Stuttgart 21 Speisewagen aufs Abstellgleis

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Die Entgleisungen im Stuttgarter Hauptbahnhof im Sommer 2012 haben gravierendere Auswirkungen gehabt als bisher bekannt. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die der StZ vorliegt.

Auf einer Versuchsfahrt entgleiste ein Zug Anfang Oktober 2012 auf dem umgebauten Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Foto: dpa
Auf einer Versuchsfahrt entgleiste ein Zug Anfang Oktober 2012 auf dem umgebauten Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs.Foto: dpa

Stuttgart - Die Folgen der IC-Entgleisungen im Jahr 2012 im Hauptbahnhof sind weitaus gravierender als bisher bekannt. So hat die Deutsche Bahn Ende 2014 alle längeren Speisewagen aus dem deutschlandweiten Fernverkehr genommen. Auch die seitdem für die Gleise 8 und 10 geltenden Auflagen und die damit verbundenen Einschränkungen im Bahnbetrieb sind deutlich größer als bisher in der Öffentlichkeit dargestellt – und sie sind bundesweit einmalig. Die Weichen und Schienen der beiden Gleise weisen wegen der durch Stuttgart 21 ausgelösten Umbauarbeiten nach wie vor so enge Radien auf wie sonst nirgendwo in einem größeren Bahnhof in Deutschland. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt.

Ein Sprecher der Bahn erklärte auf Anfrage, dass die Stuttgarter Weichenverbindung regelkonform sei. „Ähnliche Auflagen wie im Stuttgarter Hauptbahnhof gibt es bundesweit nicht“, bestätigte er. Das Ende der Speisewagen begründete der Sprecher mit einem neuen Bewirtschaftungskonzept, das zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 umgesetzt worden sei. „Seither werden auf den nachfragestarken IC-Verbindungen durchweg Bistrowagen eingesetzt. Die verbliebenen Speisewagen wurden aufgrund ihres Alter und ihrer Störanfälligkeit seit September 2014 nicht mehr eingesetzt. Neue Speisewagen wurden nicht beschafft.“

Die Aussage steht im Widerspruch zu Angaben der Bundesregierung in der Kleinen Anfrage, wonach die Bahn, nachdem der Unfallbericht über die Entgleisungen vorlag, deutschlandweit im vierten Quartal 2014 alle Speisewagen mit einer Länge von 27,50 Meter aus dem Verkehr gezogen habe, weil „eine Umrüstung auf verstärkte Pufferteller keine Lösung darstellte“. Seither würden nur noch 26,40 Meter lange Bistrowagen eingesetzt. Dies legt den Schluss nahe, dass die Situation im Stuttgarter Hauptbahnhof entscheidend für die Ausmusterung der Speisewagen war.