Stuttgart 21 Zwist wegen der Betriebsqualität
Jörg Nauke, 22.11.2011 07:09 Uhr
Die Bahn und der Gutachter SMA weisen dem Tiefbahnhof eine "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität nach. Foto: AP
Die Bahn und der Gutachter SMA weisen dem Tiefbahnhof eine "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität nach. Foto: AP
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Stuttgart - Neben den Kosten für Stuttgart 21 ist die Leistungsfähigkeit des neuen Durchgangsbahnhofs das große Streitthema. Die Frage, ob er ausreichend dimensioniert ist, um in den nächsten 100 Jahren den wachsenden Öffentlichen Nahverkehr abzuwickeln, ist die wichtigste überhaupt, denn Kostenexplosionen können bewältigt werden; ist der Bahnhof aber erst einmal unter die Erde verlegt, kann er kaum mehr erweitert werden.

Die Frage, ob Stuttgart 21 besser ist als der bestehende Kopfbahnhof, wurde vom Verwaltungsgerichtshof zugunsten der Tiefstation beantwortet. Grundlage dafür war ein Gutachten der Uni Stuttgart. In der Schlichtung waren aber Zweifel angemeldet worden, ob ein Bahnhof mit acht Gleisen, also halb so viele wie der Kopfbahnhof vorweist, eine höhere Leistungsfähigkeit haben kann, wenn man Engpässe im Zu- und Ablauf nicht unberücksichtigt lässt. Befürworter und Gegner verständigten sich auf einen Stresstest, in dem nachgewiesen werden sollte, dass 30 Prozent Leistungszuwachs gegenüber heute möglich seien.

Bahn bleibt bei ihren Aussagen zur Leistungsfähigkeit

Die Bahn und der Gutachter SMA wiesen eine "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität nach; Verspätungen würden im Mittel zwar nicht abgebaut, nähmen aber auch nicht zu. Der Bahnhof sei leistungsfähiger als der bestehende und für die Fahrgäste auch viel komfortabler. Der Stresstest sei bestanden, sagt die Bahn.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern namens Wikireal.org die Kritik des Aktionsbündnisses gegen S 21 aus der Stresstestdebatte erneuert. Sie sagt, der Tiefbahnhof sei durch den Stresstest gefallen. In wirtschaftlich optimaler Qualität könnten nur etwa 32 Züge in der Spitzenstunde bewältigt werden, deutlich weniger als im Kopfbahnhof. Die Wissenschaftler sagen, die Bahn habe mit unzulässigen Prämissen gearbeitet. Die Bahn wiederum weist die Vorwürfe vehement zurück - und bleibt bei ihren Aussagen zur Leistungsfähigkeit.

Kommentare (128)
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NOV
27
Michael Best, 14:08 Uhr

WICHTIG: ► Bei der Abstimmung geht es NUR um den Kellerbahnhof und NICHT um die Schnellfahrstrecke Stuttgart – Ulm!

Viele Bürger stehen dem geplanten Kellerbahnhof in Stuttgart kritisch gegenüber, wollen jedoch, dass die Neubaustrecke Stuttgart – Ulm gebaut wird. Dies haben sich die Deutsche Bahn und die Profiteure des Kellerbahnhofs in ihrer Medienkampagne geschickt zu Nutzen gemacht und behaupten, beide Projekte wären untrennbar miteinander verbunden. Diese Behauptung ist aber FALSCH und ein plumper Versuch, Stimmen für Stuttgart 21 zu erschwindeln! Sowohl planungsrechtlich, als auch finanziell und geographisch handelt es sich um zwei getrennte Projekte. Dies hat auch Bundesverkehrsminister Ramsauer noch vor wenigen Monaten klipp und klar so betont! ► Die Neubaustrecke kann sowohl an den bestehenden Kopfbahnhof („K20“) als auch an einen modernisierten Kopfbahnhof („K21“) angebunden werden – ohne Zeitverlust für die Reisenden, denn der Zeitgewinn findet auf der Strecke statt und nicht im Bahnhof! Über die mögliche Anbindung der Neubaustrecke an K21 informiert diese Broschüre (auf Seite 8): ► http://tinyurl.com/6reevaq ◄ Wenn durch Verzicht auf den vermutlich 6,5 Milliarden teuren Kellerbahnhof der Verkehrsetat entlastet wird, bestehen erheblich bessere Chancen, dass die Neubaustrecke finanzierbar wird! ► Wer die Neubaustrecke befürwortet, aber vom Stuttgarter Kellerbahnhof nicht überzeugt ist, stimmt am Sonntag mit [x] JA!

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NOV
25
phil55, 12:28 Uhr

Transparenz und Kundennutzen?

Zwischen technischer Machbarkeit, Transparenz und Kundennutzen - Der "Stresstest" für das Projekt "Stuttgart 21" ___ von Peter Reinhart ___ Eisenbahn-Revue International, 7/2011 ___ Textauszug mit Anmerkungen: _____________________________________________________________ ... „Während andere moderne Großknoten wie Berlin überdimensioniert wirken, sind in Stuttgart Jahre der Planung und Optimierung an einigen Stellen offenbar zu weit gegangen.“ ... ___ das ist also das wirkliche fachliche Fazit! ___ _____________________________________________________________ ... „Dennoch entstand eine nicht zu unterschätzende Lösung, die baulich für zukünftige Erweiterungen vorbereitet ist.“ ... ___ das jetzige S21 genügt maximal gegenwärtigen Ansprüchen, da unstrittig eine zukünftige Nachrüstung notwendig wird! (eine außerplanmäßige Kostensteigerung, somit als Hinweis auf eine weitere Kostentäuschung zu betrachten!) _____________________________________________________________ ... „Gleichzeitig ziehen DB, Land, Bund, Stadt, Region und Flughafen an einem Strang“ ... ___ Das ist fachlich irrelevant - da eine rein politische Aussage. ___ _____________________________________________________________ ... "und investieren in ein Eisenbahnprojekt, das weit über eine bloße Grundsanierung hinausgeht." ... ___ Gleiches ließe sich auch über K21 sagen. ___ _____________________________________________________________ Fazit: der rein fachliche Teil ist wertungsneutral gehalten und nachvollziehbar. Das vorliegende fachliche Fazit bestätigt einen grundlegenden Mangel bei der S21-Bahnhofs-Optimierung. Eine zusammenfassende Parameter-Matrix mit Vor- und Nachteilen von S21 im Vergleich zu K21 wurde nicht erstellt. Somit fehlt die Grundlage für eine vergleichende Bewertungs-Matrix. Der Nachweis des besseren verkehrlichen oder wirtschaftlichen Nutzens von S21 bezüglich K21 wurde im Beitrag NICHT erbracht! _____________________________________________________________ Die Fachliche Kernaussage lautet sinngemäß: „in Stuttgart ist in den Jahren der S21-Planung, die wirtschaftlich Optimierung (die aufwandstechnische Reduzierung) an einigen Stellen offenbar zu weit gegangen“. „die entstehende S21-Lösung kann nur bedingt als moderne Lösung dargestellt werden, da das erforderliche Zukunftspotential derzeit eine Leerposition ist. Um zukünftigen Ansprüchen zu genügen, ist eine Erweiterungs-Stufe bei der S21 Verkehrs-Infrastruktur unumgänglich“. Diese fachliche Kernaussage wäre unstrittig, und sollte folglich Bestandteil eines seriösen Fazits sein! _____________________________________________________________ http://spdnet.sozi.info/bawue/kvessl/ovessl/dl/Fakten_zum_Stresstest.pdf

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NOV
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Nadja Müller, 19:19 Uhr

Nicht die Wahrheit zählt, sondern was in den Medien geschrieben wird! Nachdenkliches zum Thema Stresstest

„.... Ende Juni 2011 musste sich abzeichnen, dass der Gutachter später keinen "Stresstest" testierte und auch keine "Premium"-Qualität und kein "Bestanden". Die Gefahr war groß, dass mit der bevorstehenden Veröffentlichung des Stresstests Kritiker, die auf diese Punkte hinweisen, die öffentliche Meinung bestimmen könnten. Es gehört zu dem grundlegenden Handwerkszeug eines PR-Beraters, dass er in dieser Situation Gelegenheit sucht, die öffentliche Meinung zu "primen" (Stichworte "Priming", "Agenda setting"). Würde es gelingen, schon im Vorfeld die öffentliche Meinung mit dem Begriff "Stresstest bestanden" zu 'impfen', dann würde später jedes einigermaßen positiv klingende Testat als Bestätigung dieses Prädikats verstanden. Bahn-Vorstand Volker Kefer lud am 23.06.2011 deshalb "ausgewählte Journalisten" in den Bahn-Tower in Berlin ein "und verkauft ihnen den Stresstest als erfolgreich bestanden". Prompt wurde getitelt "Stuttgart 21 besteht Stresstest" und dabei zitiert aus dem "Umfeld der Bahn". Mehrere Blätter verbreiteten die Nachricht in ähnlichem Ton. Öffentlich behauptete die Bahn hingegen, die Ergebnisse nicht gestreut zu haben. Obwohl dies nicht vom Auditor testiert worden war, setzte sich später der Begriff "Stresstest bestanden" durch. Das gelang umso einfacher, als die meisten Journalisten wenig Erfahrung mit der Leistungsfähigkeit von Bahnhöfen haben. Umso fahrlässiger ist es eine unbelegte Behauptung als Faktum zu präsentieren. So sehr dieser Schachzug den PR-Strategen der Bahn gelang, so sehr hat er auch die Qualität des deutschen Journalismus entzaubert. ...“ ●●● http://de.wikireal.org/wiki/Stuttgart_21/Stresstest ●●●

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