Stuttgart 21 Streit über Azer-Liste vor Gericht beendet

Von mil 

Die juristische Auseinandersetzung um das Papier, in dem der damalige Stuttgart-21-Projektchef Hany Azer im Jahr 2011 Chancen und Risiken zusammengefasst hatte, ist beendet. Nach Angaben des Berliner Verwaltungsgerichts haben die Parteien die Sache für erledigt erklärt.

Im März 2011 fasste der damalige S-21-Projektleister Hany Azer Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Stuttgart 21 zusammen. Foto: Archiv Heinz Heiss
Im März 2011 fasste der damalige S-21-Projektleister Hany Azer Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Stuttgart 21 zusammen.Foto: Archiv Heinz Heiss

Stuttgart - Das Verwaltungsgericht Berlin hat nach Informationen der Stuttgarter Zeitung die Vernehmung von Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer und Stuttgart-21-Chef Manfred Leger abgesagt. Bei dem nun aufgehobenen Verhandlungstermin am Donnerstag kommender Woche wäre es um die Herausgabe der sogenannten Azer-Liste gegangen. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 wollte gerichtlich die Veröffentlichung des Dokuments erwirken. In dem Papier hatte im März 2011 der damalige S-21-Projektleiter Hany Azer 121 Chancen und Risiken bei der Umsetzung des Milliardenprojekts zusammengefasst. Die Bahn hatte die Liste in der vergangenen Woche im Zuge einer Aktualisierung ihrer Projektwebseite in Gänze veröffentlicht. Zuvor waren Auszüge davon bereits an die Öffentlichkeit gelangt. So hatte etwa die projektkritische Vereinigung Ingenieure 22 die Liste einer Prüfung unterzogen und ihr Ergebnis veröffentlicht.

Bahn hatte Nachteile befürchtet

Der Termin habe sich erledigt, „weil der Rechtsstreit in der Hauptsache übereinstimmend für erledigt erklärt worden ist“, heißt es in einem Schreiben des Verwaltungsgerichts in Berlin. Die Bahn hatte sich lange Zeit gegen die Veröffentlichung gewehrt, weil sie Nachteile bei Verhandlungen mit potenziellen Auftragnehmern der Bauarbeiten befürchtete.

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Nur was nebensächliches zum Anhydrit: "Der Tunnel muss schon wieder saniert werden" (StZ, 08.12.2015) - "Schon beim Bau des Tunnels, der zwei etwa 300 Meter lange zweispurige Röhren aus dem Jahr 1937 ersetzte, wurde deshalb versucht, in den Abschnitten dem Anhydrit entgegen zu wirken, die im Engelberg durch dieses problematische Gestein führen." --- Das Problem war also hier bekannt, und man arbeitet dem entgegen und trotzdem. Bei S21 ist das Problem auch bekannt, aber man tut so, als sei es kein Problem. Wenn dann der Fildertunnel nach 15 Jahren renoviert werden muss, dann wird es interessant im Halbtieftunnelschrägbahnhof.

Oje: Och Herr Burghart: Zum Hunderttausendsten mal erklärt: Man kann Tunnel durch Anhydriden Gipskeuper so bauen, dass Wasser eindringen möglich ist, weil das Quellen des Gesteins in Kauf genommen werden kann, und dann am Tunnel alle 15 bis 20 Jahre ein Nacharbeiten nötig wird, (Engelbergtunnel) und man kann Tunnel so bauen, dass kein Nacharbeiten notwendig ist (S-Bahn-Tunnel Schwabstraße-Universität) - Insgesamt eine Kostenfrage - Übrigens, der Engelbergtunnel von dem Sie hier reden ist 1999 fertig gestellt worden, und zwei mal dreispurig!

Man kann: auch vermeidbare Risiken von Vorne herein vermeiden im Bau von Bahnstrecken ( wie die Historie der meisten Strecken in Deutschland seit teils über 100 Jahren lehrt ). Man kann aber nicht erwarten, daß irgendjemand vernünftigerweise eine Nutzungszeitgarantie über ein halbes Jahrhundert für Tunnel gibt, die , egal auf welcher Streckenlänge, durch quellfähiges Gestein gehen. Was beim Bau beherrschbar war, braucht nicht so bleiben, es sei denn, man hält alle Materialien für inert. Oder ist blauäugig(..weil das Quellen des Gesteins in Kauf genommen werden kann" ).Und so vermessen war sicher keiner der Engelberg-Tunnelbauer.

"daß die S21-Kritiker in vielen Punkten richtig lagen", damit sich nicht einer der S21-Befürworter totlacht mal ein paar Dinge. -- Dass die Planungen zum Grundwasser und Grundwassernanagement mangelhaft sind, wurde von den S21-Kritikern gesagt aber ignoriert. Genau das gleiche trifft auf den risikoreichen Untergrund (Doline) im Talgrund zu. Und natürlich das im AZER-Papier mehrfach aufgeführte Risiko der Verspätung der Fertigstellung (Azer ging noch von 2019 aus) wurde immer wieder angemahnt. Auch die Probleme mit dem Brandschutz und der Entrauchung wurden schon während der Schlichtung angesprochen. Aber da die S21-Befürworter und die S21-Verantwortlichen ja immer alles besser wussten und wissen und wissen werden, wurde es einfach ignoriert.

Dokument der Täuschung: Das Acer-Dokument ist Bahninternes Dokument, das belegt, daß die S21-Kritiker in vielen Punkten richtig lagen. Offensichtlich glaubt die Bahn, der Point of no return sei erreicht und die Veröffentlichung daher problemlos. Aber die Geschichte hat oft genug gezeigt : Ein Point-of-no-return gab es nie, gibt es nicht und wird es nie geben - S21: Die Welt lacht über Stuttgart - 10 Mrd für nicht nur meiner Meinung nach Schrott.

daß die S21-Kritiker in vielen Punkten richtig lagen ---: *lol* Mit nichts hatten die Kritiker Recht was diese Liste anbelangt ! -- Wo ist der Inhalt der Liste den für die Bahn und das Projekt so "gefährlich" das zum einen die Verträge urechtsmässig werden ,oder die Projektverantwortlichen mit Klagen wegen Betrugs u.ä. rechnen müssen ,oder wo steht da drin das S 21 nicht umsetzbar wäre ? --- Das und mehr, verehrter Herr Dettman ,haben die Gegern doch seit dem Weggang von Herr Azer ständig behauptet und auch als Grund des Ausscheiden des Herr Azer benannt ,da er angeblich nicht mehr an die Verwirklichung des Projektes glaubte ..... Das ihr Gegner ein Kurzzeitgedächtnis habt ist bekannt , aber der Verlust des Realitätssinnes schlägt so langsam massiver durch !

Beleg: Och Herr Dettmann: Was außer der Aussage, dass Sie richtig gelegen wären, ist denn jetzt so zwingend für einen Baustopp? - Keines dieser Risiken - Echt schade für Sie!

Zu den Einzelheiten der Liste: Alle notwendigen Lösungen werden erarbeitet, in den letzten Jahrzehnten wurden hier bei uns im " Schwabenland " , bereits wesentlich anspruchsvollere Dinge verwirklicht :-) Freilich, - eine derart komplexe Sache wie unser Stuttgart 21, war da noch nicht dabei. - - - Deßhalb gilt hier unverändert, daß im Laufe des Baus, alle notwendigen Änderungen noch folgen werden. - - - Ein Blick in die Vergangenheit von Stuttgart, ist hier BESTIMMT hilfreich. - - - Die einzige Begrenzung liegt hier im technisch machbaren.

Ooooh Herr Steinert, es gibt also bei Ihnen doch plötzlich eine "Begrenzung". -- Wobei ich noch eine ganz andere Begrenzung sehe. Die Kosten. Seit 12.2012 gab es KEINE Kostenakualisierung, die DBahn weiß wahrscheinlich auch warum sie keine macht. Es sollen Kosten in Höhe von ~10 Mrd Euro im Gespräch sein. Sicher ist, dass die aktuellen 6,5 Mrd Euro definitiv NICHT reichen werden. Aber vielleicht denkt man mittlerweile auch schon so, da die DBahn sowieso schon Verluste schreibt kommt es auf die paar Millarden von S21 auch nicht mehr drauf an.

Alle notwendigen Lösungen werden erarbeitet: in den letzten Jahrzehnten wurden hier bei uns im " Schwabenland " , bereits wesentlich anspruchsvollere Dinge verwirklicht :-) Freilich, - eine derart komplexe Sache wie unser Stuttgart 21, war da noch nicht dabei. - - - Deßhalb gilt hier unverändert, daß im Laufe des Baus, alle notwendigen Änderungen noch folgen werden. - - - Ein Blick in die Vergangenheit von Stuttgart, ist hier BESTIMMT hilfreich. - - - Die einzige Begrenzung liegt hier im technisch machbaren.

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