Stuttgart 21 Schallschutz-Monster soll vermieden werden

Von Konstantin Schwarz 

Die Bahn plant ihre neuen Abstellanlagen in Untertürkheim erneut um und will damit aufwendige Schallschutzbauen vermeiden. Für die Eidechsen auf dem alten Schotterbett soll es eine neue Heimat in Esslingen geben.

Auf dem heutigen Abstellbahnhof im Rosensteinpark sollen Wohnungen gebaut werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auf dem heutigen Abstellbahnhof im Rosensteinpark sollen Wohnungen gebaut werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Am Dienstagabend hat die Deutsche Bahn in der Sängerhalle in Untertürkheim vor rund 130 Bürgern ihre Pläne zum Bau des beim Projekt Stuttgart 21 vorgesehenen Abstellbahnhofs vorgestellt. Das Vorhaben ist nicht ganz neu, es wurde bereits 2009 und 2014 präsentiert. Nun ist die Projektgesellschaft in einem wesentlichen Punkt zum Ursprung zurückgekehrt: Die durchgehenden und von Güterzügen befahrenen Gleise im neuen Abstellbahnhof sollen nicht mehr direkt entlang der Augsburger Straße in Untertürkheim liegen, sondern rund 100 Meter in die Anlage hinein verschoben werden. Dadurch seien keine Schallschutzwände mehr nötig, sagte der für den Abschnitt zuständige Projektleiter Sebastian Glöckner.

Würde die Bahn die Durchfahrtsgleise ­direkt an der Augsburger Straße belassen, wie aus Kostengründen zuletzt erwogen, müsste sie zu den Wohnhäusern hin eine bis zu acht Meter hohe Schallschutzmauer bauen. Dieses Monstrum war auf erhebliche Kritik gestoßen. Zunächst müsse die Lärmbelästigung vermieden, und erst wenn das nicht möglich sei, müssten die Anwohner mit einer Mauer davor geschützt werden, so der für Umweltfragen im Projekt Stuttgart 21 zuständige Florian Bitzer. Auch auf der Verbindung vom Bahnhof Untertürkheim zur Strecke nach Waiblingen soll sich der Abstand zur Bebauung vergrößern.

Das Gesamtsystem brauch neue Abstellgleise

Ohne den Abstell- und Wartungsbahnhof, der die alte Anlage im Rosensteinpark ersetzt, kann das Gesamtsystem Stuttgart 21 nicht betrieben werden. Die Abstellkapazitäten seien auch nach Angaben des Landes-verkehrsministeriums geplant worden, sie sind allen Eisenbahnunternehmen zugänglich. Insgesamt sollen auf der Fläche des früheren Güterbahnhofs in Untertürkheim 7295 Meter Schienen (13 Gleise) neu gelegt werden. Die alten Oberleitungen, Schienen, Weichen und der Schotter müssten komplett entfernt werden, sagte Glöckner.

Weil die Abstellgleise nicht ganz ausreichen, greift die Bahn auch in Münster (1520 Meter, vier Gleise) und in Obertürkheim (840 Meter, zwei Gleise) auf eigene Fläche zu. Die Anlagen sind laut Bitzer so dimensioniert, dass der im S-21-Stresstest untersuchte Fahrplan mit 49 Zügen in der Spitzenstunde bewältigt werden könne. Ein Kritikpunkt in der Sängerhalle war, dass mit dem Neubau in Münster ein zweiter Bahnsteig für die Schusterbahn verbaut werden würde. Doch nur wenn mehr Züge als der bisher eine pro Stunde zum Beispiel vom Regionalverband Stuttgart bestellt würden, könnte es Bahnsteig-Bedarf geben.

In dem Neubau wird es eine Waschanlage und eine Innenreinigungsanlage geben sowie ein Gebäude mit Lager-, Betriebs- und Sozialräumen. Die DB Regio AG hat außerdem Bedarf für eine 232 Meter lange Werkstatthalle ­mit drei Gleisen angemeldet, die mit genehmigt werden soll. Auf dem Gelände in Untertürkheim gibt es wie auf vielen Bahnflächen im Stadtgebiet und auf der Strecke Wendlingen–Ulm (Albvorlandtunnel) schützenswerte Eidechsen. Die Population in Untertürkheim ist mit geschätzten 5500 Tieren groß, eine Lösung zur Umsiedlung aber absehbar. Die Tiere können auf 17 Hektar vorhandener Weinberge am Schenkenberg in Esslingen unterkommen.

Die Lösung sei ein Gewinn für beide Seiten, Bahn wie Winzer, die zwar eine dingliche Sicherung, also einen Eintrag ins Grundbuch, zulassen müssten, aber Geld für die Pflege der Trockenmauern erhalten werden. Dabei gebe es, so Bitzer, keine Einschränkungen für den Weinbau. Vorgespräche seien geführt worden.

5500 Eidechsen werden vermutet

Die Echsen könnten, sofern die Baugenehmigung wie von der Bahn gewünscht Mitte 2018 eingeht, in drei Perioden abgesammelt werden und umziehen. Die Bauzeit betrage zwei Jahre, sagte Glöckner, bis zur von der Bahn propagierten Inbetriebnahme Ende 2021 gebe es noch Luft. In der jüngsten Sitzung des Lenkungskreises zu S 21 waren dreieinhalb Jahre Bauzeit und ein Jahr für die Inbetriebnahme angegeben worden.

21 Kommentare Kommentar schreiben

Spitzer: Hat Herr Spitzer im Verlauf des Projektes überhaupt schon mal die Wahrheit gesagt oder irgendetwas ausser billigen Provokationen geäussert?

Spitzer sicher öfters die Wahrheit gesagt wie Bitzer

Bitzer: hat Herr Bitzer im Verlauf des Projektes überhaupt schon mal die Wahrheit gesagt? Bei seinen öffentlichen Auftritten hat er ja immer diesen seltsamen Anwalt dabei. Das war der mit dem berühmten Zitat "hier sind keine Idioten tätig.."

Rätselhaft: Was unsere s21 Gegner wollen. Günstige Strecke mit Schallschutz Mauer, oder teurere Variante ohne zum Wohle der Bürger. Entscheidet euch doch mal.

Herr F. Maier, könnten Sie mal auf meine ganz konkrete und einfach Frage antworten oder ist es Ihnen unmöglich: Wer hat diese ursprüngliche "meterhohe Schallschutzmauer" (wie Sie es nannten) geplant ?

Lesen Sie doch einfach mal: Den Artikel, sowie meine Antwort an Sie 4 posts weiter unten. Wenn Sie dazu nicht in der Lage sein sollten, erübrigt sich jede Diskussion.

Herr F. Maier, Sie wollen mir nicht antworten weil es Ihnen nicht in Ihr Weltbild von S21 und DB AG passt. Denn die Planungen des "Schallschutz-Monsters" hat die gleiche Firma veranlasst, welche sich nun zum Retter der Menschen vor selbigen aufspielt, die DB AG. Aber ist es nicht pervers, erst etwas zu planen, was sich dann als unbrauchbar herausstellt und dann die Planungen zu ändern und sich dann als Retter vor den ersten unbrauchbaren Planungen aufzuspielen? - Aber dies passt bestens zum Bild, welche Stuttgart 21 abgibt. - Übrigens, haben Sie im Artikel "Kuhn: „Ich halte an Stuttgart 21 fest“" (StZ 07.12.2016) gelesen, dass "Die DB schreibt, dass sie den Durchgangsbahnhof „unter anderem aus Kostengründen“ früh abgelehnt und „ein anderes Konzept, bei dem der Kopfbahnhof stehen geblieben wäre“ favorisiert habe." - die tun jetzt so, als hätten sie S21 nie gewollt, haben aber 2009 unter R. Grube mit ihren unbelegten Kosteneinsparungen aktiv den Ausstieg aus S21 verhindert. Wie war das noch, pervers eben.

Ergänzung: Sie schrieben: "Die Bahn plante eine kostengünstige Variante mit Schallschutzmauer. Die vorgestellten Pläne gefielen den Anwohnern nicht und so wurde umgeplant." - kann es auch sein, dass, wenn die Mauer wegfällt, die DB AG Kosten einspart? Und wieso hat man dann nicht gleich so geplant?

Steht doch alles im Artikel: wie dumm kann man sich eigentlich stellen?

Wie dumm kann man sich eigentlich stellen: Fragen Sie. Der Schlaue kann sich dumm stellen, umgekehrt gelingt was Schlaues dem Dummen nicht so einfach. Ich nehme an, Sie halten sich für schlau. Alles andere wäre tatsächlich bemitleidenswürdig. Also raus mit den Argumenten zum tieferen Sinn von der Rücknahme von Plänen zur geplanten Planänderung eines geplanten „ War halt so ne Idee von uns „.

Nochmal: die Bahn plant offensichtlich überhaupt nichts. Der Planänderungs-Tsunami beim Deppenbahnhöfle in Stuttgart ist ja ein hervorragender Beweis dafür. Der Versuch, der Proler, diese Inkompetenz als großzügiges Entgegenkommen umzudeuten ist ja bereits seit der Prellbockanhebung grandios gescheitert..

Nochmal ganz langsam: Für unsere Gegner, die ohne den Artikel gelesen haben sofort drauflosnörgeln. Steht doch alles im Artikel! Die Bahn plante eine kostengünstige Variante mit Schallschutzmauer. Die vorgestellten Pläne gefielen den Anwohnern nicht und so wurde umgeplant. Besser geht's doch gar nicht! Erst mal so kostengünstig wie möglich (wollen die Gegner doch auch!) und dann Rücksicht auf die Anwohner genommen. Was gibt es denn daran so blind herumzumaulen?

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