Stuttgart 21 Vorerst kein zweiter Test im Wasserstreit

Von T. Durchdenwald und S. Schmierer 

Die Bahn will das Wasser in den blauen Rohren nicht von der Landesanstalt prüfen lassen. Mit der Ankündigung stellt sich die Bahn gegen einen Vorstoß von Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne).

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz als zusätzliche Kontrollinstanz ins Gespräch gebracht. Foto: dpa
Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz als zusätzliche Kontrollinstanz ins Gespräch gebracht.Foto: dpa

Stuttgart - Im Streit um die Belastung des in den Untergrund zurückgepumpten Grundwassers in den blauen Rohren will die Bahn vorerst keinen Prüfauftrag an die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) vergeben. Das teilte eine Projektsprecherin am Montag auf Nachfrage mit. Erst im Oktober soll erneut über den Umfang der notwendigen Qualitätskontrollen diskutiert werden. Mit der Ankündigung stellt sich die Bahn gegen einen Vorstoß von Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne), der die landeseigene Prüfbehörde als zusätzliche Kontrollinstanz ins Gespräch gebracht hatte.

Auf Anordnung des Eisenbahn-Bundesamts lässt die Bahn derzeit das im Rahmen des Grundwassermanagements in Infiltrationsbrunnen geleitete Wasser durch ein unabhängiges Prüflabor auf Eisenwerte untersuchen. Aus Sicht der Bahn sind die Messungen unauffällig. „Die Bahn sieht in den zusätzlichen Laborwerten all ihre bisherigen Messergebnisse bestätigt. In keinem Fall wurde eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung.

Erlaubt ist ein Grenzwert von 20 Milligramm

Neben der bis Oktober laufenden zusätzlichen Qualitätskontrolle solle es keine ergänzenden Messungen geben. Auf den Untersteller-Vorstoß reagiert die Projektsprecherin verhalten: „Nach Abschluss der Testreihe wird die Bahn prüfen, ob zusätzliche Messungen sinnvoll sind“, sagt sie. Betont wird, dass eine endgültige Entscheidung über die Einschaltung einer ergänzenden Kontrollinstanz vom Eisenbahn-Bundesamt getroffen werden müsse.

Auslöser für den Streit um den Rost in den Rohren war eine im Mai entdeckte, aber unter Verschluss gehaltene Probe mit einem Anteil an feinen Partikeln von 22 Milligramm pro Liter. Erlaubt ist ein Grenzwert von 20 Milligramm. Im Juni war bei einem durch einen Lkw-Unfall verursachten Rohrabriss offenbar deutlich verfärbtes Wasser ausgetreten.

Die S-21-kritischen Ingenieure 22 sehen in der vermuteten Korrosion der Rohre eine Gefährdung des Grundwassers und der Mineralwasserschicht. Wegen des Verdachts auf ein Umweltdelikt haben sie eine Strafanzeige gegen die Bahn als Bauherrn, das Institut Hölscher, das städtische Amt für Umweltschutz und das Eisenbahn-Bundesamt gestellt. Im Raum steht der Vorwurf, dass die Rohrleitungen vor einer Probeentnahme fast eine Stunde lang gespült würden, um angeblich ein besseres Ergebnis bei der Messung zu erhalten.

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69 Kommentare Kommentar schreiben

Eigentor: Zum einen ist nun klar nachgewiesen, dass die angeblichen Proben der Gegner, die weder von einem unabhängigen Institut noch unter Kontrolle – bestenfalls illegal – gezogen wurden, nicht der Realität entsprechen._____________ Zum anderen ist klar nachgewiesen, dass die bisher im Auftrag der Bahn bzw. des EBA gezogenen Proben absolut in Ordnung sind. ___________ Bezeichnend ist der Klops des Umweltministeriums. Da wagt es Herr Untersteller (Land), dem Amt für Umweltschutz (Stadt) vorzuwerfen, sie wären nicht „unabhängig“. Er ist offenbar zu unbedarft, um zu bemerken, dass die Proben nicht nur von einem unabhängigen Institut entnommen werden sondern auch unter Kontrolle des Städtischen AfU. Er ist also seinen Kollegen von der Stadt voll ans Knie getreten.__________ Nun beharken sich also Land und Stadt. Dabei macht Untersteller die gewohnt schlechte Figur, wie wir das aus den Reihen der Grünen gewöhnt sind.

Kritischer: Lieber Herr Notter! " es können aber genau so gut 5 Minuten sein, denn die Fahrtzeit der S-Bahn dieser Strecke ist 11 Minuten und nicht 8-9 Minuten" Sie irren, denn es zählt hier nur die reale Fahrzeit auf der tatsächlichen Mischstrecke, die erst bei der Zusammenführung der Rohrer Kurve beginnt und an der Weiche im Flughafentunnel endet. Nicht Bahnhof Rohr - Bahnhof Terminal lt Fahrplan, wie Sie unterstellen. Und nein, es ist nicht möglich, dass eine S-Bahn hierbei 5 Minuten Verspätung fängt. ______________________________________________________ "was ist denn, wenn zB. wegen Verspätungen (Die ja heutzutage an der Tagesordnung sind) eines Regionalzuges die S-Bahn warten muss und kurz danach ein ICE erwartet wird, dann wird die S-Bahn noch deutlich länger warten müssen" Das kann nicht passieren, da ICE und RE vor Böblingen auf getrennten Fahrplantrassen fahren müssen und deshalb nicht direkt hintereinander in Rohr eintreffen. Da es ohnehin nur 2 RE/ICE pro Stunde und Richtung geben wird, ist das auch ein Fall, der so selten auftritt, dass er nicht weiter betrachtet werden muss. ______________________________________________________ "der Filderbahnhof ist ein kropfunnötiger Engpass, der nur Schwierigkeiten erzeugen wird und keinerlei Vorteile aufbieten kann." Was hat denn der Filderbahnhof damit zu tun? Der hat doch gar keine Verbindung zur S-Bahn-Strecke. Ich glaube, Sie haben sich nicht so richtig informiert über das Projekt. _______________________________________________________ "Die Behauptung, dass der Kopfbahnhof die Ursache für die Verspätungen ist, stimmt natürlich auch nicht, die S-Bahnen waren pünktlich, bis die Bahn wegen dem planerischen Missgriff S21 das Gleisvorfeld unfachmännisch umgebaut hat" Das stimmt nicht, bedingt durch den Mischverkehr auf den Cannstatter Gleisen im 2,5-Minuten-Takt, der ca. seit 2000 in dieser Intensität betrieben wird, ist die S-Bahn tendenziell verspätungsgefährdet. Und daran haben auch die S21-Bauarbeiten nichts geändert. Man führe sich einmal vor Augen, dass hier Mischverkehr RE/S-Bahn mit 18 Zügen stündlich stattfindet und teils durchgehendem 2,5-Minuten-takt, also absolut kritisch am Limit, während auf der Filderstrecke nur 5-6 Züge mit 10 Minuten Abstand geplant sind. Also völlig unproblematisch.

Norbert Blüm: Das Wasser ist sicher! Wo er Recht hat er Recht.

Gregor Herrmann, 16:11 Uhr: Mischverkehr ist also besser als kein Mischverkehr... das wollen Sie uns doch hier verkaufen. Alleine die Tatsache, dass auch Sie massive Nöte haben, diesen Blödsinn zu erklären, belegt, dass geplanter S21 Schwachsinn ist.

Knut Kruse, 18:55 Uhr Anfangsverdacht von Umweltstraftaten ( also mehrere!) entkräftet sei: um diesem Thema endgültig ein Ende zu bereiten, anbei der Text eines Herrn Königs ++++ Zitat: Hans Koenig, 13:34 Uhr Wenn irgendwelche Umweltstraftaten im Raum ständen, Zitat Ende++++ Hiermit ist erneut bewiesen, dass die Kommentare von Ihnen nicht richtig gelesen werden. Von UmweltstrafTATEN - also die Mehrzahl - wie Sie fälschlicherweise mir vorwerfen, wurde nie erwähnt. Vielleicht kann ein Herr König dabei weiterhelfen. Trotzdem ein schönes Wochenende!

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