Stuttgart 21 Zwischen Meilenstein und Tunnel-Tamtam

Am Donnerstagmorgen wird der Fildertunnel für Stuttgart 21 im Stadtteil Fasanenhof getauft. Die Projektgegner lassen an der Veranstaltung kein gutes Haar. Für Befürworter ist es ein Freudentag.

Der Bau des Fildertunnels beginnt. Foto: Achim Zweygarth
Der Bau des Fildertunnels beginnt.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Markige Worte von den Projektgegner bilden die Begleitmusik zur Tunneltaufe für Stuttgart 21 am Donnerstagmorgen im Stadtteil Fasanenhof. Die Schutzgemeinschaft Filder (SGF) nennt die Veranstaltung ein „törichtes Tunnel-Tamtam“, mit dem „geschickt von der Fragwürdigkeit des Gesamtprojekts“ abgelenkt werden solle, sagt Steffen Siegel, Vorsitzender der SGF.

Kritik an OB Kuhns Auftritt

Ins selbe Horn stößt Matthias von Herrmann, Sprecher der Initiative Parkschützer. „Da wird mächtig Wind gemacht für ein Projekt, das nicht von der Stelle kommt“, erklärt er. Weder seien Fragen des Brandschutzes noch der Finanzierung endgültig geklärt, „aber man baut halt mal munter drauf los“, so von Herrmann. Besonders verärgert zeigt er sich über Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), der bei der Taufe des mehr als neun Kilometer langen Fildertunnels auf der Rednerliste steht. Das Stadtoberhaupt sei angetreten, den Bürgern zuzuhören und kritisch auf das Projekt zu blicken. „Davon ist aber nichts zu merken“, bemängelt von Herrmann. Die Innenstadt und das Nordbahnhofviertel würden zusehends unter den Folgen der Baustelle leiden. „Aber Kuhns Bürgermeister Schairer stellt massenhaft Sondergenehmigungen aus.“ Um auf diese Probleme aufmerksam zu machen, sollen die zwei kommenden Montagsdemos statt auf dem Marktplatz im Nordbahnhofviertel stattfinden.

Ganz andere Töne schlagen erwartungsgemäß die Befürworter der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens an. Thomas Bopp, der Präsident der Regionalversammlung, sprach am Montag angesichts des Tunnelanstichs und des bevorstehenden Baubeginns im Mittleren Schlossgarten von zwei Meilensteinen des Projekts. Wolfgang Dietrich, Sprecher des Kommunikationsbüros der Bahn, hebt auf die Symbolkraft des Fildertunnels ab. Natürlich benötige das Projekte alle geplanten Tunnel, aber die Röhre zwischen Innenstadt und der Filderebene bilde einen zentralen Baustein. In Tülay Schmid, der Gattin des baden-württembergischen Wirtschafts- und Finanzministers und ausgewiesenem Projektbefürworter Nils Schmid (SPD), hatte die Bahn nach einigem Suchen auch eine Patin für den Tunnel gefunden. Sie nimmt am Donnerstagvormittag die Taufe in der Baugrube am Schelmenwasen am Südrand der Stuttgarter Markung vor.

Die Polizei sieht sich gerüstet

Ob sich die Ministergattin ihren Weg zum Patenamt durch ein Spalier an lautstark protestierenden Projektgegner wird bahnen müssen, bleibt abzuwarten. „Wir haben auf unserer Internetseite mobilisiert“, sagt Matthias von Herrmann, der aber vorsichtig mit einer Prognose bleibt, wie viele Demonstranten tatsächlich den Weg auf den Fasanenhof finden werden. Bei der Tunneltaufe in Wangen im Dezember vergangenen Jahres hatten Protestierer die Zufahrt zum Veranstaltungsort blockiert und zeitweise auch den Stadtbahnverkehr vor Ort zum Erliegen gebracht.

„Die beiden Örtlichkeiten sind gar nicht miteinander zu vergleichen“, sagt der Polizeisprecher Olef Petersen. Das Gelände in Wangen sei von mehreren Seiten zugänglich gewesen, anders als die Baustelle auf dem Fasanenhof. Die Polizei sei aber aufgestellt, und geht „davon aus, dass sich Demonstranten einfinden werden“.

Galgenhumor bei den Projektgegnern

Die Gegner wiederum scheinen sich auf einen längeren Aufenthalt einzurichten. Unter dem Motto „Eure Taufe stinkt zum Himmel“ werden Protestierer aufgefordert, zum Fasanenhof zu kommen und auch „Klobürsten fürs Weihwasser, Glocken statt Pfeifen und Gebetsteppiche zum Verweilen“ nicht zu vergessen.

Mit Blick auf das von ihm immer noch für möglich gehaltene Scheitern von Stuttgart 21 flüchtet sich Matthias von Herrmann in Galgenhumor. Der Fildertunnel könne ja immer noch als Straßenverbindung von der City auf den Fasanenhof dienen. „Oder man hat dann halt einen sehr lang gestreckten Weinkeller.“