| Zeitungsgruppe Stuttgart |Freitag, 10. Februar 2012
Stuttgart 21
Artikel weiterempfehlen

Stuttgart 21 Polizei räumt das Baumhaus

dpa, Fotos: Benjamin Beytekin, vom 07.09.2010 05:56 Uhr
 Foto: Benjamin Beytekin
Foto: Benjamin Beytekin
Stuttgart - Die Polizei hat in der Nacht zum Dienstag einen von Gegnern des umstrittenen Bauprojekts Stuttgart 21 seit Freitag besetzten Baum im Mittleren Schlossgarten geräumt. Rund 100 Demonstranten eilten den Besetzern zur Hilfe, einige bildeten nach Polizeiangaben zeitweise eine Sitzblockade um den Baum herum. Elf Demonstranten wurden von Einsatzkräften weggetragen. Die Aktivisten in der Krone sollen sich der Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood, Kei Andrews, zufolge auch an den Baum gekettet haben.

Im Rahmen der Räumung ist es offenbar zu Handgreiflichkeiten zwischen Polizisten und Demonstranten gekommen. Wie ein Videobeitrag des Nachrichtensenders NTV zeigt, hat ein Beamte eine demonstrierende Frau ins Gesicht geschlagen.



Nur wenige Stunden zuvor hatte bereits das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 überraschend das für Freitag geplante Spitzengespräch über das Milliardenprojekt am Hauptbahnhof platzen lassen. Begründet wurde der Schritt damit, dass es keinen sofortigen Baustopp am Hauptbahnhof geben werde.

Der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, kündigte zudem eine härtere Gangart an. Man werde noch mehr Aktionen starten, bei der sich Demonstranten anketten, um die Bauarbeiten zu behindern, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Auch protestierten am Montagabend erneut tausende Menschen mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas gegen eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von 8000 Demonstranten, die Organisatoren von 20 000. "Rote Karte für die Scheißpolitik" hieß es auf einem Transparent.

Ob es einen neuen Versuch für ein Gespräch geben wird, war zunächst unklar. Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann, der gemeinsam mit Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zu dem Treffen eingeladen hatte, sprach davon, dass der erste Anlauf gescheitert sei. Mappus erneuerte trotz seiner scharfen Kritik an der Absage die Einladung. "Unser Gesprächsangebot gilt fort. Nach meiner festen Überzeugung liegt in einem offenen und fairen Dialog zwischen Projektbefürwortern und -gegnern unverändert eine wichtige Chance, eine Versachlichung der öffentlichen Diskussionen zu erreichen." Er appellierte an die Kritiker, "sich einem konstruktiven Austausch nicht zu verweigern".

Parkschützer von Herrmann zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Angebots. "Wenn Mappus einen Baustopp ablehnt, ist klar, dass er auch die Gespräche ablehnt." CDU-Fraktionschef Peter Hauk warf den Gegnern hingegen vor, die ursprüngliche Zusage zu dem Gespräch sei nur der Versuch gewesen, "die Bauarbeiten durch die Hintertür zu stoppen".
Kommentare (138)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
SEP
08
00:35 Uhr, geschrieben von jorgd38
Polizei räumt das Baumhaus
@ Sonja R. Ihr Artikel ist schon sehr hart formuliert, das ist nicht mein Stil. Nein, ich bin kein Demo-Tourist! Als gebürtiger Heslacher und jetzt im Westen wohnender echter Stuttgarter (wo kommen Sie her?) muss ich Ihnen leider widersprechen. Was schädigt einen Baum mehr - ein Baumhaus (es gibt so viele in der Welt - nicht nur in Kanada oder in den USA - es soll sogar Deutsche geben, die dafür einen "Abenteuerurlaub" buchen) oder eine Kettensäge an den Wurzeln? Wir brauchen Bäume, damit wir - auch ihre Tochter, vielleicht Sie auch? - atmen können. Sie helfen nämlich mit, die Luft zu reinigen. Und wären Ihre Steuern nicht besser angelegt - ich weiß nicht, wie alt Ihre Tochter ist - in Kinderkrippen, Horte, Ganztagsschulen (mit sauberen Klos und sogar Klopapier), damit Sie sorgenfreier Ihrem Gelderwerb, der nicht einfach zu sein scheint, nachgehen können. Dann gäbe es nämlich in diesem aus Kostengründen bislang stark vernachlässigten Bereich auch neue Arbeitsplätze. Als Wohlstandsgeschwür (wie hässlich) betrachte ich mich keinesfalls - und ich unterstütze auch die Antiatombewegung! Denken Sie mal nach....
SEP
07
22:48 Uhr, geschrieben von Tom
@ alle
@ Befürworter Gut dass ihr jetzt mit den Gegnern reden wollt. Dies hätte früher kommen sollen. Vielleicht wären dan die Proteste nicht so sark @ Gegner nehmt das Gesprächsangebot an oder stellt eure Demos sofort ein. Gegen S21 zu sein ist durchaus legetim jedoch sollte man auch mit den Befürwortern reden und nicht nur Krawall machen. Ihr sagt ja von euch selbst dass euer Protest demokratisch und Bürgerlich und firedlich ist
SEP
07
21:27 Uhr, geschrieben von M
Gewalt
Ich habe an anderer Stelle gelesen, es habe Gewalt gegen Polizisten gegeben. Wo sind denn dazu die Videos? Ich habe noch keine gesehen. Was ich aber in diesem Video gesehen habe sind keine gewalttätigen Demonstranten, sondern gewalttätige Polizisten. Wo also sind bitte die angeblich randalierenden Demonstranten? Die Polizei ist mit diesem Einsatz eben an den Grenzen. Da war es logisch, dass die Emotionen früher oder später hochkochen. Auf der einen oder der anderen Seite. Und was sind die Ursachen? Unfähige Politiker, die immer noch nicht erkannt haben, dass es hier dringend eines Volksentscheides bedarf. Lasst die Leute abstimmen. Dann wissen wir, was Sache ist. Egal wie es ausgeht, es ist das Beste für das Land.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  46
nächste
 
Anzeige
Videos zu Stuttgart 21
Stuttgart 21 bei Twitter
Dieses Widget sucht bei Twitter automatisch nach Nachrichten mit dem Schlagwort #S21. Die Redaktion ist nicht verantwortlich für den Inhalt der gesendeten Nachrichten.
 
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement