Stuttgart 21 Milliardenprojekt in sieben Abschnitten

Von Thomas Braun 

50 Prozent der Aufträge für das Großprojekt Stuttgart 21 hat die Bahn schon vergeben. Die größten Bauarbeiten sollen im Jahr 2012 stattfinden.

Plakatwerbung vor der Volksabstimmung Foto: dapd 21 Bilder
Plakatwerbung vor der VolksabstimmungFoto: dapd

Stuttgart - Am 27. November entscheiden die Bürger von Baden-Württemberg darüber, ob und wie es mit dem geplanten Tiefbahnhof weitergehen soll. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 besteht aus dem unterirdischen Durchgangsbahnhof und seinen Anschlussstrecken an die ebenfalls geplante ICE-Trasse Wendlingen-Ulm . Nach Auffassung der Bahn sind beide Projekte untrennbar miteinander verbunden. Die Gegner sehen beide Vorhaben als getrennte Projekte, zumal sie aus unterschiedlichen Töpfen und von unterschiedlichen Projektpartnern finanziert werden. Der Bau der Neubaustrecke ist zudem nicht Gegenstand der Volksabstimmung.

Für Stuttgart 21 veranschlagt die Bahn bis jetzt Baukosten von maximal 4,5 Milliarden Euro. Die Länge der Gesamtstrecke beträgt 57 Kilometer, davon sind 29,9 Kilometer als Schnellfahrstrecke geplant. 33 Kilometer verlaufen in Tunnels. Zwei Personenbahnhöfe (Hauptbahnhof, Filderbahnhof) und ein neuer S-Bahn-Halt sowie der neue Abstellbahnhof in Untertürkheim umfasst die Planung. Der Zeitplan der Bahn sieht vor, dass Stuttgart21 zum Fahrplanwechsel 2019/2020 in Betrieb gehen soll.

Unterteilt ist das Projekt in insgesamt sieben einzelne Bauabschnitte - für fünf Teilstrecken hat die Bahn bereits eine rechtskräftige Baugenehmigung. Zwei Planfeststellungsabschnitte - der Bereich zwischen der Rohrer Kurve und dem Flughafen sowie der neue Abstellbahnhof - sind aber noch nicht genehmigt, bei der Strecke zum Flughafen hat das Verfahren noch nicht einmal begonnen.

 Bisherige Bauabschnitte

Den Startschuss für die Bauarbeiten hatte die Bahn am 2. Februar 2010 mit der Versetzung des Prellbocks 049 am Hauptbahnhof gegeben. Seither wird auf dem Gleisvorfeld gewerkelt, werden Schienenstränge zurückgebaut, Weichen und Signalanlagen neu gebaut und justiert. Für die Bürger sichtbar wurde der Baubeginn durch den Abriss des Hauptbahnhof-Nordflügels Ende August 2010. Dies führte zu ersten massiven Protesten der Projektgegner.

Am 30. September 2011 ließ die Bahn unter dem Schutz eines großen Polizeiaufgebots mehrere Bäume im Mittleren Schlossgarten fällen, um mit den Arbeiten für die Zentrale des Grundwassermanagements beginnen zu können. Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten im Vorfeld der Baumfällungen wurden mehr als 100 Menschen teilweise schwer verletzt.

Die Wasserreinigungs- und Infiltrationsanlage steht mittlerweile, die Bahn hat außerdem mit der Verlegung des insgesamt 17 Kilometer langen oberirdischen Rohrleitungssystems begonnen, mit dem das Grundwasser vor dem Ausheben der Baugrube im Schlossgarten abgepumpt und später wieder in den Boden eingeleitet werden soll.

Volksabstimmung bestimmt die Zukunft des Projekts

Nach Bahn-Angaben sind mittlerweile 50 Prozent der gesamten Bauaufträge für Stuttgart 21 vergeben, darunter 90 Prozent der als besonders kostenträchtig eingeschätzten Tunnelbauarbeiten. Abhängig vom Ergebnis der Volksabstimmung will der Konzern von Januar 2012 an auch den Südflügel des Bahnhofsgebäudes abreißen lassen, der bereits entkernt wurde.

Zudem sollen bis zum Ende der vegetationsfreien Periode bis März 2012 auch 193 teilweise uralte Bäume im Mittleren Schlossgarten entweder umgepflanzt oder gefällt werden, um Platz für die Baugrube des Tiefbahnhofs zu schaffen.

Der Tunnelanschlag für den knapp zehn Kilometer langen Fildertunnel, der den künftigen Bahnhof auf Wunsch der Politik mit dem Flughafen verbinden soll, wäre dann für den Herbst nächsten Jahres vorgesehen - vorausgesetzt, das Projekt wird nach der Volksabstimmung am 27. November auch tatsächlich realisiert.