förmlich dazu zwingen gegen die Antiler (ich bleibe mal bei dieser kreuzblöden Bezeichnung, weil es genug Dummerchen gibt, die auch immer von Prolern reden) zu sein. Zum einen: anmaßende Rechthaberei mit realitätsbefreiten Beiträgen aller Orten. Zum anderen: anmaßende Demonstrationen und böswillige Behinderung des öffentlichen Lebens an jedem Montag in Tateinheit mit Umweltschädigung und unnützer Vernichtung öffentlicher Mittel. Mit welchem Recht behindern 500 Leute mich und die anderen zigtausend Stuttgarter, die zwischen 17 und 20 Uhr durch die Stadt fahren wollen oder müssen? Um zum 182. mal den eigenen Standpunkt in die schwäbische Welt zu Posaunen? Geschenkt. Als halbwegs anständiger und für Argumente offener Demokrat habe ich sogar mal die eine oder andere Veranstaltung/Demo der Gegner besucht und mir die "Argumente" einiger Redner und Gäste angehört. Ich meine es nicht besonders böse, aber die meisten von denen, die von verschwendeten Steuergeldern reden, sehen so aus, als würden sie keine Steuern bezahlen und auch so, als bräuchten sie die mit S21 verbundene Verbesserung der Verkehrswege und Infrastruktur nicht beruflich. Wie gesagt, ich bin in meiner Einstellung zu S21 ambivalent. Es gibt durchaus Vorgänge, für die ich laut werden würde. Trotzdem finde ich S21 insgesamt gut und notwendig. Und ich prophezeie, daß es bei den 6,8 Mio. nicht bleiben wird - die Zweistelligkeit ist IMO ziemlich gesichert.

Die „Dafürer“ unterstützen das abgekartete Spiel der Bahn: Kritisches Nachhaken gibt es bei den Dafürern nicht. Die Kostenexplosion, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft festgestellt hat, ist ihnen wurst. Dass „die im Projekt festgesetzte Risiko- und Chancenbetrachtung nicht den Richtlinien der Bahn folgt“, ist ihnen egal. Alles ist ihnen egal, solange ein schlecht geplantes und ungenügend vorbereitetes Projekt nur vorangeht. Niemand würde als Privatmann so handeln. In jeder Kommune, die ein Projekt so durchboxt, würde es massive Bürgerproteste geben. Aber die Bahn darf alles. Und wird selbst für ihre gravierenden Fehler in Schutz genommen. Grube befiel – wir folgen.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.