Stuttgart 21 Proteste bis in die Nacht hinein
dpa, Fotos: Beytekin, 31.07.2010 22:24 Uhr
Proteste über Proteste: Am Freitagabend haben sie angefangen (Bilder), am Samstag sind sie nicht abgerissen. Foto: Dejan Perc
Proteste über Proteste: Am Freitagabend haben sie angefangen (Bilder), am Samstag sind sie nicht abgerissen. Foto: Dejan Perc
Stuttgart - Die Gegner des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 haben auch am Samstagabend weiter gegen den bevorstehenden Beginn der Abrissarbeiten am Nordflügel des Bahnhofs protestiert. Die Abrissgegner sprachen von 2500 Teilnehmern, die Polizei zählte rund 2000 Stuttgart 21-Gegner. Die Demonstranten zogen mit lauten Protestrufen und Trillerpfeifen durch die Stuttgarter Innenstadt und sorgten damit teilweise für ein Verkehrschaos. Die Proteste blieben aber bis zum Abend friedlich.



"Schuster lass den Bahnhof stehen oder du musst sofort gehen!" und "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut!" waren nur einige der Protestrufe der Demonstranten. "Der Widerstand wird nicht nachlassen, sondern immer stärker werden", sagte Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. Am Freitagabend (Fotos) war ein Bauzaun am Nordflügel des Bahnhofs errichtet worden, wo am Montag mit den Abrissarbeiten begonnen werden soll. Schon am Freitagabend und im Laufe des Samstag hatten die Gegner des Projekts immer wieder gegen den bevorstehenden Abriss protestiert. Die Polizei hatte daraufhin den Bauzaun nochmals verstärkt.

Der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn bezeichnet den Aufbau des Bauzauns am Freitagabend als "verzweifelten Akt der Provokation von Bahn und Landesregierung". Es sei nicht hinnehmbar, wenn jetzt gegen den Willen der Bevölkerung mit dem Abriss des Flügels unumkehrbare Tatsachen geschaffen würden. Kühn sprach von einer Nacht- und Nebel-Aktion. Diesen Vorwurf wies Wolfgang Drexler, Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21, zurück. Es sei immer klar gesagt worden, dass am 1. August mit den Vorarbeiten zum Abriss des Nordflügels begonnen werde, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.



Es gebe eine offene Kommunikation, allerdings werde nicht öffentlich verkündet, wann welcher Bauzaun aufgebaut werde. Zudem gebe es nach der Hausbesetzung am Montag eine neue Sicherheitslage. "Es ist auch eine Frage, wann man die Arbeiter am besten schützen kann." Die Bahn hatte den "Rückbau" des nördlichen Seitenflügels für Anfang August angekündigt. Dabei soll innerhalb von drei Monaten der Gebäudeteil Stockwerk für Stockwerk abgetragen werden. Beim Bauvorhaben Stuttgart 21 wird der Stuttgarter Hauptbahnhof als Durchgangsstation unter die Erde verlegt und mit der Schnellbahntrasse nach Ulm verbunden.
Kommentare (47)
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AUG
04
Danke, 21:31 Uhr

Herr Walter, für Ihren schönen Beitrag!

Der Protest ist intelligent. Nachhaltig. Die Politik nicht. Stichwort: "Powersiechtum" (Zitat: Django Asül, Stern-Kolumne)

AUG
03
Harry Walter, 03:04 Uhr

Bürgerengagement

Tatsache ist, dass bei den Anti-S-21-Demonstrationen genau jene Stuttgarter Bürger besonders zahlreich vertreten sind, die sich auch sonst in vielerlei sozialen und kulturellen Projekten für diese Stadt engagiert haben. Was Menschen, die wirklich und zumeist aus eigenen Stücken etwas bewegt haben, nun in solcher Zahl und durch alle Lager und Altersklassen hindurch in Bahnhofsnähe zusammenführt, kann nicht die Lust am Stehenbleiben sein. Es muss was mit einer anderen Vorstellung von Demokratie und Fortschritt zu tun haben. Wahrscheinlich aber auch mit Stuttgarts manchmal heilsamer, nämlich die Selbstbetrachtung favorisierenden Kessellage. Wer es sich mit dieser für das soziokulturelle Klima dieser Stadt äußerst produktiven Gesamtszene nachhaltig verscherzt, so viel ist sicher, wird am Ende nicht nur dumm, sondern - dem flügelgestutzten Bonatzbau gleich - auch ziemlich einsam dastehen.

AUG
02
Karl Heinz Siber, 23:47 Uhr

@ Martin (neutral)

"1. Starkes Stück, jemanden feige zu nennen, nur weil er hier unter Pseudonym schreibt, das machen nämlich die meisten, auch S21-Gegner." Es ist trotzdem ein Problem. Tatsache ist doch: Die aggressivsten Beiträger hier, die am stärksten polarisieren und anheizen, sind Anonymi. Man kann halt unter der Deckung eines Pseudonyms die Sau rauslassen und tut's oft genug auch. Das ist dann schon feige, oder etwa nicht?

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