Stuttgart 21 Wölfle: Grube schafft Fakten
Thomas Braun, vom 07.05.2010 14:35 Uhr
Stuttgart - Nach Ansicht des Fraktionschef der Grünen im Stuttgarter Rathaus, Werner Wölfle, will die Bahn mit der offiziellen Einleitung des Ausschreibungsverfahrens für die im Zuge von Stuttgart 21 notwendigen Tunnelbauten Fakten schaffen. "Die Antwort auf meinen Appell, Vergaben beim Projekt Stuttgart 21 entweder unter Vorbehalt zu stellen oder zu verschieben, bis alle finanziellen, technischen und juristischen Fragen geklärt sind, kann sich Bahn-Chef Grube nun sparen", so Wölfle, der kürzlich einen entsprechenden Brief an den Konzernchef geschrieben hatte.
Die Deutsche Bahn (DB) hat jetzt die Bedingungen für interessierte Baufirmen im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Dabei geht es um den Bau des knapp zehn Kilometer langen Fildertunnels zwischen Hauptbahnhof und Flughafen inklusive Rettungsstollen sowie der beiden sechs Kilometer langen Röhren nach Unter- und Obertürkheim. Die Kosten für den Tunnelbau sind bis zur geplanten Fertigstellung 2017 auf zirka 1,7 Milliarden Euro veranschlagt.
In der Bekanntmachung der DB wird das Tunnelbohrverfahren ausdrücklich offengelassen: Demnach könnte sowohl die in der Baugenehmigung festgeschriebene sogenannte Neue Österreichische Tunnelbauweise als auch ein maschineller Tunnelvortrieb zum Einsatz kommen. Letztere Methode würde die Bauzeit erheblich verkürzen, bedarf allerdings einer Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt. Den Ausschreibungsunterlagen zufolge verläuft der Fildertunnel zu 40 Prozent durch riskante, weil quellfähige Gesteinsschichten, die Tunnels nach Unter- und Obertürkheim sogar zu 80 Prozent.
Für den Grünen Wölfle ist die Ausschreibung ein Zeichen von Sturheit: Die Bahn fahre "volle Kraft voraus in den Gipskeuper". Vor diesem Hintergrund bemängelte er, dass der Bauherr ausgerechnet bei der Druckfestigkeit der Tunnelwände abspecken wolle, um Kosten zu sparen.
Unterdessen hat der Projektsprecher und Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler (SPD) noch einmal betont, dass die geplante Fällung von 282 teilweise jahrzehntealten Bäumen im Schlossgarten, die der Baugrube für den Tiefbahnhof weichen sollen, nicht innerhalb der Vegetationsphase und damit nicht vor Anfang November erfolgen werde. Zugleich erklärte Drexler, die Bäume würden nicht alle auf einmal abgeholzt, sondern analog zum Baufortschritt. Die genauen Termine dafür müssten erst noch ermittelt werden.