Stuttgart 21 Neue Gedankenspiele für S 21 am Flughafen

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Ein Bahnhof am Flughafen nördlich der Autobahn könnte ein Halt für alle Züge am Airport werden. Statt zwei Stationen gäbe es nur eine. Fluggäste kämen auf Personenbändern zu den Terminals.

Wäre am Flughafen auch ein Bahnhof an der Autobahn möglich? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wäre am Flughafen auch ein Bahnhof an der Autobahn möglich? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wird Stuttgart 21 im Bereich des Flughafens nochmals überarbeitet? Nach Recherchen dieser Zeitung denkt man bei der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU), die die Neuordnung des Bahnknotens sowie die Neubaustrecke nach Ulm verantwortet, über Alternativen nach. Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hatte nach der jüngsten Lenkungskreissitzung aber klargestellt, dass etwaige Umplanungen nur im Konsens aller Projektpartner von Bahn, Land, Stadt und Region behandelt werden können. Ein Bahn-Sprecher aus Berlin betont am Mittwoch: „Die Überlegungen der PSU sind nicht vom Vorstand autorisiert.“

Von den Planern wird derzeit eine Option durchgespielt, bei der ein Bahnhof nördlich der Autobahn im Bereich des Messeparkhauses entstehen könnte. Juristische Unwägbarkeiten sowie ein langwieriges Genehmigungsverfahren für die bisherigen Pläne und nicht zuletzt die Suche nach Potenzialen, Zeit und Kosten zu sparen, dürften zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Kritiker monieren hohen Flächenverbrauch auf den Fildern

Stuttgart 21 hängt rund um den Flughafen in der Luft. Die im Grundsatz genehmigten Pläne für die Schnellfahrstrecke entlang der Autobahn sowie den Fern- und Regionalbahnhalt unter der Messepiazza werden vor Gericht bekämpft. Im Bahn-Jargon ist das der Planfeststellungsabschnitt 1.3 a. Für den zweiten Teil des Flughafenabschnitts (1.3 b), die Anbindung der Gäubahn an den Manfred-Rommel-Airport nebst drittem Gleis in der bisher zweigleisigen S-Bahn-Station im Untergeschoss der Terminalgebäude ist das Genehmigungsverfahren erst angelaufen. Kritik gibt es aber schon heute: Gingen die Pläne so durch, würde sich der Bereich vor den Abfertigungshallen für Jahre in ein nur schwer zu passierendes Baufeld verwandeln. Landwirte und die Schutzgemeinschaft Filder monieren, das Vorhaben greife abermals in das fruchtbare Ackerland der Filder ein. Bedenken gibt es auch, weil der Fern- und Regionalbahnhof gut 26 Meter unter der Geländeoberfläche liege. Bei der gemeinsamen Nutzung der bisherigen S-Bahn-Strecke durch Züge der Gäubahn erwarten Kritiker Nachteile für den S-Bahn-Verkehr.

Die nun in den Fokus rückende Alternativplanung geht von einem Bahnhof nördlich der Autobahn aus. Dort nicht haltenden Zügen stünden zwei durchgehende Gleise zur Verfügung, die mit unverminderter Geschwindigkeit befahren werden können. Züge, die einen Stopp einlegen, werden auf zwei Bahnsteiggleise geleitet. Aus dem Südwesten des Landes kommende Gäubahnzüge würden die bestehende ­S-Bahn-Strecke am Ostrand von Echterdingen verlassen und in einen Tunnel abtauchen. Dieser führt in einer weiten Schleife unter dem Flughafenvorfeld sowie der Autobahn hindurch und endet schließlich kurz vor dem autobahnnahen Halt, der intern auch Bosch-Bahnhof genannt wird. Der Automobilzulieferer hält die Namensrechte an den Messeparkhäusern, die in Sichtweite des potenziellen Bahnhofstandorts liegen. Abweichend vom bisherigen Konzept würden also sämtliche Fern- und Regionalzüge am Flughafen an ein und demselben Bahnhof anhalten – gleich ob sie Richtung Ulm, Tübingen oder Bodensee und Schweiz unterwegs sind. Der bestehende S-Bahn-Halt am Flughafen bliebe unverändert. Welche Genehmigungsverfahren dafür notwendig wären, ist offen.

Umsteigezeiten nahezu gleich

Wie ernsthaft die PSU diese Variante prüft, zeigt eine von der Bahn-Gesellschaft für den internen Gebrauch gefertigte Präsentation. Sie enthält auch Untersuchungen, wie sich der Transfer von den nun weiter entfernt liegenden Bahnsteigkanten zu den Abfertigungsschaltern in den Terminals für die Umsteiger gestalten ließe. Tatsächlich wäre der Zeitaufwand bei der Nutzung von Rollbändern vom neuen Bahnhof via Messepiazza nahezu identisch mit dem bisher Geplanten.

Gänzlich neuartig ist die Idee freilich nicht. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte immer wieder auf eine solche Lösung gedrungen. Offen über diese Ideen und den Stand der Überlegungen mag so recht niemand sprechen. „Wir wollen, dass der Flughafen schnellstmöglich an das Fernbahnnetz angeschlossen wird, deshalb würden wir alle Vorschläge ablehnen, die weitere Verzögerungen und damit verbundene Mehrkosten bedeuten könnten“, heißt es dazu bei der Flughafengesellschaft. Ähnlich schmallippig fällt die Antwort eines Bahn-Projektsprechers aus: „Die Bahn wird nichts unternehmen, was den Planfeststellungsbeschluss 1.3 a und das laufende Planfeststellungsverfahren 1.3 b gefährdet“.

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Maschinelle und finanzielle Dauerreanimation einer Totgeburt.: Projektförderpflicht faktisch gestorben.Jetzt kommt der Übergang in den Reanimationsmodus. Maschinelle und finanzielle Dauerreanimation einer Totgeburt.( S 21 ). Mit ersten medialen Eingeständnissen von nur scheinbar Unbeteiligten, aber „Im Geiste Projektförderpflichtigen“. (Zitat ):„..das Großprojekt später fertig und dazu auch nochmals teurer wird…Die Idee eines autobahnnahen Bahnhofs .. Es ist kurzsichtig, dies alleine dem Bemühen geschuldet zu sehen, Kosten und Bauzeiten einzusparen. .. nochmals nachzudenken. Man kann sich Zeit nehmen…Auch über eine Antwort auf die Frage: Warum nicht gleich so? http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-am-flughafen-mehr-als-eine-ueberlegung-wert.71a374d3-9dff-47a3-8d84-352f4ac04df2.html )( Zitat Ende ).Oder über eine andere Lösung nachdenken: Ausbau Wendlingen-Umstiegsbahnhof, S-Bahn-Ring vom Flughafen dorthin ( siehe www. Umstieg21.de ) . Einfach, sicher,schneller umsetzbar und mit Mehrfachnutzen.Derweil im Kessel ein grüner OB mit Wolkenkuckucksheimplänen Einen auf Projektförderpflicht macht. Und der clevere Landesverkehrsminister und Flughafenaufsichtsrat sich mit Forderung nach Vertragseinhaltungspflicht genüßlich zurücklehnen kann. Von wegen : Mikado-Effekt ( Wer sich zuerst bewegt, bezahlt ) lt. Chr. Milancovic. Die „ Eigenwirtschaftlichen „von der DB sitzen ganz nett in der Sch…. Ausgerechnet vom VCD- in S 21-Projektbefürworterkreisen jahrelang und gebetsmühlenhaft als „ Fußgänger-und Radfahrervereinigung „ verächtlich gemacht - also kam schon vor Jahren der Alternativvorschlag eines autobahnnahen Flughafenfernbahnhofes. Hört, hört ! Jetzt kann es nicht mehr lange dauern, und auch die StZ nennt statt des pofallesken Regionalpräsidenten Bopp auch noch die wahren Erstbeschreiber eines funktionierenden Gäubahn/ S-Bahn-Mischverkehrs ( Minimallösung : 3.Gleis ): Die S-21-Kritiker auf den Fildern ! Da wird sich doch nicht noch SPIEGEL-Kurbjuweit ob seines Unwortes „ Wutbürger „ aus 11/2010 drehen und wenden müssen ? Ist das ,was wir seit Tagen erleben , erst der erste Dominostein oder brechen nach Veröffentlichung neuester, hoffentlich auch nur grenzwertig echter Daten gleich die Dämme ?

Um es mit Herrn Milankovic auf einen Punkt zu bringen: Es geht aber zunächst auch nur darum, sich die Situation am Airport ohne Vorbehalte nochmals anzusehen. Zeitdruck herrscht dabei nicht. Durch den Verzug, den die S-21-Bauarbeiten im Talkessel angesammelt haben, öffnet sich nun ein Zeitfenster, das man zum Nachdenken nutzen kann. Denn niemand kann sich hinstellen und die Dritte-Gleis-Lösung als die allein selig machende Version verkaufen wollen. Aufgrund des Kostendrucks liegt nahe, nun das Ergebnis des Filderdialogs umzusetzen. Dort wurde beschlossen, die Gäubahnzüge für die Flugreisenden am Regionalbahnhof Vaihingen halten zu lassen, und die S-Bahn-Strecke von Vaihingen zum Flughafen vor den IC- und Regionalzügen zu verschonen. Genau dieses Thema muss nun Minister Hermann zu einer vorbehaltlosen Umsetzung auf die Tagesordnung setzen.

Leider muss ich alle enttäuschen. Diese Idee hatt...: Leider muss ich alle enttäuschen. Diese Idee hatte ich schon 2010 ins Internet reingesetzt. Vielleicht hat es sogar jemand abgespeichert..? Damals auf meinen A21-Blog. Es hat nur niemanden interessiert. Aber witzig ist schon,das die Bauherren von "S21" heute auf einen der größten Gegner zurückgreifen. Beziehungsweise auf meine Idee. Die Wahrheit kann man halt nicht begraben oder auf Dauer unterdrücken. Auch die Befürworter von K21. MfG M.P.Orts

Einfach mal: das tun, was die Bürger einschließlich Filder-Stadträten und Bahnvertretern nach tagelanger Schlichtung mehrheitlich und demokratisch beschlossen haben: nämlich GAR KEIN S21 AUF DEN FILDERN zu bauen, sondern die Bahnreisenden aus Zürich/Singen am ausgebauten Regionalbahnhof in Vaihingen in die S-Bahnen zum Flughafen umsteigen lassen. Das sind nämlich die allerwenigsten Reisenden von Süden. Dann gibts keine Behinderung des S-Bahn-Verkehrs auf den Fildern, und der S-Bahn-Ringschluss Vaihingen-Flughafen-Wendlingen-Plochingen kann auch gebaut werden. Auffallend, wie von allen S21-Drahtziehern und -Herbeischreibern krampfhaft versucht wird, das tot zu schweigen. Ekelhaft.

Darf ich mal an eine Aussage des ehrenwerten Hamburger Kaufmanns vom 15.11.2011 in der Bild erinnern. Dort wird er von Bild zitiert: "wo alle Planfeststellungs-Verfahren und die Finanzierung vorliegen". Das war vor etwa SECHS Jahren. Wie kann es also sein, dass sechs Jahre später S21 immer noch nicht zu Ende geplant ist und die Finanzierung auch nicht steht. Sollte Herr Grube etwas ... . Oder er hatte einfach keine Ahnung. Beides ist für einen Verantwortlichen nicht sehr toll. Und im gleichen Interview sagte er noch: "Hinzu käme die Beschädigung unseres guten Rufes im Ausland als attraktiver Investitionsstandort" - die katastrophale Planung und Durchführung des Projektes S21 dient dann wohl dem "guten Ruf im Ausland", fragt sich für was. --- Und noch was, als ich heute im Salzbergwerk Wieliczka (Polen) unterwegs war, durfte ich feststellen, dass dort die DB für viel Geld Kammern angemietet hat und sich ein Orchester spendiert hat. Ich weiß nicht für was, aber das DB-Emblem erkennt man auch 125m unter Tage.

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