Stuttgart 21 und der Hauptbahnhof Historiker kritisieren Abriss-Urteil
dpa, vom 08.07.2010 07:48 Uhr
Stuttgart - Die Kritik am milliardenschweren Bahnprojekt Stuttgart 21 reißt nicht ab. 75 Kunst- und Architekturhistoriker sowie Denkmalpfleger protestieren gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart - es hatte im Mai zugunsten des geplanten Abrisses der Seitenflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs entschieden. Die Richter wiesen dabei eine Klage des Enkels des Bahnhof-Architekten, Peter Dübbers, zurück. Dübbers legte anschließend Berufung ein. Er wehrt sich auf Basis seiner ererbten Urheberrechte gegen die "Amputation" des Bauwerks seines Großvaters Paul Bonatz.
Für Stuttgart 21 soll der bisherige Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt und mit der Schnellbahnstrecke nach Ulm verbunden werden.
Die 75 Historiker protestieren gegen das Urteil, weil es ohne Hinzuziehung von Sachverständigen gefällt worden sei und "in der Urteilsbegründung schwerwiegende Bewertungsfehler unterlaufen" seien, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben. Sie forderten die verantwortlichen Politiker auf, den Abbruch der Seitenflügel zu verhindern und das Kulturdenkmal als Ganzes zu erhalten.
Das Landgericht hatte argumentiert, wesentliche Teile des Gebäudes blieben trotz des Verlustes der Seitenflügel erhalten. Das Interesse des Urhebers müsse hinter den Modernisierungsinteressen des Eigentümers Deutsche Bahn zurücktreten. Zudem liege der Entscheidung ein langjähriges Planungsverfahren zugrunde, wobei städtebauliche, verkehrstechnische und finanzielle Gesichtspunkte berücksichtigt und alle betroffenen öffentlichen Träger eingebunden worden seien.