Stuttgart 21 Wenig Aussicht auf schnelle Lärmminderung

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Behörden in Freiburg und Bonn ringen um eine Lösung für den lauten Tunnelbau für Stuttgart 21 im Stadtbezirk Wangen. Die von der Bahn favorisierten nächtlichen Sprengungen stoßen aber auf Bedenken.

Die Arbeit der Stuttgart-21-Mineure in Wangen ist nachts zu laut. Foto: Lichtgut/Volker Hoschek
Die Arbeit der Stuttgart-21-Mineure in Wangen ist nachts zu laut.Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Stuttgart - Eine schnelle Lösung für die vom Baulärm geplagten Wangener zeichnet sich nicht ab. Die Bahn, die unter dem Stadtteil einen Tunnel für Stuttgart 21 baut, hatte gehofft, durch eine alternative Bauweise dem Lärmproblem Herr zu werden. Doch die nächtlichen Sprengungen, mit denen die Bahn die lauten Meißelarbeiten unter Tage überflüssig machen wollte, müssen genehmigt werden.

Die zuständige Behörde, das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg, scheint indes wenig geneigt, sich der Sichtweise der Bahn anzuschließen. Der Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung, steht nach Auffassung des LGRB „der Sprengung entgegen“. Damit deckt die im Mai 2007 erlassene Genehmigung zum Bau des gut 6000 Meter langen Tunnels nächtliche Sprengungen nicht mit ab. In der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr ist der Einsatz von Sprengstoff erlaubt, in den übrigen Nachtstunden muss gemeißelt werden. Dass sie auch nachts bauen müssen, haben Vertreter der Bahn diese Woche gegenüber Stadträten klar gemacht, die eine nächtliche Baupause ins Gespräch gebracht hatten. Zu aufwendig sei die Sicherung der Tunnelröhre während einer Unterbrechung. Außerdem würde eine verlängerte Bauzeit auch die Belastung der Anwohner in die Länge ziehen.

Experten halten auch die Sprengungen für zu laut

Die Freiburger Tunnelexperten bezweifeln, dass Sprengungen den Wangenern Linderung verschaffen. Sie stützen ihre Einschätzung auf ein von der Bahn beigebrachtes Gutachten. Die Expertise kommt zu dem Schluss, „dass die vom Eisenbahn-Bundesamt mit Planfeststellungsbeschluss festgelegten Anhaltswerte für Erschütterungen zum Schutz von Menschen in Gebäuden bei nächtlichen Sprengungen nicht eingehalten werden können“. Übersetzt: Auch Sprengungen würden die Anwohner der Baustelle über Gebühr belasten.

Das LGRB versucht nun zu ergründen, ob sich das Eisenbahn-Bundesamt dieser Sichtweise anschließt. Bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, steht in den Sternen. Ein Sprecher der Freiburger Behörde möchte den ganzen Vorgang über seine schriftliche Stellungnahme hinaus nicht kommentieren.

Bahn sucht Lösung in „intensiven Gesprächen“

Die Betroffenen sind das Warten schon gewöhnt. Zwischen den Messungen der Bahn, nach denen sie für sie selbst überraschend hohe Belastungen einräumte, und dem Antrag, statt meißeln zu müssen, sprengen zu dürfen, sind elf Tage ins Land gegangen. Die Bahn zeigt sich auf Rückfrage zuversichtlich, mit ihrem Lösungsvorschlag durchzudringen. „Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Sprengungen weniger und nur kurzzeitige Belastungen mit sich bringen“, erklärt ein Sprecher der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm. Man führe „intensive Gespräche“.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme beim Bau in Wangen gibt. Um zur Tunnelsohle vorzudringen hat die Bahn einen Schacht ausgehoben, von dem ein horizontaler Stollen zur eigentlichen Baustelle führt. Beim Graben kam den Mineuren aber mehr Wasser entgegen, als von den Planern prognostiziert. Die Bahn musste umplanen und den Tunnel auf einem dreieinhalb Kilometer langen Abschnitt bis zu vier Meter tiefer als vorgesehen graben.

Betroffene können weiter im Hotel schlafen

Bis sich Bahn, Eisenbahn-Bundesamt und das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau auf eine Lösung für das aktuelle Lärmproblem verständigt haben, können die Betroffenen auf Kosten der Bahn das Weite suchen. Bislang sind fünf Familien aus der Umgebung der Tunnelbaustelle in Hotels gezogen. „Solange die Beeinträchtigungen vorhanden sind, halten wir das Angebot aufrecht“, versichert der Sprecher der Projektgesellschaft.

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48 KommentareKommentar schreiben

Amüsant, wie aufgeregt die sog. Befürworter nun reagieren, weil sie selbst eingestehen müssen, daß das Versprechen eines Ex-OB, dessen Namen mir entfallen ist, sich nicht bewahrheitet, daß S21 so geräuschlos gebaut werden kann, daß man erst mal sein Ohr dem Gully leihen müßte, um überhaupt was zu hören. ... Lustig ist, daß einerseits PP von einer erbarmungswürdigen Kulanz seitens der Bahn spricht, wenn Leute ins Hotel ziehen "dürfen", Herr Biberle nun schnelle Sprengungen bevorzugt, um daß die Lärmbelästigungen ein Ende finden sollten, obwohl noch nicht mal klar ist, ob das Bergbau-Amt nicht nur wegen der Lärmbelästigung gegenüber den Anwohnern seine Genehmigung zu Sprengungen verweigert bzw. verzögert. Und lustig wird's vollends mit den vielen, vielen phantasievollen ICE-Trassen im Neckartal, die Herrn Biberle so vorschwebt. ... Man erkennt klar und deutlich die Nervosität, die Hektik und die Erkenntnis seitens der Bahn anhand der PR-Schreiber, daß es nicht so recht vorwärts geht bei S21. Und nun macht dummerweise ein anderes Amt auch noch fleißig seine ihm gestellten Hausaufgaben, was zu weiteren Zeitverzögerungen führt. So was aber auch! --- Oben bleiben!

Alternativen: Zynisch ist meiner Meinung nach, sich ungefragt zum Robin Hood der Lärmgeplagten zu erklären, statt ihnen konkret zu helfen, herumzuschwadronieren und auf den nahen Projektabbruch zu spekulieren. Pragmatisch ist, sich fürs auch nächtliche Sprengen einzusetzen und der Behörde Dampf machen, wenn das den Anwohnern entgegenkommt. Wenn das den Ablauf beschleunigt UND weniger nervig ist als Meißeln, beispielsweise durch Vereinbarung fester Spreng-Zeitpunkte, falls das möglich ist. Die Ohrstöpsel sind nicht zynisch gemeint, aus familiären Gründen will sicher nicht jeder ins Hotel. ----------- Denn was wäre die Alternative? Zwei neue K21 ICE-Trassen mitten durchs Neckartal, gebaut natürlich nur zwischen 9:00 - 16:30 Uhr? Und sämtlicher Bahnverkehr wird während der Bauarbeiten eingestellt, klar, dafür bauen wir dann 27 Jahre von 9:00 - 16:30 Uhr. Danach dann für immer die zusätzliche Lärmemissionen des Bahnverkehrs. Hmmmmm, wofür haben sich die Menschen im Neckartal also entschieden?

Konkrete Hilfe: Eine konkrete Hilfe wäre es wenn unsere Behörden gültiges Recht durchsetzen und den nächtlichen Baulärm beenden.

Ach Gottchen, wie interessant, wie ein Herr Biberle sein Studentenleben meisterte. Glückwunsch für ihn, daß er diese Zeit gut überstanden hat. Hier geht es aber um Anwohner, die unter einer permanenten Lärmbelästigung = KÖRPERVERLETZUNG leben müssen. Jetzt fehlt nur noch der PP'sche Begriff "Kulanz" der erbarmungswürdigen Bahn, welche sich herabläßt, den Leuten das Hotelzimmer zu bezahlen. Ja, ja, Herr Biberle und PP: Zynischer geht's immer, gell. Und dann wundern sich beide noch über den Vorwurf, daß sie ihrem Arbeitgeber Bahn ständig in den Rücken fallen, da sie mit ihrem zynischen Gesulze nur noch die Leute gegen sich und die Bahn aufbringen. ... Och, und Herr Biblerle weiß nicht mal, wie lange die Arbeiten seines Arbeitgebers Bahn noch andauern werden? Hat man ihn denn so schlecht informiert? Man faßt es nicht! ... Aber vielleicht liest Herr Biberle mal den anderen Artikel über das Bergbauamt in Freiburg, wo es regelrecht heißt, daß es in den Sternen steht, wann eine Genehmigung für Sprengungen in Wangen erteilt werden kann. Im übrigen geht es ja nicht nur um Wangen, sondern auch um die Bewohner am Pragtunnel und im Kernerviertel. Und bei letzterem stehen ja erst noch die Rammstöße an. Da werden wohl die nächsten Überraschungen anstehen, welche Biberle, PP & Co dann wieder heftigst verharmlosen oder gar ignorieren müssen. ... Die S21-Kritikerseite wird den kommenden Szenarien entspannt und gelassen entgegensehen. Freilich werden die Untertürkheimer das nicht so gelassen sehen, denn sie sind die nächsten, die mit diesen Problemen konfrontiert werden. Einen Vorgeschmack haben ja schon die Bewohner der kleinen Siedlung an der Gaggenauer Straße erleben dürfen. --- Oben bleiben!

Schön wäre es: wenn die "Kritikerseite" mal überhaupt irgendwas entspannt und gelassen sehen würde. Grundsätzlich liest man bei der kleinsten Meldung entweder nervöse Hetze oder völlig übertriebene Endzeitszenarien. Es sollte unter den Anwohnern doch jetzt hinreichend bekannt sein, dass lärmintensive Bauarbeiten anstehen. Also kann man sich darauf einstellen, zum Beispiel mit dem frühzeitigen Kauf von Oropax. Das hat nichts mit Zynismus zu tun, sondern das hilft schlicht gegen Lärm. Man kann vom mündigen Bürger durchaus mehr Pragmatismus erwarten, als das bei den S21 Gegnern der Fall ist. Zudem bietet die Bahn wie oben gelesen Ausweichquartiere an. Es ist sicher noch immer ein Umstand für die betroffenen Bewohner, aber immer noch besser als schlecht zu schlafen. Und würde ich jeden Montag lärmend durch die Straßen ziehen, wäre ich vorsichtig mit Vorwürfen wie "Lärmbelästigung = Körperverletzung". Ein Tunnelbau ist sicher nicht zu vergleichen mit einer Gruppe Spaßmacher, die Polizisten mit ihren Trommeln und Trillern die Ohren zerstören!

"Also kann man sich darauf einstellen, zum Beispiel mit dem frühzeitigen Kauf von Oropax.", das wäre doch die Idee für einen Doktor gewesen, Oropax zu kaufen und an die von S21 leidgeplagte Bevölkerung zu verteilen.

Wieso sollte ich das tun?: Ich denke, die meisten Menschen sind doch erwachsen genug, um alleine für sich sorgen zu können. Nur weil man Vegetarier ist, muss man auch nicht jedem Gemüse kaufen. Ich denke, man kann sich als Betroffener durchaus auf Baumaßnahmen einstellen. Schließlich überlebt man auch, wenn in der Straße die Rohre getauscht werden.

Auch für Sie: wie unten für Herrn Biberle: Oropax ist gegenüber Vibration untauglich.Wenn nicht im Allgemeinwissen verankert, dann hilft Ausprobieren. Selbiges geht- noch nicht - in Sachen Hochschulzugangsberechtigung. Bei Promotionen kann man sich dann schon durch Guttenbergen- oder weniger ausgeprägt- durch v.d.-Leiern helfen. Oder gleich- wie Sie ja vor Jahren schon selbst eingestanden haben- durch Vortäuschen. Was zählt da schon der § 130 StGB.

Zynismus: "Ohrstöpsel & Ohren zuhalten" es ist schon ein ekelhafter Zynismus, den hier die Proler und Lohnschreiber gegenüber betroffenen Menschen absondern. Ein weiterer Beweis dafür, dass diese Menschen entweder nicht in Stuttgart wohnen oder für ihre Ergüsse bezahlt werden.

Ohrstöpsel oder Hotel: Als ich als Student ein paar Jahre in der Schwabstr. wohnte, half Oropax. Was mich interessiert: Wie lange gehen die Arbeiten in dieser Intensität denn in Wangen noch? Würde Sprengen die Arbeiten verkürzen? Hilft Oropax bei der Art der Vibrationen? Ok, Hotel ist natürlich besser.

Hilft Oropax : Nein ,hilft nicht gegen Vibration. Wo haben Sie denn Ihre Hochschulzugangsberechtigung her ?

die hat er bekommen: weil oropax und murphys gesetz nicht zu dem wissen das für eine hochschulgangserechtigung notwendig ist gehören.

Orthographie und Wahrscheinlichkeitsrechnung: für eine FH-Graduierung offensichtlich auch nicht,was mich schwer wundert.So wie fehlende Kenntnis eben jener Ohrstöpsel,deren Markennamen ähnlich einer bekannten Papiertaschentuchmarke inzwischen eben als Synonym benutzt wird.Ich hätte auch sagen können " Selectone nutzen nichts gegen Vibration ", was nun wieder Ihnen vermutlich überhaupt nichts sagen dürfte.

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