Stuttgart 21 Virtuelle Einblicke in den neuen Bahnhof

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Der Projektverein lädt Anfang Januar auf die Baustelle von Stuttgart 21 ein und stellt ein begehbares Computermodell des sanierten Bonatzbaus und des Durchgangsbahnhofs vor.

Wer einen Blick in den Bahnhof der Zukunft werfen, braucht noch allerhand technisches Equipment. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 4 Bilder
Wer einen Blick in den Bahnhof der Zukunft werfen, braucht noch allerhand technisches Equipment.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Bis die ersten Fahrgäste und Passanten durch den sanierten Bonatzbau und den davor liegenden Durchgangsbahnhof von Stuttgart 21 wandeln können, geht noch einige Zeit ins Land. Die Bahn ist zuversichtlich, den Halt 2021 in Betrieb nehmen zu können, Kritiker halten diese Annahme für viel zu optimistisch. Wie sich die Station ihren Gästen präsentieren wird, zeigt der Projektverein nun mit modernster Technik. Ein sogenanntes Holodeck macht den zukünftigen Bahnhof begehbar. Diese Technologie wird bei Tagen der offenen Baustelle vom 4. bis zum 6. Januar eingesetzt

Das Land bezuschusst den Projektverein wieder

Besucher bekommen für den Blick in die Zukunft eine sogenannte Virtual-Reality-Brille aufgesetzt. Vereinfacht ausgedrückt, werden ihnen zwei Minibildschirme vor die Augen gespannt. Das neuartige daran: Diese Brillen kommen ohne Verkabelung aus. Ihr Träger kann sich auf einem fünf mal fünf Meter großen Feld bewegen und dabei den neuen Bahnhof durchschreiten. „Das ist einmalig, dass ein Bauprojekt diese Technik einsetzt“, sagte Vereinschef Georg Brunnhuber bei der Präsentation am Dienstag im Turmforum.

Bereitgestellt wird die Technologie von der in Vaihingen ansässigen Firma light-shape, die sie ansonsten vor allem bei Firmen des Maschinen- und Automobilbaus zum Einsatz bringt. Geschäftsführer Robin Wenk lobte die Innovationsfreude des Projektvereins, sich bei der Vermittlung der Inhalte der neuen Technologie zu bedienen. Dieser sagt Wenk eine große Zukunft voraus. „In ein paar Jahren wird das in der Arbeitswelt genauso wenig weg zu denken sein, wie es heute das Internet ist.“

Die Ausstellung im Bahnhofsturm ist das Hauptbetätigungsfeld des Projektvereins, seit die Kommunikationsarbeit im Februar dieses Jahres an die DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) übergeben wurde. Seit diesem Datum hat das Land seine seit dem Regierungswechsel ruhende Mitgliedschaft wieder in eine aktive gewandelt. Zum Ausdruck kommt das unter anderem dadurch, dass das Land im zu Ende gehenden Jahr 600 000 Euro in die Vereinskasse bezahlt hat, die Stadt hat zusätzliche 300 000 Euro beigesteuert. Den Löwenanteil bringt die PSU mit 2,5 Millionen Euro auf. Auch personell beteiligt sich das Land wieder stärker. In Ministerialdirigent Elmar Steinbacher sitzt ein Vertreter des Landesverkehrsministeriums im Vorstand des Vereins. Die Stadt entsendet Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) in das Gremium. „Im Vorstand wird in großer Harmonie zusammengearbeitet“, lobt Brunnhuber das Miteinander. Die Kooperation habe zu einer „erheblichen Entspannung in der öffentlichen Diskussion“ geführt, konstatiert er.

Das Interesse an der Schau im Bahnhofsturm scheint ungebrochen. Rund 245 000 Besucher hat der Verein 2015 gezählt. Bei 859 Führungen wurden den Gästen die Exponate in der Ausstellung nahe gebracht. 468 Mal wurden Besucher über die Baustellen geführt. Die Termine für 2016 sind ausgebucht, Brunnhuber konnte den Baufirmen allerdings weitere Zeitfenster abhandeln, in denen Interessierte die Baustellen besuchen können. Da der Bonatzbau saniert wird, sind die Tage des Turmforums gezählt. Bis Ende 2017 kann der Verein dort noch für das Projekt werben. Dann muss die Ausstellung in einen Pavillon umziehen, dessen Standort noch gesucht wird. Gut möglich, dass die Schaubilder zu den städtebaulichen Chancen des Vorhabens dann nicht mehr Teil der Schau sind. Die Stadt denke im Zuge des Bürgerbeteiligungsprozesses zum Rosensteinviertel darüber nach, eine eigene Ausstellung zu entwerfen, so Brunnhuber. Die Stadt relativiert. „Es ist uns wichtig, dass der städtebauliche Aspekt auch künftig ordentlich gezeigt wird“, so Stadtsprecher Sven Matis.