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Stuttgart 21 und die Politik Blick auf die OB-Wahl 2012

Thomas Borgman, vom 08.09.2010 14:02 Uhr
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Aus CDU-Kreisen hat sich Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann ins Gespräch gebracht. Foto: Zweygarth
Aus CDU-Kreisen hat sich Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann ins Gespräch gebracht. Foto: Zweygarth
""Die OB-Wahl ist für uns mindestens so wichtig wie die Landtagswahl.""
Ein Ungenannter aus der Stuttgarter Parteienlandschaft

Stuttgart - Wer den Tiger reitet, der darf nicht absteigen. Nach diesem Motto wird in Stuttgart seit Wochen Politik gemacht. Die Landtagswahl am 27.März lässt grüßen. Die Grünen, die einen historischen Erfolg für sich wittern, setzen knallhart auf ihr Nein gegen Stuttgart21 - die CDU, aufgeschreckt durch die jüngsten, für sie desaströsen Umfragen, suchen fieberhaft nach Wegen, ihr politisches Ansehen zurückzugewinnen. In der SPD liefern sich Befürworter und Gegner des Milliardenprojekts eine kuriose Debatte zwischen Ja und Nein - auch sie fürchten die Landtagswahl. Aber nicht nur die: im Herbst 2012 steht die nächste OB-Wahl an, und in allen politischen Lagern schielt man bereits auf diesen Volksentscheid.

Wolfgang Schuster, der Amtsinhaber seit 1997, ist angeschlagen. Gerade erst hat der OB seinen 61. Geburtstag gefeiert - sein persönliches Ansehen in der Bürgerschaft ist auf einem Tiefpunkt. Dünnhäutig und leicht verletzlich, tut sich Schuster schwer, mit den Schmähungen seiner Gegner umzugehen. Als Letzter der S21-Befürworter hat er einem Dialog mit denen, die das Bahnprojekt strikt ablehnen, zugestimmt. Wolfgang Schuster sagt immer wieder: "Ob ich mich um eine dritte Amtszeit bewerbe, gebe ich am 7. Januar 2012 bekannt - keinen Tag vorher." Doch Manfred Rommels politischer Ziehsohn weiß genau, dass seine Zeit im größten Rathaus des Landes 2012 zu Ende geht - er besitzt keine Siegchancen mehr, seine erneute Kandidatur würde die CDU in eine interne Zerreißprobe führen.

Aber wer, wenn nicht er? Seit 1945 hat Stuttgart erst drei Oberbürgermeister gehabt - nicht zuletzt durch Stuttgart 21 stehen die Christdemokraten jetzt zum ersten Male vor dem Problem, einen Kandidaten nominieren zu müssen, der dazu bereit ist, eine Niederlage einzukalkulieren und diese politisch wie persönlich einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Michael Föll, der CDU-Kreisvorsitzende, hat zumindest schon in die grobe Richtung gewiesen: "Aus dem Rathaus heraus ist eine OB-Wahl nicht zu gewinnen." Das schließt seine eigenen Ambitionen, die man ihm lange nachgesagt hat, aus. Noch sieht der 46-Jährige seine Zukunft im Rathaus - ob das so bleibt, erscheint nicht sicher.

Die CDU-Kulturbürgermeisterin gibt sich zurückhaltend


In der vergangenen Woche hat sich Susanne Eisenmann deutlich ins Gespräch gebracht. Die 45-jährige, früher Bürochefin von Günther Oettinger und seit 2005 Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, empfahl als Erste in der CDU dringend einen zeitlich begrenzten Baustopp, um der Konfrontation bei Stuttgart 21 gegenzusteuern. "Wir brauchen den Dialog, dazu sind auch Gesten und Symbole notwendig", sagte sie in Absprache mit ihrem Parteifreund Martin Schairer, dem Ordnungsbürgermeister. Und ihre Ambitionen auf die Schuster-Nachfolge: "Ich habe diesen Vorstoß aus Überzeugung unternommen - ohne jeden persönlichen Hintergedanken", beteuert Susanne Eisenmann. Stuttgart habe bekanntlich einen OB - und die Lage ihrer Partei zwinge, gerade im Blick auf die Landtagswahl, zu einer kritischen und selbstkritischen internen Debatte. Mit der OB-Wahl habe das nichts zu tun.

Hört man in die Kreis-CDU hinein, so werden in Sachen OB-Wahl etwa der Fellbacher Rathauschef Christoph Palm oder auch der parteilose Ludwigsburger Amtschef Werner Spec genannt. Allerdings: der 44-jährige Palm hat schon vor geraumer Zeit strikt abgewunken, der Ludwigsburger OB wäre 2012 immerhin 54 Jahre alt - er sitzt seit 2009 auf einem Ticket der CDU im Regionalparlament.

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Kommentare (9)
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SEP
09
09:34 Uhr, geschrieben von Rainer Daeschler
Auf dem Tiger sitzend und dem Amtssitz klebend
Genau genommen heißt das chinesische Sprichwort 騎虎難下 qi hu nan xia: "Wer den Tiger reitet kann nur schwer absteigen". Also so ganz ausgeschlossen ist es nicht - nur unangenehm. Sich erst erst am 7 Januar 2012 zu erklären, ist viel zu spät. Eine weitere Kandidatur von Wolfgang Schuster ist illusorisch. Er würde seiner Partei aber einen großen Gefallen tun, wenn er sich jetzt entscheiden könnte. Die muss einen potentiellen Nachfolger jetzt aufbauen, wenn sie das Amt nicht an die Grünen abgeben will. Der Kronprinz Michael Föll ist durch den Skandal um seinen Beiratssitz bei einer in Stuttgart 21 involvierten Baufirma so angeschlagen, dass er lieber Funkstille hält und nicht die Gunst der Stunde nutzen konnte, sich in Szene zu setzen, als der OB in Chile weilte und es am Nordflügel anfing hoch herzugehen. Susanne Eisenmann und Martin Schairer sind bisher nicht unangenehm aufgefallen, müssten aber jetzt anfangen sich zu profilieren. Doch momentan würden sie die Rolle von Usurpatoren einnehmen. Auf den Griff nach den Thron würde Schuster so unwillig reagieren , wie einst Erwin Teufel als Günther Oettinger Anstalten unternahm. Wolfgang Schuster gibt sich nicht nur auf den Tiger sitzend, sondern auch auf dem dem Amtssessel des OB, eher klebend und auf unbestimmte Zeit.
SEP
08
22:59 Uhr, geschrieben von wowe
Tiger ? -Nein ! totes Pferd !
Statt dem Anfangssatz vom Tiger sollte Schuster besser mal nach unten schauen, ob er nicht ein totes Pferd reitet. Nach alter Indianerweisheit sollte man spätestens dann vom Pferd steigen, wenn man merkt, dass es tot ist. Der Gaul hat noch nie gelebt, nur haben das bis heute Schuster, Drexler und Grube nicht wissen wollen. Schon vor Wochen habe ich die vorsichtige Relativierung unseres sonst so wortgewaltigen MP Mappus als Anfang einer Absetzbewegung interpretiert. Der Mann ist vielleicht kein Sympath, aber doof ist er nicht. Schadenfreude habe ich nicht, aber ich empfinde langsam Genugtuung, dass der Beschiss endlich auf den Tisch kommt. Aber dranbleiben Leute, noch ist es nicht gewonnen. Der bisherige Abriss des Nordflügels war vom Bauzeitenplan völlig sinnlos, weil verfrüht. Die Zurückverlegung der Bahnsteige ist soweit im Zeitplan hintendran, dass das auch noch 2011 gereicht hätte, aber man wollte ja trotzig Macht demonstrieren. Seis drum, auch wenn die Steine nicht aufbewahrt wurden, sondern in Misch-Schutt-Containern entsorgt wurden, man kann das wieder aufbauen. Sollte aber ab heute noch irgendeiner der Großkopfeten auf die Idee kommen, die ersten Bäume unnötigerweise, weil viel zu früh, zu fällen, dann ist wohl Feuer unterm Dach ! Vielleicht fehlt unseren Oberschlauen schlicht die Vorstellungskraft, was dann abgeht. Ich hoffe für alle Beteiligten, gerade auch für die Polizei, die gezwungenermaßen einen solchen Schwachsinn durchsetzen muss, dass es nicht dazu kommt.
SEP
08
21:44 Uhr, geschrieben von Steff
Ich
...freu mich schon auf die Volksfest-Eröffnung 2010. Das wird ne "lustige Runde" beim Fassanstich! Mit Sicherheit wieder eine...hinter verschlossenen Türen! Das Hofbräu-Zelt als Sperrzone. Einmalig in der Wasen-Geschichte! Aber was hat dieser OB auf einem VOLKSfest zu suchen? Eigentlich gar nix!
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