Andy Brenner hat Nachwuchsbands aus der Region unterstützt, bis er mit 38 Jahren starb. Im LKA haben sich die Musiker von ihm verabschiedet.

Digital Desk: Jörg Breithut (jbr)

Stuttgart - Sabine Lamitschka genießt den Moment, der sie an gute Zeiten erinnert. Sie verdrängt die Trauer und ist stolz auf die Spuren, die ihr Freund hinterlassen hat. Sabine Lamitschka hat sich am Bühnenrand unter das Publikum gemischt. Sie hält eine Bierflasche in der Hand und wippt im Takt. Sie beobachtet den Auftritt von Semtex, einer Band aus Ulm. Der Sänger schreit ins Mikrofon: „Uns gibt es nicht mehr, und trotzdem sind wir hier.“ Die harten Gitarrenriffs der Band brüllen aus den Boxen. Eigentlich hatten sich die Musiker vor einigen Jahren getrennt, für diesen Abend jedoch haben sie sich wiedervereint. „Semtex war Andys Baby, er hätte sich gefreut, die Band heute Abend spielen zu sehen“, sagt Sabine Lamitschka. Sie war die langjährige Lebensgefährtin von Andy Brenner, der im Alter von 38 Jahren gestorben ist.

 

Knapp 600 Gäste sind am Freitagabend ins LKA Longhorn gekommen, um sich von Andy Brenner zu verabschieden. Auch seine Eltern und sein Onkel sind dort. Auf einer Leinwand über der Bühne leuchten Bilder aus Fotoalben der Familie und von Freunden. Sie zeigen einen lebenslustigen jungen Mann mit Kinnbart, Piercings in Augenbraue und Unterlippe, die Backen leicht errötet. Auf einem Bild posiert er kahlgeschoren vor der Kamera, auf einem anderen fallen die lockigen Haare bis zur Schulter hinab. Man sieht ihn am Mischpult stehen, beim Feiern mit Freunden. Andy Brenner war kein Rockstar, keine Legende. Er war ein Musikliebhaber, der sich in Stuttgart und der Region für junge Bands einsetzte. Diese Bands und viele Freunde haben beim Konzertabend „Stuttgart brennt - Tribute to Andy Brenner“ von ihm Abschied genommen. Bei einer Trauerfeier zwischen Bier und Boxentürmen.

End of Green verzichtet auf Härte in den Liedern

Paul Woog versagt die Stimme, als er den Auftritt des Jazzmusikers Mini Schulz ankündigt. Woog war der Leiter des Popbüros in Stuttgart, als Andy Brenner dort arbeitete uns sich um den Bühnensound kümmerte und um die Technik, Workshops leitete und Konzerte organisierte. Paul Woog erinnert sich gerne an die Zeit mit Andy Brenner zurück. „Er hat die Musik geliebt, war selbstlos und verlässlich“, sagt Woog. „Ich vermisse ihn.“ Zusammen mit vier weiteren Freunden von Andy Brenner hat er das Konzert organisiert. „Das hätte er sich so gewünscht“, sagt Woog. Fünf Euro zahlten die Gäste für das Konzertticket im LKA, gespendet wird das Geld an das Kinderhospiz in Stuttgart.

Die Band End of Green nimmt an diesem Abend die Härte aus ihren Liedern. Sie sitzen auf Barhockern, die E-Gitarren haben sie gegen akustische Instrumente getauscht. Sie spielen ruhige Versionen ihrer Metalsongs. Die Musiker aus Stuttgart haben Andy Brenner viel zu verdanken. Michael Setzer, der Gitarrist der Band, sagt: „Er hat uns unterstützt, als kein Veranstalter irgendwas mit uns machen wollte.“ Vor knapp zehn Jahren hatte Brenner die jungen Musiker für sich entdeckt. Er buchte die Band bei verschiedenen Konzerten als Vorgruppe ein und organisierte immer größere Auftritte. Mittlerweile haben sich End of Green einen Namen erspielt in der Metalszene. Sie standen gemeinsam mit Iggy Pop, In Extremo und Subway to Sally auf der Bühne. Ihr aktuelles Abum landete auf Platz 17 der Albumcharts. „Andy hat maßgeblich zu unserem Erfolg beigetragen“, sagt Michael Setzer.

Sieben Jahre lang hat Sabine Lamitschka ihren Freund Andy Brenner begleitet. Anfangs sahen sich die beiden meist nur am Wochenende, weil er häufig mit den Bands unterwegs war. Er kaufte sich eine Musikanlage, damit er sie den Musikern leihen konnte. „Er hat auch zuhause immer von seiner Arbeit geschwärmt“, sagt Sabine Lamitschka. Sie war für ihn da, auch als er nicht mehr die Kraft hatte, seinem Hobby nachzugehen. Im Februar 2007 brach Andy Brenner nach einem epileptischen Anfall zusammen. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte bei ihm einen Gehirntumor. Vier Jahre lang kämpfte er gegen den Krebs, bis er im Dezember vergangenen Jahres an den Folgen der Krankheit starb.