Stuttgart 21 Ordnungsamt stoppt geplante Lärmsimulation

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Eine Initiative wollte in den frühen Morgenstunden des Sonntags die Geräuschkulisse nachstellen, die aus ihrer Sicht durch den Betrieb des geplanten Abstellbahnhofs entstehen würde. Das ist nun verboten worden.

Welcher Lärm geht von dem in Untertürkheim geplanten Abstellbahnhof auf dem Areal des heutigen Güterbahnhofs aus? Foto: Honzera
Welcher Lärm geht von dem in Untertürkheim geplanten Abstellbahnhof auf dem Areal des heutigen Güterbahnhofs aus?Foto: Honzera

Stuttgart - Das Ordnungsamt hat eine für die Nacht auf Sonntag geplante Lärmsimulation gestoppt. In den frühen Morgenstunden zwischen 1 und 5 Uhr wollten Mitglieder des „Infobündnisses Zukunft Schiene Obere Neckarvororte“ jene Geräuschkulisse nachstellen, die sich aus ihrer Sicht durch den Betrieb des beim Projekt Stuttgart 21 geplanten Abstell- und Wartungsbahnhofs ergeben würde. 30 bis 40 Töne je Minute mit einer Lautstärke von 107 Dezibel sollten einen Eindruck von dem Lärm vermitteln. Dazu kommt es nicht. Das Amt für öffentliche Ordnung hat am Freitag per Verfügung die Veranstaltung untersagt. Es gelte, die Nacht- und Sonntagsruhe zu schützen. Sollte sich die Initiative der Verfügung widersetzen, drohen polizeiliche Maßnahmen.

Die Polizei war längst informiert

Bei der Organisatoren ist man über diese Entwicklung überrascht. Der örtliche Polizeiposten sei seit 20. August über das Vorhaben informiert. „Und bei einem Telefonat mit dem Ordnungsamt hat man uns gesagt, dass wir maximal mit einem Bußgeld wegen Ruhestörung zu rechnen hätten“, sagt Sabine Reichert vom Infobündnis. Man werde gegen die Verfügung Widerspruch einlegen. Der wird allerdings nichts daran ändern, dass die nächtliche Hupaktion zunächst verboten ist, denn das Ordnungsamt hat den Sofortvollzug der Verfügung angeordnet.

Sabine Reichert verhehlt allerdings auch nicht, dass das Bündnis ganz gut mit der Verfügung leben könne. „Schließlich wird darin festgestellt, dass der Lärm vollkommen inakzeptabel ist“, sagt sie. Eben jener Lärm werde aber Untertürkheim belasten, wenn der Bahnhof wie geplant gebaut wird. Allerdings sind die Bahnpläne noch gar nicht genehmigt. Im Anhörungsverfahren können Betroffene Einwände vorbringen und Bedenken geltend machen. Das Ordnungsamt weist in seinem Schreiben auch darauf hin, dass in eben jenem Verfahren der Bahn Auflagen erteilt werden könnten, um die Anwohner vor zu viel Lärm zu schützen.

Bahn wollte Fläche zur Verfügung stellen

Die Bahn selbst war über die Pläne der Initiative informiert, Eckart Fricke, der Konzernbevollmächtigte für Baden-Württemberg, sogar eingeladen. Ursprünglich sollten die Warntöne von einem Bahngelände aus abgegeben werden. Dazu hätten die Mitglieder der Initiative allerdings ein Gleis überqueren müssen, was die Bahn untersagte. Einverstanden war das Unternehmen hingegen damit, dass die Aktion stattdessen auf einem ihrer Parkplätze an der Augsburger Straße stattfinden sollte – sofern es eine behördliche Genehmigung dafür geben würde. Nun ist die Initiative hingegen überzeugt, dass „großes Interesse von Seiten der Deutschen Bahn“ vorliege, „diese Lärmsimulation auf jeden Fall zu verhindern“, hieß es am Freitag.

Das Nachstellen der Geräuschkulisse hätte als Teil des Aktionstages „Potz Blitz, betrifft Stuttgart 21 auch mich?“ stattfinden sollen, bei dem Initiativen am Samstag an verschiedenen Orten in der Stadt, aber auch in Ludwigsburg und Tübingen auf die lokalen Auswirkungen des Projekts aus ihrer Sicht hinweisen wollen. Am kommenden Montag wird die Montagsdemonstration nach Bad Cannstatt ausweichen. Auf der Kursaalwiese wird ab 18 Uhr auf die von den Projektgegnern befürchtete Bedrohung des Mineralwassers hingewiesen.

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48 Kommentare Kommentar schreiben

NIBA-Ausbau: Die Bahn baut an anderen Stellen ihre Abstell-und Wartungsanlagen aus. Welche Kapazitäten sind überhaupt notwendig und welche Stelle gibt Auskunft ?

wie wäre es, wenn ...: ... die Mitglieder des „Infobündnisses Zukunft Schiene Obere Neckarvororte“ noch einmal zur Stadtverwaltung gehen und eine solche Veranstaltung anmelden würden. Für Volksfeste, Fussballspiele etc. kann man ja auch eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Zuvor könnte man vielleicht auch einmal auf die Anwohner zugehen und deren Zustimmung zu einer solchen Veranstaltung z.B. über eine Unterschriftenliste einholen. Ich bin mir sicher, dass etliche Anwohner sich nicht sperren werden, sich einmal am eigenen Leib von der möglichen Auswirkung zu überzeugen. Für mich jedenfalls wäre so etwas ein lohnendes Experiment, zumal die geplante Dauer nicht einmal eine dreiviertel-Stunde erreicht. Ausnahmsweise etwas aushalten, um sich den möglichen Dauerzustand vorzustellen. Den Anwohnern des Cannstatter Wasen sind Lärm-Ausnahmen bekannt, das kann ich Ihnen aufgrund eigener Erfahrung versichern.

Über die Uninformiertheit der Proler: kann man immer wieder nur lachen. Jetzt hat die Bahn also sogar ein Grundstück für die Simnultation bereitgestellt, die Proler im Amt haben die Aktion dennoch verboten, obwohl ja bei K21 der selbe Lärm entstehen würde, da auch K21 eine Verlegung des Abstellbahnhofs nach Untertürkheim vorsieht. Auch die geplante Unternunnelung des Rosensteins bei K21 ist identisch mit S21, dennoch fallen die Dummbürger darauf herein, wenn wir diesen darstellen, was bei S21 alles so passieren wird und K21 dabei eben einfach nicht erwähnen.

Kopfschütteln: Was es mit S21 auf sich hat werden wir vielleicht noch irgendwann erfahren, vielleicht sind aber auch alle Laptops professionell von Datenrückständen 'gereinigt' worden bis dahin... wer weiss es? Gesetze, die aller wahrscheinlichkeit nicht sinnlos zu stande gekommen waren, haben bei S21 keinen Bestand mehr. Es gibt z.B. Sondergenehmigungen für gesetzeswidrige Tunnelwandstärken, für Bahnsteigsneigungen - es gibt des weiteren äusserst brutelen Polizeischutz zur Durchsetzung von per Gesetz nicht genehmigten Baumfällungen (alles nachprüfbar) und wir werden sehen, was noch alles kommt. Was der Grund hinter all dem ist, ist die eigentlich spannende Frage. Ob irgendwelche Politiker-Kinder in Lebensgefahr sind? ob einfach nur viel (schmutziges Geld) im Spiel ist ? Ob große Konzerne (wie z.B. die DB) die Strippen der für uns sichtbaren Marionetten-Politiker ziehen ? Oder nicht unwahrscheinlich auch Bau-Konzerne oder Großinvestoren / Banken ? Konsumiert bewusst, kauft nichts von Großkonzernen, soweit es sich vermeiden läßt. Unterstützt kleine lokale Anbieter so weit es geht. Große Macht / konzentrierte Macht schafft so unglaublich viel Potenzial an Mißbrauch, Nähboden für Betrug, Lobbyarbeit, usw.

wer will schon die Wahrheit wissen: Statt realistischer Simulationen möchte der Bürger lieber von Hochglanzprospekten mit selbstleuchtenden Beton (Tiefbahnhof) oder freischwebenden Geländer (Lichtkuppeln im Park) getäuscht werden. Und am Ende kommt ein Betonklotz wie die neue Bibliothek alias Bücherknast dabei raus und alle wundern sich, wie es soweit kommen konnte...

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