Stuttgart-21-Sprecher Dietrichs Amtszeit geht in die Verlängerung

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Eigentlich wollte Wolfgang Dietrich als Stuttgart-21-Sprecher zum Jahresende aus dem Amt scheiden. Weil der Trägerverein des Kommunikationsbüros aber mehr Zeit braucht, um die Zuständigkeiten neu zu regeln, hängt der 66-Jährige noch ein paar Wochen dran.

Bleibt länger im Amt als geplant: Wolfgang Dietrich. Foto: Michael Steinert
Bleibt länger im Amt als geplant: Wolfgang Dietrich.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Nach mehr als vier Jahren im Amt sei nun die Zeit gekommen, sich anderen Aufgaben zuzuwenden. Er gebe seinen Posten „zum Jahreswechsel“ auf. So verkündetes es Wolfgang Dietrich, Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, Angang Oktober in einer Pressemitteilung. Dass sich dieser Zeitplan geändert hat, war dem Kommunikationsbüro, dessen Chef Wolfgang Dietrich ist, hingegen keine Zeile wert. Lediglich im Vorwort zur jüngsten Ausgabe des Projektmagazins „Bezug“ fand sich der Halbsatz „und gebe das Amt des Sprechers zum Februar auf“.

Die Verlängerung erfolge auf einstimmigen Wunsch der Mitgliederversammlung des Vereins „Bahnprojekt Stuttgart–Ulm“, sagt Wolfgang Dietrich auf Nachfrage. Unter der Ägide des Vereins arbeiten das Kommunikationsbüro und auch das Turmforum im Bahnhofsturm. Dietrich ist neben seinem Amt als Projektsprecher auch Vorsitzender des Vereins.

Außerordentliche Mitgliederversammlung

Stimmberechtigte Mitglieder des Vereins sind die Deutsche Bahn AG, die DB Netz AG, die DB Station & Service, die Stadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart sowie – kraft Amtes – der Vorstandsvorsitzende des Vereins, also Wolfgang Dietrich selbst. Das Land lässt seine Mitgliedschaft ruhen. Nach Dietrichs angekündigter Demission wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung fällig, die am 21. November stattgefunden hat. Am Abend desselben Tages gab Dietrich vor geladenen Gästen seinen Ausstand auf der Landesmesse.

Womöglich hängt es auch mit diesem Termin zusammen, dass die Mitgliederversammlung in einer Zusammensetzung tagte, die vermuten lässt, dass es um weit mehr ging als um eine reine Formalie, um dem Vereinsrecht Genüge zu tun. Bahn-Chef Rüdiger Grube nahm das Stimmrecht der DB AG wahr, Infrastrukturvorstand Volker Kefer jenes der DB Netz AG. Lediglich der Vorstand der DB Station&Service, André Zeug, ließ sich vertreten. Die drei Vertreter der Bahn stimmten ebenso für Dietrichs längeren Verbleib im Amt wie Baubürgermeister Matthias Hahn für die Stadt und Regionaldirektorin Nicola Schelling . Dietrich enthielt sich.

Nachfolge soll am 4. Februar geregelt werden

Man habe nach Dietrichs angekündigtem Abgang kein Vakuum entstehen lassen wollen, verlautet aus Teilnehmerkreisen der Sitzung. Die Nachfolge für den 66-Jährigen soll erst bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 4. Februar 2015 geregelt werden. Außerdem muss aller Voraussicht nach die Satzung des Vereins geändert werden. Die regelt bisher, dass aus dem Kreis der Vorstände auch der „Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm“ kommt. Mit Dietrichs Ausscheiden könnte allerdings auch dieses Amt Geschichte sein. Zumindest dann, wenn der Verein den Vorschlägen des scheidenden Sprechers folgt. Die sehen unter anderem vor, dass die Kommunikationsaufgaben – wie bei anderen Bahnprojekten auch – künftig wieder vom Schienenkonzern verantwortet werden. Der Verein, und damit auch dessen Vorstand, soll sich dann vorwiegend ums Turmforum und den Einsatz des Infomobils kümmern, um dem Satzungsziel „die Einwohner des Landes Baden-Württemberg, der Region Stuttgart und der Landeshauptstadt Stuttgart aktiv und umfassend über das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zu informieren“ gerecht zu werden.

Kommt Georg Brunnhuber?

Für dieses Amt ist Georg Brunnhuber im Gespräch. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete der CDU des Wahlkreises Aalen-Heidenheim war auch Mitglied des Bahn-Aufsichtsrates. Der heute 64-Jährige arbeitet seit seinem Ausscheiden aus dem Parlament in verschiedenen Funktionen für die Deutsche Bahn.

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23 Kommentare Kommentar schreiben

Schlag nach bei Schmittmann et al.: Werter Herr Claus Wilcke, Sie haben recht. Solch Verhalten nennt die Psychologie " Abwehr ". Die ollen Siggi F. und Charlie-G. J. hätten ihre liebe Freude beim Lesen von gewissen Kommentaren.

Märchenerzähler schwer zu finden: Es dürfte doch schwerer als gedacht sein, einen zu finden, der so ungehemmt lügt wie Dietrich. Weil wer die Wahrheit wider besseres Wissen sagt, der lügt. Und falsche Dinge verbreiten, das tut er gern. Okay es mögen Notlügen sein, weil S21 die Wahrheit eben nicht verträgt, aber es sind Lügen. Sagen wir es mal positiv: DIe Bahn sucht einen Märchenerzähler.

Knut Kruse Gesunder Menschenverstand: Einfach mal seine persönlichen Erfahrungen Revue passieren lassen. Wann und warum kommt es zu Verlängerungen von Vorsitzendenpositionen im Geschäfts-und Vereinsleben unter Rücknahme vorher angekündigter Demissionierung ? Immer dann, wenn sich -noch - oder -überhaupt kein - geeigneter Nachfolger finden läßt.Kritisch ist sowas, wenn es sich eh nur um einen reinen Repräsentationsjob handelt. Desaströs ist es, wenn wichtige Funktioner nicht ersetzt werden können. Wer soll Herrn Penn als leitenden Projektingenieur oder Herrn Grewe als externen Berater " beerben " ?

Grünen-Wähler: nur 27% für Stuttgart 21: Wie stark das Votum pro oder contra Stuttgart 21 von der Parteipräferenz geprägt ist zeigt das Votum der Grünen-Wähler. Denn nur 27% aus dieser Gruppe votiert für Stuttgart 21. Mithin ist davon auszugehen, daß jegliches Stuttgart-21-Votum viel mehr an der jeweiligen Parteipräferenz als an irgendwelchen überzeugenden technisch-wirtschaftlichen Eigenschaften des eigentlichen Projektes orientiert ist. Frei nach dem Motto: "was interessieren uns irgendwelche nervige Wahrheiten? In unserer derzeitigen Demokratie wird schließlich alles über Mehrheiten geregelt!" ________________________________________________________________________________ http://www.focus.de/regional/stuttgart/verkehr-bericht-umfrage-ergibt-erneut-mehrheit-fuer-stuttgart-21_id_4339771.html

herr cronauge: was für eine verdrehung von tatsachen. genausogut könnte man auch sagen: "was interessieren uns irgendwelche nervige wahrheiten? wir sind dagegen, basta!"

>> Verdrehung <<: Wenn unter >> Verdrehung << gemeint ist: etwas zur Zeit irrtümlich auf den Kopf stehendes wieder richtig auf seine Füße zu stellen - dann bekenne ich mich gerne "schuldig" ein permanenter "Tatsachen-Verdreher" zu sein. Bestehende Verdrehungen ständig nur unkritisch abzunicken wäre für mich zu langweilig. Mich interessieren nun mal die außergewöhnlichen / verblüffenden Darstellungen-21, ergo die spannenden Seiten-21.

Die S21-Lobby pfeift aus dem letzten Loch: Trotz massiver Schönrednerei durch die Lohnschreiber des S21-"Kommunikationsbüros" verlässt ein Manager bzw. Bau- oder Projektleiter nach dem anderen das Projekt. Auch Herr Dietrich will gehen, doch es findet sich niemand, der seinen Job übernehmen will. ______ Auch die ehemalige Befürworterschaft steht nicht mehr zu ihrer einstigen, durch massive Medienkampagnen geformte Proler-Meinung. Es gibt fast keine echten Proler mehr. ______ Gerade mal zehn Hansel sind geblieben, die noch verzweifelt für S21 anschreiben - alle sitzen sie bei Herrn Dietrich im Büro. Nimmt man nur die Baden-Württemberger, so kann sich jeder die Rechenaufgabe stellen: wieviele Prozent (besser gesagt: Promille) sind 10 von 10 Millionen? ________ Die Lobbyschreiber haben bis jetzt nur mit leeren Behauptungen und Lügen geglänzt, die Wahrheit geschrieben haben sie nie. Jetzt, wo alle Lügen als solche offenbart worden sind, zieht man sich zurück aufs Beschimpfen und Kleinreden der für den Kopfbahnhof eingestellten breiten Bürgerschaft (siehe Umfragen). ______ Die Beispiele „doppelte Leistungsfähigkeit“ und „mitten im Bau“ zeigen, dass die Lohnschreiber wahrhaftig nichts von der Wahrheit halten. Aber auch darüber wundert sich schon lange niemand mehr.

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