Stuttgart 21 Projektgegner sehen Grün-Rot in der Pflicht

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Kritiker des Bahnprojekts Stuttgart 21 appellieren an die Landesregierung, sich für einen Stopp der Arbeiten einzusetzen, bis offene Fragen auf den Fildern und zur Leistungsfähigkeit des Durchgangsbahnhofs geklärten seien. Der BUND hat derweil Biber entlang der geplanten Strecke bei Wendlingen ausgemacht.

Stuttgart-21-Gegner fordern, die Diskussion über die Pläne für den Abschnitt am Flughafen öffentlich fortzusetzen. Foto: Achim Zweygarth
Stuttgart-21-Gegner fordern, die Diskussion über die Pläne für den Abschnitt am Flughafen öffentlich fortzusetzen.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben ihre Kritik an jenem Verfahren erneuert, in dem Ende September, Anfang Oktober über den Planabschnitt rund um den Flughafen diskutiert wurde. In dem Bereich auf den Fildern fehlt der Bahn nach wie vor das Baurecht. Christoph Engelhardt, der im Auftrag des Regionalverbands Stuttgart des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Experte an der Erörterungsverhandlung teilgenommen hat, sieht das Verfahren gar als gescheitert an.

Kritiker nähren Zweifel an der Leistungsfähigkeit

Seine Einschätzung stützt der Physiker weniger auf die Probleme, mit denen sich die Bahn auf den Fildern konfrontiert sieht. Vielmehr hält es Engelhardt für erwiesen, dass der Durchgangsbahnhof in der Innenstadt nicht die versprochene Zahl an Zügen bewältigen könne. Damit falle aber die sogenannte Planrechtfertigung weg. Seine Sichtweise legt Engelhardt in der Januar-Ausgabe des Fachmagazins „Eisenbahn-Revue International“ detailliert auf sieben Seiten dar. Engelhardt sieht die Landesregierung in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die aus seiner Sicht ungeklärten Fragen in einer öffentlichen Fortsetzung der Anhörung auf den Fildern geklärt werden. „Wir setzen auf den Hebel der öffentlichen Meinung und hoffen auf die politische Vernunft“, sagte Engelhardt mit Blick auf die eingeschränkten rechtlichen Mittel, auf eine Fortsetzung des Verfahrens zu dringen.

Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder forderte, die Arbeiten in den übrigen Abschnitten zumindest so lange einzustellen, bis es eine genehmigte Planung auf den Fildern gebe – oder gleich das Gesamtprojekt sein zu lassen. „Die von Christoph Engelhardt beschriebenen Probleme im Tiefbahnhof werden durch die unzureichende Planung auf den Fildern noch verstärkt.“ Nötiger als Stuttgart 21 habe die Region ein Verkehrskonzept, das sicherstelle, wie Tausende Pendler jeden Tag von zuhause zur Arbeit und zurück gelangten.

BUND macht Biber entlang der geplanten Strecke aus

Weitere Probleme sieht der BUND für die Bahn derweil auch im benachbarten Planabschnitt 1.4 heraufziehen. Laut BUND haben sich nun zwei Exemplare des Europäischen Bibers im Naturschutzgebiet „Grienwiesen“ und „Am Rank“ zwischen Köngen und Unterensingen (beides Kreis Esslingen) angesiedelt. Die Tiere sind artenrechtlich geschützt. Der BUND fordert in einem Schreiben an das Eisenbahnbundesamt und an das Regierungspräsidium Stuttgart eine artenschutzrechtliche Prüfung. Der Naturschutzverband erinnert daran, dass die Bahn bei Stuttgart 21 schon mehrmals mit artenschutzrechtlichen Problemen zu kämpfen hatte. Die Umweltschützer nennen als Beispiele Juchtenkäfer und Zauneidechsen.

Der Planabschnitt 1.4 umfasst den Streckenabschnitt von der Gemarkungsgrenze Stuttgart bis ans Neckarufer bei Wendlingen. In diesem Gebiet hat die Bahn bereits seit Ende April 2008 Baurecht. Bislang ist ein 386 Meter langes Viadukt über das Sulzbachtal bei Denkendorf im Rohbau fertiggestellt. Ob eine artenschutzrechtliche Prüfung bei bereits genehmigten Bauvorhaben möglich ist und welche Auswirkungen sie haben kann, konnte das zuständige Stuttgarter Regierungspräsidium auf Anfrage am Montag nicht klären.

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88 KommentareKommentar schreiben

Eisenbahn-Revue, International: Ungefähr zum halben Preis eines Ba-Wü-Tickets erhältlich. http://www.parkschuetzer.de/statements/179459

da lege ich dasselbe nochmal drauf : und fahre mit der bahn irgendwohin und wieder zurück. oder ich kaufe meinem mann den playboy. der ist billiger. und er hat mehr davon.

Und wozu: Steht da irgendetwas neues drin? Widerruft er gar einige seiner falschen Behauptungen?

„Eisenbahn-Revue International“: >> Im gut sortierten Zeitschriften-Handel Ihres Vertrauens dürfte die Ausgabe der EISENBAHN-REVUE INTERNATIONAL; Deutschlandausgabe; 1/2015 mit einem Artikel zu >Stuttgart 21: ungenügende Leistungsfähigkeit nach Filder-Anhörung< von Dr. Christoph M. Engelhardt momentan zu erwerben sein. << #Presse #Leistungskapazität #Engelhardt __________________________________________________________________________________ >> Ideefix » Seine Sichtweise legt Engelhardt in der Januar-Ausgabe des Fachmagazins „Eisenbahn-Revue International“ detailliert auf sieben Seiten dar. Engelhardt sieht die Landesregierung in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die aus seiner Sicht ungeklärten Fragen in einer öffentlichen Fortsetzung der Anhörung auf den Fildern geklärt werden. „Wir setzen auf den Hebel der öffentlichen Meinung und hoffen auf die politische Vernunft“, sagte Engelhardt mit Blick auf die eingeschränkten rechtlichen Mittel, auf eine Fortsetzung des Verfahrens zu dringen. << +++ http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-projektgegner-sehen-gruen-rot-in-der-pflicht.3b7c280f-4e3c-40ba-9ddf-e3a3fa809f97.html +++ __________________________________________________________________________________ http://www.parkschuetzer.de/statements/179459 +++ http://www.parkschuetzer.de/parkschuetzer/34090

Also nichts neues?: Da ja nach Aussage der Gegnerschaft die Leistungsfähigkeit (des Tiefbahnhofs) in der Erörterung nicht mehr diskutiert wurde, ist das also der Stand seines Nachforderungskatalogs, richtig?

"Falsche Behauptungen"?: Herr Ostermann, meinen Sie die Widersprüche und Lügen der Bahn AG? Sie erinnern sich vielleicht an die Behauptungen, über 4,5 Milliarden würde die Reißleine gezogen, wegen S21 sei man 30 Minuten schneller in Ulm, S21 sei doppelt so leistungsfähig wie der Kopfbahnhof, oder S21 sei alternativlos, weil der Kopfbahnhof spätestens 2010 nicht mehr in der Lage sei, den Bahnverkehr abzuwickeln?

Immer daran denken: jeden Tag werden am teuren Tiefbahnhof mehr als zwei Millionen Euro versenkt. Und die Planungen werden nicht besser, sondern eher noch schlechter. Würde man heute statt übermorgen aufhören, man könnte von dem gesparten Geld dem Verband Region Stuttgart ein komplettes S-Bahn-Fahrzeug schenken.

.: Auf der einen Seite versucht die Gegnerschaft alles, um einen Baustopp zu erreichen. Auf der anderen Seite kritisiert man, dass zwischen den Jahren nicht gearbeitet wird (wie auf zahlreichen anderen Baustellen Deutschlands ebenso). Es ist egal, was gemacht wird, es findet sich hier immer jemanden, der es anzuprangern weiß...

Baufortschritt: Während sich sehr viele Menschen die Finger wund schreiben, wird fleißig am neuen Bahnhof gebaut. Das ist schön.

Ähm: wohl nicht mitbekommen. Die Baustellen ruhen alle und die TBM ist nach der propagandaträchtigen Tunnel-Anstichsfeier im August immer noch nicht einsatzbereit. Tja, bestgeplanter Murks oder anders ausgedrückt die größte Blamage in der deutschen Baugeschichte.

Im Gegenteil: Also wenn zwischen den Jahren gearbeitet worden wäre, so würde das auf eine aufzuholenden Bauzeitverzug hindeuten. Die Einhaltung der Feiertagsruhen und normalen Urlaubszeiten deutet da eher auf einen planmäßigen Fortschritt hin.

Aha!: Danke für Ihren lustigen Hinweis. Wie wir ja alle wissen gibt es bei S21 keinerlei Verzögerungen bzgl. der Fertigstellung, weil ja fast alle Teilabschnitte bereits massiv verzögert sind. Ein absolutes Novum in der Geschichte des Projektmanagements. Ähm, wurde denn wenigstens schon einen Nachfolger für den Projektleiter Maitschke gefunden? Dieser "Macher" hatte ja noch im November das Handtuch geschmissen. Da müssten sich die Bewerbungsschreiben ja mittlerweile staplen. Merkwürdig ruhig aus dieser Ecke. Aber mit dem Düker, der Bestandteil dieses Abschnittes ist, hat das ja sicher nichts zu tun. Der ist ja planmäßig im Bau, denn laut offiziellem Zeitplan arbeiten die ja schon seit Okotober 2014 an der Hauptbaumaßnahme. Sehen tut man davon zwar absolut nichts, aber was solls... man muss ja schon einen Gulli-Deckel heben um von den Bauarbeiten was mitzukriegen.

"Merkwürdig ruhig": Es wundert Sie tatsächlich, dass es am 2. Januar (und in der Zeit davor) "merkwürdig ruhig" ist?

Doch doch: die Tunnelbohrmaschine hat wohl Anfang Dezember ein paar Meter gebohrt. Aktuell steht sie aber wieder, das ist richtig.

Tunnelbohrmaschine: Die Tunnelbohrmaschine hat Probleme mit der Computertechnik und mit dem Untergrund - mehrere Zentimeter ungeplante Absenkung - Sogar das Kommunikationsbüro musste das schon eingestehen, allerdings mal wieder mit einer verharmlosenden Ausrede: "Die TBM läuft noch nicht auf Hochtouren, weil sie noch Feinjustiert werden müsse.." Naja, wir werden ja sehen wie lange diese Feinjustierung noch andauert. Der Tunnelvortrieb in Wangen hat sich ja auch als lächerliche Vorbereitungsarbeiten zu einem Schacht, der immer noch nicht fertig ist, entpuppt.

.: Christoph Engelhardt bezweifelt..., Christoph Engelhardt kritisiert..., Christoph Engelhardt glaubt nicht, dass..., ===== das ist alles alter Wein in neuen Schläuchen.=====Das grün geführte Verkehrsministerium hat schon lange in bestem Amtsdeutsch einräumen müssen, dass auf der bisherigen Datenlage kein Rückbau der Leistungsfähigkeit durch S21 begründet werden kann. Dass die Bundesgrünen völlig entgegengesetzt zu den Landesgrünen das Gegenteil behaupten, erschließt sich mir nicht ganz.

Biserige Datenlage: „Die konkrete Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 ist daher offen. Eine methodisch vergleichbare und belastbare Gegenüberstellung der Leistungsfähigkeit des bestehenden und eines ggf. ertüchtigten Kopfbahnhofs mit den Planungen für Stuttgart 21 liegt nicht vor und scheiterte bislang an der fehlenden Bereitschaft der Deutschen Bahn zu einer solchen Untersuchung.“ Die zu einem Leistungsvergleich notwendigen Daten hält die Bahn zurück und weigert sich auch, einen Vergleich von K20/K21 mit S21 selbst zu leisten: "Die DB Netz AG hat eine vertiefte Untersuchung in Form einer Infrastrukturplanung, Fahrplankonstruktion und Durchführung einer Betriebssimulation für den Kopfbahnhof („K 20") aber abgelehnt." Das hat Herr Engelhardt gemacht und den Rückbau überzeugend nachgewiesen, zuletzt in einem Fachartikel der Eisenbahn-Revue International.

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