Stuttgart 21 Nur der Opa bleibt zu Hause
Erik Raidt und Robin Szuttor, 27.08.2010 22:00 Uhr
Basteln gegen Stuttgart 21: Emilie, Luise, Johann, Christine und Sophia Brencher (von links) machen Protestplakate. Foto: Stollberg
Basteln gegen Stuttgart 21: Emilie, Luise, Johann, Christine und Sophia Brencher (von links) machen Protestplakate. Foto: Stollberg
""Es ist vor allem die Arroganz der Macht, die mich antreibt.""
Rainer Benz, Werber und Aktivist bei den Gegnern



Die Brenchers sind in keiner Partei. Aber politisch. Ihm sei es auch wichtig, die Leute nicht im Stich zu lassen, die noch viel direkter von S21 betroffen sind, sagt Jeffrey Brencher. "Demokratie heißt nicht nur zu wählen, sondern sich hinzustellen und Widerstand zu leisten." Das will er auch seinen Kindern vermitteln. Im seinem von Weinbergen umzingelten Wohnort waren nur wenige zum aktiven Protest zu bewegen. Er und seine Frau haben in der Nachbarschaft herumgefragt, wer sich anschließen wolle. Tenor: "Man kann doch jetzt eh nichts mehr ändern." Die Brenchers sehen das anders. "Diese Rechnung wird nicht aufgehen, nicht mit uns, nicht in Stuttgart", ruft der Redner. Die Menge antwortet zustimmend mit lautem Getriller. Jeffrey Brencher schwingt seine große Rätsche, die Leute sind sichtlich beeindruckt. Johann bläst die Vuvuzela. Dezent. "Die Zukunft, das sind wir", tönt der Redner. Die Brenchers sehen das auch so. Johann macht Pipi an die Bahnhofsmauer – und will jetzt heim. Gegen 21 Uhr macht sich die kleine Protestgruppe vom Landtag aus auf die Rückreise. Es ist spät geworden. Johann hat seinen Teddy dabei, er wird in der S-Bahn einschlafen. Emilie muss auf ihre Gute-Nacht-Kassette von Benjamin Blümchen verzichten. "Wogegen sie heute demonstriert haben", sagt Christine Brencher, "verstehen sie vielleicht in ein paar Jahren."
Kommentare (28)
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AUG
30
büffl, 10:40 Uhr

hmmm..

wenn ich mir die kommentare so durch lese, frage ich mich langsam wer ein neues staatssystem haben will? ich glaube eher die befürworter. wenn ich lese "nur die, die schaffen dürfen.... nur die, die steuern zahlen dürfen...." sehr totalitär und antidemokratisch. und nicht jeder der arbeitslos ist und/oder alg2 bezieht ist "gesindel". es kann ganz schnell gehen, das auch die personen die sowas schreiben, auf der strasse sitzen. siehe weltwirtschaftskrise. also das hirn nicht nur beim schaffen benützen sondern auch mal privat. das ist anstrengend aber wirkungsvoll.

AUG
30
Karl Heinz Siber, 09:24 Uhr

Immer mit der Ruhe

Parkerweiterer schreibt: "Tolle Strategie, den Kindern seinen eigenen Willen aufzuzwingen. Und in ein paar Jahren merken sie dann, dass sie gegen ihre eigene Zukunft demonstriert haben, ganz toll!" Na und? Wenn die Kinder alt genug sind, sich eine eigene Meinung zu Stuttgart 21 zu bilden, und wenn die anders ausfällt als die ihrer protestierenden Eltern - wo ist da der erzieherische Schaden?. Was genau haben diese Eltern nach Ihrer Meinung falsch gemacht? Hätten sie ihren Kindern verheimlichen sollen, wogegen sie demonstrieren?

AUG
30
Chrigu, 02:20 Uhr

tendenziöse Berichterstattung über Demonstranten/Polizeipferd?

Es wird geschrieben „Als einige der Protestierenden einem Polizeipferd zu nahe kommen [… Blitzlichtgewitter]“ (ergo: "die bösen Demonstranten / der gefährliche Mob" – so kommt es ein wenig 'rüber) Beschreibt das nicht genau jene Szene, die auch auf YouTube zu sehen ist, bei der ein Polizeireiter ein Transparent entreißen möchte, dies dann aber vor den aufmerksamen Kameraleuten nicht getraut? http://www.youtube.com/watch?v=5mHewtWxXdM#t=70 Dann wäre es aber ganz schön schiefe Berichterstattung hier bei der StZ, wenn man es im Internet zutreffender & ungefiltert erfährt als vom Reporter vor Ort in der Zeitung! Ansonsten Danke für den Bericht, der dem Protest ein Gesicht gibt… Eine Stellungnahme von Erik Raidt & Robin Szuttor ist willkommen…

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