Stuttgart 21 Ostertag schlägt neue Variante für den Bahnhof vor

Von Thomas Braun 

Architekt Roland Ostertag  kritisiert Heiner Geißlers Kompromiss-Idee für den Bahnhof. Er schlägt eine weitere Alternative zu Stuttgart 21 vor.  

Architekt Ostertag bringt eine neue Variante für den Stuttgarter Bahnhof ins Gespräch... Foto: dpa 2 Bilder
Architekt Ostertag bringt eine neue Variante für den Stuttgarter Bahnhof ins Gespräch...Foto: dpa

Stuttgart - Mit einer neuen Planungsvariante wollen der Stuttgarter Architekt Roland Ostertag und das Münchener Verkehrsberatungsbüro Vieregg und Rößler für den Erhalt des Kopfbahnhofs werben. Zugleich kritisieren sie den Kompromissvorschlag für eine abgespeckte Stuttgart-21-Lösung von Schlichter Heiner Geißler und dem Chef des Schweizer Verkehrsgutachterbüros SMA, Werner Stohler. Diese Lösung vereinige die Nachteile des Kopf- und des geplanten Tiefbahnhofs, so Ostertag.

Stohler und Geißler haben unterdessen gestern die Kritik der Bahn, der Stadt und der Region an ihrem Konzept zurückgewiesen. Die Einwände beruhten "auf einer Reihe von Behauptungen" und enthielten Falschaussagen, heißt es in einer von Geißler verbreiteten Stellungnahme. Unter anderem weist SMA die Aussage zurück, auch bei der Kombilösung müsse der Südflügel des Bonatz-Bahnhofs weichen. "Das ist vermutlich nicht der Fall", heißt es in dem Papier.

Variante KL 21

Ostertag und das Tandem Martin Vieregg und Karlheinz Rößler setzen dagegen weiterhin primär auf die Modernisierung des Kopfbahnhofs. Falls dessen von Rößler auf 64 Züge in der Spitzenstunde abgeschätzte Kapazität im Zuge der Verteuerung des Ölpreises und der Verlagerung von Verkehr auf die Schiene nicht mehr ausreiche, schlagen die drei einen viergleisigen Tiefbahnhof in Tallängsrichtung vor. Bei der sogenannten Variante KL 21 würde das Gleisvorfeld des Tiefbahnhofs mit vier zusätzlichen Schienensträngen in 20 Meter Tiefe unterfahren und der Bahnhof mit einem modifizierten Fildertunnel an den Flughafen angebunden. Der Tunnel nach Feuerbach entfiele.

Die Kosten für diese Variante, die weder mit dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 noch mit Geißler abgesprochen ist, beziffern Vieregg und Rößler auf 2,5 Milliarden Euro gemäß Preisstand 2006. Nach diesem Preisstand hatte das Büro 2008 5,6 Milliarden Euro für das Projekt Stuttgart 21 prognostiziert.

Weitere Informationen zum KL 21 finden Sie hier.

 

123 Kommentare Kommentar schreiben

@aufgeklärter: Sehr geehrter Aufgeklärter, falls von Ihnen der Kommentar zum Ostertag-Artikel bei StN vom 24.Aug 22:39 stammt: '...Jetzt muß nur noch die grün-rote Landesregierung begreifen, daß K21 und eine in Längsrichtung gebaute Fernstrecke als Kombi-Lösung die für alle Belange schonendste Lösung sein wird....' freue ich mich, dass Sie inzwischen selber etwas nachgedacht haben, und KL21 jetzt auch ablehnen und nicht mehr als 'schonendste Lösung' betrachten. Auch wenn unsere Präferenzen zur Alternative nicht deckungsgleich sind.

@Aufgeklärter, 29.Aug. 2:50: Sehr geehrter Aufgeklärter, was K21 betrifft, habe ich auch eine etwas andere Meinung als Sie, halte es jedoch im Vergleich mit KL21 auch für die bessere Lösung. Was mich jedoch sehr gewundert hat, ist, dass so viele S21-Gegner kritiklos bei KL21 die meisten der bei S21 so verteufelten 'Nachteile' inkauf nehmen, und einfach ihren 'Gurus' zujubeln, ohne nachzudenken, welche Folgen KL21 haben würde. Ich halte es für völlig inkonsequent, als S21-Gegner jetzt auf KL21 aufzuspringen, es sei denn, es geht einem nur um den Erhalt des derzeitigen Zustandes des mittleren Schlossgartens oder um das Längsgefälle der Bahnsteige. Wer Angst hat um das Grundwasser, um das Mineralwasser, vor Schäden an untertunnelten Gebäuden, vor jahrelangen Baustellen in der Innenstadt, Risiken von Bränden im Tunnel und was bei S21 sonst noch an Punkten abgelehnt wird, kann doch nicht jetzt plötzlich auf KL21 anspringen, wo das alles auch gilt! Nur weil Ostertag sagt, dass der Längstunnel keine Probleme machen wird. Ich versteh das nicht.

Zu 'Selberdenken's Bedenken gibt es schon lange eine Alternative: K21: Sehen Sie, 'Selberdenken', deshalb sind die S21-Gegner für die K21-Lösung. Hier gibt es keine von den Ihnen aufgezählten Nachteile. Und sauber trennen kann man bei K21 allemal den Fern- und Regio-Verkehr. Es sind von vornherein Erweiterungen in den Zulaufgleisen vorgesehen, die diese Trennung ermöglichen können. Und eine Verbindung zum Flughafen gibt es auch. ... Deshalb ganz Oben bleiben! Oben ist besser mit Kopf als unten ohne. Oben ist Leben, Licht und Sonnenschein, unten ist nur Langeweile, Dunkelheit und der Tod!

ich kann es nicht fassen!: Wenn man die Kommentare der S21-Gegner hier so liest, muss man sich schon Fragen, ob die einfach jeden Mist glauben, Hauptsache er stammt von den 'richtigen' Leuten. Mit diesem Vorschlag haben sich Vieregg&Rössler sowie Ostertag für alle die noch selber denken können klar disqualifiziert. Lest doch mal, was die wirklich geschrieben haben. ======== Bei S21 sind sie gegen den zusätzlichen S-Bahn-Halt Mittnachtstraße, da dadurch die Fahrzeit verlängert wird. Bei KL21 gibt es zwischen Flughafen und Hauptbahnhof noch 2 zusätzliche Halte. Das bremst doch nur den schnellen Verkehr aus. ======= Bei S21 sind die 2 Flughafenbahnhöfe abzulehnen. Bei KL21 sind laut Planskizze sogar 3 Flughafenbahnhöfe vorgesehen (1.S-Bahn, 2.Fernbahn Richtung Ulm, 3.Fernbahn Richtung Tübingen, wobei der Richtung Tübingen noch weiter vom Terminal entfernt ist als der bei S21) ====== Bei S21 sind sie gegen den steilen Fildertunnel, weil da die Züge so viel Energie benötigen. Bei KL21 machen sie den Tunnel noch kürzer und damit noch deutlich steiler. ====== Bei S21 fürchten sie um das Mineralwasser, bei KL21 wird der Tunnel noch deutlich tiefer sein müssen, dabei aber ohne Probleme für das Mineralwasser (Etwa weil die Planung nicht von der 'bösen Bahn' stammt sondern von den 'Guten'?) ============= Das Grundwasser sei bei KL21 auch kein Problem mehr. Wie das? Leute, das Grundwasser verhält sich in durchlässigem Boden (wie er im Stuttgarter Talkessel vorhanden ist) ähnlich wie ein See: der Grundwasserspiegel ist relativ eben. Ob längs oder quer zum Tal, macht da bei einem Tunnel keinen Unterschied. Oder kann man in einem See in Längsrichtung trocken bauen, in Querrichtung aber nicht? ========== Der Längstunnel muss dutlich tiefer sein als alle bestehenden Tunnel in Stuttgart, da er nicht unter einer Straßenschneise geführt werden kann. (Lautenschlagerstraße: Blockiert durch S-Bahn, Königstraße: Blockiert durch Stadtbahn, außerdem liegt in Flucht der Königstraße der Turm und der Südflügel, die müssten dann auch noch unterfahren werden. Dabei fällt der Turm doch schon bei S21 ein, obwohl es neben dem Turm vorbeiführt.) ======== Es bleibt also nur noch, die vorhandene Bebauung zu unterfahren. Laut Plan KL21 (der detaillierte Ausschnitt hört ja interessanterweise vorher auf) geht es dann in einer Linkskurve Richtung Hauptstätter Str. Wo genau? Unter dem Schlossplatz und dem Alten Schloss, dann Breuninger, Schwabenzentrum? oder eher unter Neuem Schloss, Altem Waisenhaus, Leonhardskirche? Alles gleich schwierig. Hier macht es offensichtlich nichts aus, Gebäude nur mit wenigen Metern Überdeckung zu unterfahren, wo doch bei S21 zig Meter schon gefährlich sind. Ich möchte die Gebäudeschäden, die dabei auftreten nicht bezahlen müssen. Außerdem sind Tunnel unter der Stadt immer die teuersten (siehe Stadttunnel Leipzig) und alles müsste im Grundwasser gebohrt werden (wie in Köln) da eine so großflächige Grundwasserabsenkung nicht genehmigungsfähig ist. Weiß eigentlich einer der Jubler noch, dass beim Bau des 'Breuningermarkts' Mineralwasser angebohrt wurde, das jahrelang ein Mineralschwimmbad auf dem Dach gespeist hat. Und jetzt soll ein Tunnel in diesem Bereich kein Risiko für das Mineralwasser darstellen? Dann soll auch noch ein zusätzlicher Tiefbahnhof 'Rathaus' dort entstehen? Wegen der Stadtbahn- und Straßentunnel im Verlauf der B14 und der Torstraße entsprechend tief. =========== Dann soll der Tiefbahnhof einen Luftschlitz im Kopfbahnhof bekommen, Was wird das für ein Monstrum, 20 bis 30m tief! Viel Licht kommt da nicht mehr an, und Blickbeziehungen gibt es da auch nicht, das nimmt dem Kopfbahnhof nur Fläche für Gleise und Bahnsteige weg. Das ganze Gleisvorfeld muss untertunnelt werden, einschließlich des 'Tunnelgebirges'. Und das alles bei laufendem Betrieb oben. Das wird jahrelange Störungen des Bahnverkehrs oben nach sich ziehen. ======== unter Punkt (21) wollen sie dann noch eine Neubaustrecke vom Hauptbahnhof bis zur NBS Mannheim. Wie denn? Noch ein Tunnel? Und das soll nur die Hälfte kosten? Lasst doch Vieregg & Rössler das mal gegenrechnen, da kommt dann sicher das 3- bis 4-fache dabei raus. Achso, von denen stammen die Zahlen, dann müssen die ja seriös sein. ========== Hat übrigens schon mal jemand ein Bild zur Parkerweiterung bei K21/KL21 aus Blickrichtung Osten gesehen? Das zeigt Ostertag natürlich nicht, denn dann würde jeder sehen, dass zwischen Platanenalle und Parkerweiterung eine über 10m hohe Wand steht, die den Deckel der weiterhin erhaltenen Gleise nach Cannstatt trägt, also kein direkter Zugang vom Schlossgarten zur Parkerweiterung ============ Das ließe sich noch nahezu endlos weiterführen. Alles in allem eine geniale Planung, die beste die zur Neuordnung des Bahnhofs gemacht wurde. Traumtänzer, denkt mal selber etwas bevor Ihr über KL21 so jubelt!

Osterei, Herr Klartext?: Verehrter Herr Klartext, ich finde Ihre Bemerkung über den Vorschlag von Herrn Ostertag wirklich anmaßend? Was haben Sie studiert, damit Sie seine Darstellung so einfach abqualifizieren können und auch andere von renomierten Fachkräften verfassten Urteile und Lösungen schlichtweg als Murks verunklimpfen? Auch scheinen Sie blind und taub gegen alle Argumente aus der Schlichtung zu sein. Das nicht ist, was nicht sein darf, gell? Was die Preise angeht, würde ich auch nicht mit Steinen werfen, wenn ich unter der S21-Glaskuppel säße....wie war das noch? Die Bahn habe sich bei der Kostenschätzung im Jahr 2002 in der Währung vertan......LOL. Werden Sie eigentlich für Ihre Provokationen bezahlt, um Kommentare anzuregen?

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