Stuttgart - Der sogenannte Lenkungskreis für das Projekt Stuttgart 21 hat am Freitag dem Vorschlag von Verkehrsministerin Tanja Gönner zugestimmt, ein zweites Gleis zum geplanten Flughafenbahnhof zu verlegen. Damit soll die vom Züricher Verkehrsgutachterbüro SMA als Schwachstelle benannte Verbindung zwischen der ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke und dem neuen Fernbahnhof entschärft werden (die Stuttgarter Zeitung berichtete).
Die Kosten für eine zweigleisige Variante inklusive Verbesserung der Signaltechnik werden auf rund 35 Millionen Euro veranschlagt. Ob sich diese Kostenschätzung halten lässt, bleibt abzuwarten: Für die Nachbesserung müssen zum Beispiel unter den Hallen der neuen Landesmesse hindurch Tunnels gegraben werden. Finanziert werden sollen die Zusatzkosten aus dem Risikofonds für das Bahnprojekt.
Der Lenkungskreis, dem neben Ministerpräsident Stefan Mappus auch Bahn-Chef Rüdiger Grube, der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und die Regionaldirektorin Jeanette Wopperer angehören, ließ mitteilen, die Deutsche Bahn werde in den kommenden Wochen die Umsetzung prüfen. Unterdessen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die am Donnerstag veröffentlichte Stellungnahme von SMA zur seiner als geheim klassifizierten Untersuchung über Stuttgart 21 als "Wortakrobatik" kritisiert. Die Gutachter wollten offenbar ihr vernichtendes Urteil von 2008 "in einem besseren Licht erscheinen lassen", erklärte der BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. Zugleich würden die Argumente der Projektgegner auch in dem aktuellen SMA-Papier bestätigt. Frieß: "SMA gibt zu, dass die Infrastruktur von Stuttgart 21 knapp bemessen ist und es vor allem am Flughafen zu Engpässen kommen wird."