Stuttgart 21 S-21-Kritiker verabschieden Manifest

Die Gegner des Bahnprojekts fordern nun explizit, den Verkehr bundesweit mehr auf die Schiene zu verlagern. Bei einer Demonstration auf dem Marktplatz haben sie am Samstagnachmittag einen Forderungskatalog vorgestellt.

Am Samstag stellten Stuttgart-21-Gegner  einen Forderungskatalog vor. Foto: Horst Rudel 11 Bilder
Am Samstag stellten Stuttgart-21-Gegner einen Forderungskatalog vor.Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Viele Parteien setzen im Wahlkampf auf bewährte Mittel, wie Plakatwerbung und Stände. Die SÖS dagegen will auch im Wahlkampf die Bürgerbeteiligung hochhalten. Mit mehreren Aktionen versucht die seit zehn Jahren im Gemeinderat vertretene Gruppierung, den von ihr versprochenen Slogan „Wählen ist nicht genug“ mit Leben zu füllen. Am Wochenende nun hat die SÖS mit der Linkspartei und dem Aktionsbündnis gegen S 21 zu einer „Kopf-machen“-Konferenz ins Rathaus eingeladen. Fast 500 Teilnehmer wurden bei den 20 Workshops und drei Podiumsdiskussionen gezählt. Dabei ging es bei den zwei zentralen Kongressthemen – 20 Jahre Bahnreform und Stuttgart 21 – streng nach basisdemokratischen Prinzipien zu.Beim Bilanzziehen und beim Blick in die Zukunft wurde denn auch per Akklamation am Herzstück des Kongresses, dem „Stuttgarter Bahnmanifest 2014“, fast bis zum letzten Moment gefeilt – dem Verlesen der 14 Punkte bei einer Kundgebung am Samstag auf dem Marktplatz. Die S-21-Kritiker äußern in dem Papier mit Blick auf das Bahnprojekt die Ansicht, dass „die Zeit unkalkulierbarer Bahn-Großprojekte mit zweifelhaftem Nutzen zu Ende“ gehe. Der Bund wird aufgefordert, mit den Ländern ein „Fernbahn-Gesetz“ zu erlassen, in denen Standards für den Fern- und Regionalzugverkehr festgeschrieben werden.

Bürgerbeteiligung im Wahlkampf

Ziel: „Renaissance der Bahn“

Das Ziel sei demnach, dass „der Fern- und Nahverkehr alle Regionen mit einem dichten Netz und Takt erschließt.“ Eine „Renaissance der Bahn“ wird angestrebt, die aus „1000 kleinen Modernisierungs- und Ausbauprojekten, Streckenreaktivierungen und neuen Haltepunkten besteht.“

Um den Autofahrern den Umstieg in die Züge noch schmackhafter zu machen, wird die Einführung einer „sozial gerechten Netzfahrkarte“ gefordert. Bisher kostet ein solches Jahresticket in Deutschland für die zweite Klasse 4090 Euro. Zudem fordert man eine LKW- und PKW-Maut auf allen Straßen in Deutschland. Und die Lastwagencontainer sollen durch den Neubau von Umschlagbahnhöfen möglichst auf die Bahn verlagert werden.

Ex-Hauptbahnhofsleiter: Bahnleitung zu weit weg von Stuttgart

Das Manifest stand auch im Mittelpunkt der Demonstration gegen Stuttgart 21, für die die Konferenz unterbrochen wurde. Auf der Kundgebung zog Egon Hopfenzitz, der frühere Leiter des Hauptbahnhofs, einen Vergleich zur Zeit vor der Bahnreform. Damals, so referierte er, habe der Bahnhof unter seiner Leitung fast 1000 Mitarbeiter gehabt. Nach der Reform seien sieben Regionalabteilungen gegründet worden, „und jede kann unabhängig von der anderen tun und lassen, was sie will.“ Die Leitungsebene sitze nun in Karlsruhe und damit zu weit entfernt von Stuttgart.Sabine Leidig, Bundestagsabgeordnete (Linkspartei) und verkehrpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, beschwor eine Zeit herauf, „in der die Ära der dicken Limousinen fahrenden Verkehrspolitiker zu Ende“ sein werde. Dann werde es nicht nur neuen Schub für den Nahverkehr und den Schienenverkehr geben, sondern dann hätten auch die Radfahrer und Fußgänger wieder Interessenvertreter, sagte Leidig, bevor Heiner Mohnheim das viel bejubelte Manifest auf dem Marktplatz vortrug.

Kritik am Ministerpräsidenten und an der Tunnelbaufirma

Den größten Applaus heimste am Ende der Theaterregisseur Volker Lösch ein, ein alter Held der Protestbewegung. Er erlaubte sich, in einer Rangliste der S-21-Lobbyisten im Land den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Martin Herrenknecht, den Chef der auch bei Stuttgart 21 aktiven Tunnelbaufirma, auf Platz eins zu stellen. Und er bereitete mit dieser Bemerkung auch den Weg in den Landtagswahlkampf 2016: Dann, so Lösch, würden die Grünen die Quittung dafür bekommen, das Projekt nicht gestoppt zu haben.

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Demozug legt zeitweise den Verkehr lahm: „Rund 350 Teilnehmer einer Demonstration gegen Feinstaub und Luftverschmutzung haben am vergangenen Samstag zwischen 15 und 17 Uhr dafür gesorgt, dass auf der B 14 der Verkehr zeitweise zum Erliegen kam…………… ____________Die Demonstranten, darunter viele Montagsdemo-erfahrene Teilnehmer, protestierten gegen die grün-rote Landesregierung und die ökosoziale Mehrheit im Rathaus, denen sie Untätigkeit in Bezug auf die zunehmende Luftverschmutzung in der Innenstadt vorwarfen.“ ++++++++++++++++++++++++++++++++++ Link: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.feinstaubdemo-in-stuttgart-demozug-legt-zeitweise-den-verkehr-lahm.47d9fb26-08ce-47f7-a167-adc1d7c17ae1.html

Deutsches Schienennetz verfällt: >> Das deutsche Schienennetz verfällt. Trettenbach untersucht Eisenbahnbrücken für die Deutsche Bahn und überprüft, ob sie noch sicher sind. Er inspiziert Gewölbe-Brücken, Stahlbrücken, Rahmenbrücken, hohe und tiefe, kurze und lange, 400 Stück im Jahr. Er macht das schon seit 21 Jahren. So lange ist er "auf der Bahn", wie er sagt. ________________________________________________________ In dieser Zeit konnte er beobachten, wie aus einem ziemlich stabilen Schienennetz ein gebrechliches Gebilde wurde. << ________________________________________________________ http://www.zeit.de/2014/19/deutsche-bahn-schienennetz/komplettansicht?commentstart=17#comments

„Megaprojekte-Paradoxon“: >> Dem Dänen Bent Flyvbjerg, Professor für das Management von Großprojekten an der Universität Oxford, dürften solche Diskussionen bekannt vorkommen. Schon 2003 hat er mit zwei Kollegen ein Buch veröffentlicht, in dem er die Kostensteigerungen von Großprojekten untersucht hat. Sein Ergebnis ist das „Megaprojekte-Paradoxon“: Demnach werden neun von zehn Bauprojekten, die mehr als eine Milliarde Euro kosten, teurer als geplant - und das über die vergangenen 70 Jahre hinweg. Die Menschen scheinen aus ihren Fehlern nicht zu lernen. << ________________________________________________________ http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/stuttgart-21-warum-bei-grossprojekten-die-kosten-explodieren-11026150.html

>> Jeder kann ein Vorgesetzter werden, aber nicht jeder wird als Anführer akzeptiert <<: >> Mehdorn bricht die Grundregeln der Kommunikation +++ Ohne offene Kommunikation kann dies nicht gelingen, was mir meine Tätigkeit als Coach und Trainer oft bestätigt hat. So scheint nach Angaben des Berliner "Tagesspiegel" der BER-Geschäftsführer – als Beispiel für missglückte Führung – viel zu kommunizieren, nur nicht mit seinen Gesellschaftern. Er bricht damit die Grundregeln des Dialogs und sorgt für Unmut. Seine Aufgabe wäre es, kritische Fakten intern ansprechen, Verstecktes offenzulegen, Unsicherheiten wegzuräumen. Natürlich funktioniert Führung auch mit Angstmacherei und totalitären Methoden. Allerdings nur kurzfristig.(!) << ________________________________________________________ http://www.deutschlandradiokultur.de/management-fachmann-moderator-oder-antreiber.1005.de.html?dram:article_id=284401

Udo Cronauge: Heute möchte ich Ihnen wieder einen Text widmen, dieses Mal vom dradio. Zitat: "Im Stuttgarter Schlossgarten wird noch heute ums Grünzeug gekämpft Wesentlich geändert hat sich daran bis heute nichts. Beim Gedanken an etwas Grünzeug geraten viele in Ekstase. Und während im Nahen Osten Diktatoren gestürzt und in europäischen Ländern gegen die Auswirkungen der Finanzkrise gekämpft wurde, engagierte man sich im Stuttgarter Schlossgarten für den Erhalt von Bäumen, die dem Tiefbahnhof im Weg standen. Wohlwollend begutachtet vom Rest der Republik._________________ Auf mehr als 30.000 im Internet registrierte Unterstützer konnten die Stuttgarter "Parkschützer" zurückgreifen. Etwa 3000 von ihnen erklärten, sich im Fall der Fälle an einen Baum anzuketten. Bei nicht einmal 200 zu fällenden Bäumen hätte das zwar ein ziemliches Gedränge gegeben, einerseits. Andererseits macht Religion erst in der Menge Spaß. Und religiös ging es zu im Stuttgarter Schlossgarten. "Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen spricht, wer ihnen zuhört, der erfährt die Wahrheit", war zu erfahren auf den Durchhalteparolen, die mit Reißzwecken an Baumstämme gepinnt wurden.____________________ Es ist diese ersehnte Ursprünglichkeit, dieses Zurück zur Natur, das es nicht gibt, man könnte sagen: zum Glück nicht gibt. Weil es, wenn es anders wäre, auch kein Internet gäbe, mit dem sich solcherlei Protest organisieren ließe. Und streng genommen nicht einmal die Reißzwecken, um Kitsch an Bäume zu pinnen.________________ Was es hingegen gibt, sind Menschen mit der wilden Entschlossenheit, noch jede Baumscheibe mit dem Dschungel zu verwechseln und jeden kümmerlichen Strunk als "Antenne zum Kosmos" zu überhöhen." http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/

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