Stuttgart 21 Technikgebäude wächst im Untergrund

Von Markus Heffner 

Das Technikgebäude am Nordeingang des Stuttgarter Hauptbahnhofs zu bauen ist technisch schon anspruchsvoll genug. Nach der Insolvenz der Firma Kellerbau muss der zweite Partnerbetrieb den Auftrag alleine vollenden – und nun auch noch Grundwasser abpumpen.

Die Grube fürs Technikgebäude vor dem ehemaligen Nordeingang. Foto: factum/Granvile 25 Bilder
Die Grube fürs Technikgebäude vor dem ehemaligen Nordeingang.Foto: factum/Granvile

Stuttgart - Mitte März hatte die Deutsche Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 den Auftrag für das Technikgebäude unter dem Kurt-Georg-Kiesinger Platz an zwei Firmen vergeben – eine davon, das Bauunternehmen Kellerbau aus Süßen, musste in der vergangenen Woche beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz anmelden.

Nach einigen Verhandlungen in den vergangenen Tagen konnte nun zwischenzeitlich laut Bahn geklärt werden, wie die Arbeiten an dem Zweckbau fortgeführt werden sollen: Der zweite Teil der ehemaligen Arbeitsgemeinschaft, die Firma Fischer aus Weilheim/Teck, wird das unterirdische Bauwerk alleine vollenden, sagt der Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. Die Firma Kellerbau werde als Gesellschafter aus der Arbeitsgemeinschaft einvernehmlich aussteigen.

Mobile Anlage hält die Baugrube trocken

Gleichzeitig sind die Bagger bei den Tiefarbeiten, mit denen im April begonnen wurde, vor Kurzem auf Grundwasser ge­stoßen. Dieses soll nun laut Projektsprecher Dietrich mit einer mobilen Wasserrei­nigungsanlage abgepumpt und wieder infiltriert werden, um den Rohbau im Trockenen ausführen zu können. Diese Maßnahme, der Einsatz einer mobilen Was­seranlage, ist Mitte Juni auf Antrag der Bahn von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Stuttgart genehmigt worden.

Das Fundament des zweigeschossigen Gebäudes liegt etwa auf Höhe des Grundwasserspiegels in diesem Bereich. Die Ingenieure der Bahn hatten bei der Planung daher nicht ausgeschlossen, beim Bau des Technikgebäudes ganz ohne Pumpanlage und Wassermanagement auskommen zu können.

Für den Zweckbau wurde der Nordflügel abgerissen

Die Arbeiten am Rohbau, mit denen laut Dietrich nach dem Ausheben der Grube nun in Kürze begonnen wird, sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Um Platz für den Zweckbau zu schaffen, in dem unter anderem die Leit- und Sicherheitstechnik für die S-Bahn-Station, den neuen Tiefbahnhof im Bereich des Mittleren Schlossgartens und Teile des Bonatz-Baus untergebracht wird, hatte die Bahn von Juni 2010 zunächst den Nordflügel des Hauptbahnhofs abgerissen.

Zudem mussten im Bereich des Kurt-Georg-Kiesinger-Platzes etliche Bäume ausgegraben und verpflanzt werden. Mitte April dieses Jahres musste zudem der ehemalige Nordeingang des Hauptbahnhofs gesperrt und Richtung Pariser Platz verlegt werden. Der einzige barrierefreie Zugang führt seitdem über die Fläche des ehemaligen Nordflügels und den Bahnsteig 1 in den Bahnhof.

Projektgegner hatten in diesem Zusammenhang die aus ihrer Sicht stark verlängerten Wegeführung kritisiert. Darüber hinaus musste für die Arbeiten auch deren Mahnwache ihren angestammten Platz neben dem Nordeingang räumen. Sie steht seitdem auf der Königstraße schräg gegenüber vom Stuttgarter i-Punkt.

Bauvorhaben gilt als technisch anspruchsvoll

Vor der Auftragsvergabe an die Firmen Fischer und Kellerbau hatte bereits die Stuttgarter Firma Wolff & Müller im Mai 2010 den Zuschlag für den Bau des Technikgebäudes erhalten. Das Unternehmen hatte den Auftrag aber ohne weitere Nennung von Gründen wieder zurückgegeben. Die Bahn hatte den Auftrag daher im Dezember 2011 erneut ausgeschrieben und neu vergeben müssen.

Spekuliert wurde unter anderem darüber, ob Wolff & Müller das Risiko für den Bau des Technikgebäudes zu groß war, das sich direkt an die Nordseite des Bahnhofs anschließt und in der Tiefe etliche Meter unter den Hauptbahnhof ragt. Die bautechnischen Herausforderungen, die sich dabei ergeben, gelten als anspruchsvoll. So müssen der Hauptbahnhof und dessen Fundamente während der Bauarbeiten teilweise abgestützt werden, um die Stabilität des denkmalgeschützten Bauwerks zu gewährleisten.

Einen Zusammenhang der Insolvenz von Kellerbau mit diesen baulichen Herausforderungen, die in Kreisen der Projektgegner in Internetforen immer wieder diskutiert wird, schließt die Deutsche Bahn aber aus.

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92 KommentareKommentar schreiben

@ingo u: Die Klimaanlagen funktionieren perfekt. Die Bahn hat diese bestellt und im Lastenheft müssen dies bis 32Grad Celsius gehen. Darüber schützt sich diese selbst. Der Zulieferer stellt auch Supertrucks her und beliefert die Luftfahrt. Der kann was. In Rußland läuft ein neuer ICE3 von Siemens . Der wurde mit anderem Lastenheft bestellt. Klima geht! Die Bahn hat also nicht nur keinen Klimatechniker für diesen Fall sondern ebensfalls eine kundenfeindliche sharehouldervalue-Strategie. Die gleiche sharehoulder-Kacke wiederholt sich vermutlich im ICx. Die Schweizer Bahnen geben pro Sitzplatz bei der neuesten Zugbestellung deutlich mehr aus als die DB. Der Bahnlärm hat i.d.R. den gleichen Ursprung , nämlich billige Bremsbeläge (Sohlen) . Wobei letztendlich nicht der Belag , sondern die Investitionsstrategie ursächlich ist.

@Klartext: So ist es. Vielen Dank für diese für Ihre Verhältnisse ungewohnt klare Darstellung der Fakten.

Problemkind S21: S21 kann nicht gebaut werden. Es ist ein Phantomprojekt.=============Nicht geplant, nicht genehmigt und nicht finanziert.

@ Ingo U.: 'Ich weise freundlich aber bestimmt darauf hin, dass die Klimanalagentechniker in der Regel keine Baugruben ausheben, das nennt man dann Bauingenieure oder Geotechniker etc. Nur so nebenbei.' _____________________________________________________ Können Sie gerne machen, aber ich weise darauf hin, dass beide für die DB AG arbeiten. Die können weder das eine noch das andere, z.B. war der Lehrter Bahnhof in Berlin mit 700 Mio EUR Kosten geplant (Planfeststellungsbeschluss :12. September 1995) und wurde offiziell am 28.05.2006 eröffnet und siehe Artikel in der Berliner Morgenpost er hat bis 25.10.2010 noch nicht alle 'Kinderkrankheiten' hinter sich udn hat kosten i.H.v. 1,2 Mia EUR verschlungen (http://www.morgenpost.de/berlin/article1313722/Der-Berliner-Problem-Bahnhof-feiert-Jubilaeum.html). Sie sehen also, die Bahn kann weder noch, aber die Sache mit den Klimaanlagen ist so schön aktuell und jeder, der mal in so einem ICE geschwitzt hat, kann bei der Sorge um die Fähigkeiten der DB AG in Sachen S 21 im wahrsten Sinne des Wortes mitfühlen, während der Berliner Hauptbahnhof seeeeehr weit weg ist. In diesem Sinne, warum sollte es in der Provinz gut laufen, wenn die DB AG es nicht einmal in der Hauptsatd hinbekommt, obwohl da fast die ganze Welt hinschaut?

Aha. Klimaanlagen sprechen gegen Stuttgart 21: Wieder mal ein treffendster Super-Vergleich. Weil ein paar Klimaanlagen im ICE nicht funktionieren, wird geschlossen, dass die Bahn auch nicht eine simple Baugrube für ein komplexes Technikgebäude beherrschen können wird (Futur - ist ja nur 'Befürchtung' oder 'Prophetie', also Eventualität). Ich weise freundlich aber bestimmt darauf hin, dass die Klimanalagentechniker in der Regel keine Baugruben ausheben, das nennt man dann Bauingenieure oder Geotechniker etc. Nur so nebenbei.

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