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Stuttgart aktiv Ein Verein von Jugendlichen für Jugendliche
Albrecht Conrad, 04.02.2012 08:00 Uhr
Gemeinsames Musizieren ist nur eine von vielen Aktivitäten. Foto: privat
Gemeinsames Musizieren ist nur eine von vielen Aktivitäten. Foto: privat

S-Mitte - Auch das ist eine gute Nachricht: Diesem Verein mangelt es nicht an Nachwuchs. Während des Gesprächs schauen alle paar Minuten Jugendliche zur Tür herein. Und Ernst Strohmaier, der Geschäftsführer des Vereins Deutsche Jugend aus Russland (DJR), ist auch für alle zu sprechen. Kleinere Fragen, wie die der beiden Mädchen nach der Benutzung des Billardraumes, beantwortet er sofort. Für größere Themen wie den Umgang mit einem Behördenschreiben will er sich später Zeit nehmen.

In den Räumen der DJR in der Landhausstraße 5 ist jede Menge Betrieb. Und den machen nicht nur russischstämmige Jugendliche. Die Besucher, die sich durch den engen Flur drücken, tragen auch albanische, libanesische, deutsche und andere Namen. Diese prinzipielle Offenheit ist Strohmaier ein wichtiges Anliegen. „Trotz unseres Namens sind wir nicht landsmannschaftlich organisiert“, sagt er. Zudem achte der Verein streng auf überparteiliches und überkonfessionelles Auftreten. „Hier kann jeder mitmachen.“

Es machen viele mit: 1150 Mitglieder hat der Verein. Bei seiner Gründung 1999 habe der Verein vor allem als Ziel gehabt, die russlanddeutschen Jugendlichen aufzufangen, sagt Strohmaier. Die Trennung von der Heimat raube so manchem Mädchen und Jungen den Halt. Solche Jugendliche versuche die DJR an die allgemeine Jugendarbeit heranzuführen.

Das sei auch gelungen, meint Strohmaier. Bei der DJR werde die Jugendarbeit von den Jugendlichen selbst geplant, organisiert und durchgeführt: Fußballturniere, Ausflüge, Tanz, Musikgruppen und Begegnungswochenenden mit internationaler Besetzung. „Bei uns ergreifen die Jugendlichen selbst die Initiative.“

Als eines von vielen Beispielen nennt er die Jugendgruppen der DJR, die sich an den deutschlandweiten Wettbewerben im Improvisationstheater Kivin beteiligen. Spontan spielen die Jugendlichen humorvolle Szenen zu einem vorgegebenen Thema. Damit treten sie auf der Bühne und vor Publikum gegen andere Mannschaften an. Eine Jury benennt die Siegergruppe, die an der nächsten, überörtlichen Runde teilnehmen darf. „Die Idee dazu kommt aus Russland“, erzählt Strohmaier, „und es ist inzwischen zu einer richtigen Bewegung geworden“. Bis zu 800 Zuschauer kämen in Stuttgart zu diesen Theaterwettbewerben. „Die Säle sind immer voll.“

Ein zweiter Schwerpunkt der DJR sei die Jugendhilfe. Hier gehe es um pädagogische und soziale Arbeit, für die Strohmaier als Pädagoge verantwortlich zeichnet. Beständige Beratung organisiere der Verein ebenso wie zahlreiche Projekte.

Mit Blick auf die Jugendhilfe erwähnt Strohmaier das Patenschaften- und Mentorenprogramm als Beispiel. Dieses Projekt erreiche derzeit fast 140 Jugendliche, denen die Integration schwerfalle. Die ehrenamtlichen Paten stünden Jungen und Mädchen zur Seite, die als gefährdet gälten oder schon straffällig geworden wären. „Vom Besuch im Gefängnis bis zur ehrenamtlichen Bewährungshilfe ist alles dabei.“ Einzelne Jugendliche sollten selbst in ihrer Freizeit als Mentoren für Gleichaltrige da sein. „Wer Verantwortung übernehmen kann, ist gleich ein anderer Mensch.“

Vielleicht rührt daher auch die offene Stimmung in der Geschäftsstelle der DJR. Sie hat auch Arliud Bujupaj angelockt. „Die Atmosphäre ist nett. Meine Kumpels sind auch hier“, sagt der 19-Jährige, dessen Familie aus Albanien kommt. Er freut sich vor allem, bei der DJR mit Jugendlichen aus allen möglichen Ländern zusammen zu kommen. „Vor kurzem haben wir einen Ausflug nach Augsburg organisiert mit Fußballturnier und Stadtbesichtigung.“ Die Initiative zählt hier, wie beim Abschied auch ein Blick in den Billardraum zeigt: Die beiden Mädchen haben inzwischen begonnen, den Boden zu saugen.

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