Stuttgart 21 Polizei beendet Bahnhofsbesetzung
Thomas Braun und Jörg Nauke, 26.07.2010 19:57 Uhr
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 Foto: dpa
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Stuttgart - Etwa 100 Demonstranten haben am Montagabend während der wöchentlichen Protestaktion gegen das Projekt Stuttgart 21 den Nordflügel des Hauptbahnhofs besetzt. Einige Helfer hatten zuvor auf dem Bahnhofsturm ein Ablenkungsmanöver organisiert.



Nachdem zwei Dutzend Aktivisten gegen 18.15 Uhr der Zugang zum Gebäude gelungen war, öffneten diese in den oberen Stockwerken mehrere Fenster. Weitere Unterstützung rückte dann bei strömendem Regen über Leitern nach. Einer der Ersten war Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS). Die Polizei sicherte mit 200 Beamten nach der Besetzung das Gebäude. Sie beklagte "eine zunehmend aggressive Stimmung, die sich zum Teil auch gegen die Einsatzkräfte richtete". Polizisten seien "massiv beleidigt" worden. Einer habe einen Fußtritt erhalten, eine Beamtin sei bespuckt worden, anderen wurde die Mütze vom Kopf gerissen. Der Bahn-Bevollmächtigte Werner Klingberg kritisierte, dass es nicht gelungen war, die Besetzung zu verhindern.

Aus den Fenstern flogen am Abend Luftballons und Konfetti, auf Plakaten erklärten die Demonstranten, "Stuttgart 21 entern" zu wollen, und kündigten an: "Bei Abriss Aufstand." Der Polizeisprecher Stefan Keilbach, sagte: "Das ist kein bürgerlicher Protest mehr. Diese neue Situation haben wir uns nicht gewünscht." Teilnehmer der Demonstration zogen auf den Bahnsteig von Gleis 1 und skandierten: "Oben bleiben."



Gegen 23 Uhr begann die Polizei mit der Räumung des Vorplatzes, auf dem sich noch 300 Menschen befanden, sowie des Gebäudes. Die Polizei trug nach eigenen Angaben die meisten Besetzer aus dem Gebäude heraus und nahm sie vorübergehend in Gewahrsam, um ihre Personalien aufzunehmen. Sie müssen mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch rechnen. Währenddessen blockierten mehrere Demonstranten kurzfristig die Streifenwagen. Vereinzelt warfen Jugendliche Bierbüchsen gegen Polizeiautos. Mindestens drei Demonstranten müssen mit einer Anzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte rechnen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft, ob sie dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittlingen dauern an.

Kommentare (241)
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OKT
01
hense, 18:06 Uhr

ALLE

Gewaltverzicht für ALLE, das klingt gut! Alle Seiten sind zu Mäßigung aufzufordern! ALLE! Aber dadurch entsteht ein weiteres Problem, wenn die Polizei mit Staatsgewalt den Platz räumen muss (der einzelne Polizist kann m.E. wenig dafür, außer da wo er - was auch vorkommt - selbst zu brutal vorgeht), dann gibt es nur noch anderswo Proteste und wenn interessiert es, wenn Zehn- oder Hundertausende irgenwo stehen, wo sie nicht im Weg stehen? Wie kommen wir zu einer neuen Demonstrationskultur, die auch dann gelassen sein kann, wenn man nur da demonstieren darf, wo es nicht stört und sonst ob Rentner, Schüler oder CDU-Wähler weggeprügelt wird?

JUL
29
Diana URban, 12:55 Uhr

Lügen

Die Stimmung war keineswegs AGGRESSIV und MASSIVE Beleidigungen gab es auch nicht, im Gegenteil: Friedlicher ging es fast nicht mehr und ich habe sogar locker-freundliche Gespräche mit den Einsatzkräften beobachtet. Seit wann sind Sprüche wie "Gebt der Polizei montags frei" Beleidigungen? Warum muss immer alles fälschlich aufgebauscht werden? Wo bleibt da die Objektivität oder gar die Seriosität der Zeitung?

JUL
28
magi, 15:23 Uhr

Flügel-besetzung

verdrehte Realitäten das Lügenenpack ist immer noch geschützt, die S21-Gegner werden kriminalisiert.

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