Stuttgart 21 Wartungsbahnhof bleibt vorerst im Park

Von Jörg Nauke 

Der Umzug des Wartungsbahnhofs vom Stuttgarter Rosensteinpark nach Tübingen ist verschoben, der Neubau auch. Der Verkehrsminister und Tübingens OB wissen nichts davon. Und Tübinger Kleingärtner ärgern sich.

Der  Wartungsbahnhof  im Stuttgarter Rosensteinpark wird noch gebraucht. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir die Stellen, an denen in Stuttgart aktuell für Stuttgart 21 gebaut wird. Foto: Archivbild/Steinert 28 Bilder
Der Wartungsbahnhof im Stuttgarter Rosensteinpark wird noch gebraucht. In der folgenden Bilderstrecke zeigen wir die Stellen, an denen in Stuttgart aktuell für Stuttgart 21 gebaut wird.Foto: Archivbild/Steinert

Stuttgart - Der Wartungsbahnhof im Rosensteinpark wird nun doch nicht zum Jahresende aufgegeben. Damit verschiebt sich auch der Bau der neuen Anlage in Tübingen. Mit dieser Botschaft ist die Belegschaft des zur DB Regio gehörenden Verkehrsbetriebs Baden-Württemberg konfrontiert worden, der nach eigenen Angaben den Nahverkehr „von Stuttgart aus an Neckar, Rhein, Donau, Tauber und Bodensee“ verantwortet.

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 basiert bekanntlich auf sogenannten Durchmesserlinien im Regionalverkehr. Der bisherige Plan sieht vor, die in der Nebenzeit nicht benötigten Züge nicht mehr – wie in Kopfbahnhofzeiten – auf kurzem Schienenweg zentral in den Wartungs- und Abstellbahnhof im Rosensteinpark zu führen, sie dort zu reparieren und zu reinigen. Sie sollen stattdessen das Werk in Ulm anfahren, das bereits ein Drittel der bisher in Stuttgart beschäftigten Verkehrsbetriebsarbeiter aufgenommen hat, und irgendwann das noch zu bauende in Tübingen. Zudem ist in Untertürkheim ein Abstellbahnhof sowie eine Reinigungs- und Wartungsanlage für kleinere Schäden geplant.

Mitarbeiter sagen, man habe ihnen gegenüber die Verschiebung damit begründet, dass die Flächen, auf denen sich die Werkstätten Rosenstein und Stadtpark befinden, doch nicht für die Baulogistik des Tunnelbaus zwischen der Cannstatter Neckarbrücke und dem Tiefbahnhof benötigt würden; bekanntlich hat die Bahn von einer offenen auf die unterirdische Bauweise umgestellt.

Unklarheit über künftige Verteilung der Verkehrsleistungen

Grund dafür sei in erster Linie aber die Unklarheit über die künftige Verteilung der Verkehrsleistungen im Land. Konkret: die Bahn weiß nicht, ob sie in Zukunft überhaupt noch in den Genuss kommt, Züge nach Tübingen fahren und dort warten zu lassen. Denn der Aufgabenträger in Baden-Württemberg, die Nahverkehrsgesellschaft NVBW, dem die DB Regio „stets ein verlässlicher Partner“ sei, schaut sich derzeit nach anderen Partnern um.

Der umstrittene Große Verkehrsvertrag von 2002, in dem Kritiker wie der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann und sein Parteifreund, Tübingens OB Boris Palmer, schon immer Subventionen für Stuttgart 21 versteckt sahen, läuft 2016 aus. Das Landesverkehrsministerium hat die neue Ausschreibung der Nahverkehrsleistungen auf den Schienenstrecken in der Region Stuttgart auf den Weg gebracht. Ziel sei „angesichts knapper Finanzmittel eine deutliche Stärkung des Wettbewerbs im Schienenpersonennahverkehr“. Durch die Ausschreibung sei mit günstigeren Konditionen zu rechnen.

Die Bahn selbst hat dagegen auf StZ-Anfrage einen Zusammenhang zwischen der Verschiebung des Umzugs und der Unsicherheit im Zuge der Vergabe der Verkehrsleistungen bestritten und lapidar festgestellt, es sei eben noch nichts beschlossen. Der bisherige Zeitplan, so ein Sprecher, habe als frühesten Inbetriebnahmezeitpunkt für die Anlage in Tübingen 2014/2015 vorgesehen.

Nun gebe es „Überlegungen, den Zeitplan auf den Betriebsaufnahmetermin von S 21 auszurichten“. Dieser wird mit 2021 angegeben, eine Verspätung ist nicht ausgeschlossen. Die Vertagung habe keine grundsätzlichen Konsequenzen für das Projekt, so der Bahn-Sprecher. Das Baurecht liege vor und habe fünf Jahre Gültigkeit.