Stuttgart-Degerloch Zusammen ist man im Coworking-Büro weniger allein

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Seit einem Jahr gibt es das Coworking-Büro Profitable an der Epplestraße in Stuttgart-Degerloch. Hier treffen sich Selbstständige und Freiberufler, die nicht immer nur alleine von zu Hause aus arbeiten wollen. Anfangs hatte der Geschäftsführer zu kämpfen, mittlerweile hat er große Pläne.

Frederik Metzger ist seit Kurzem selbstständig. Er hofft, im Coworking-Büro andere Selbstständige kennenzulernen. Foto: Julia Bosch
Frederik Metzger ist seit Kurzem selbstständig. Er hofft, im Coworking-Büro andere Selbstständige kennenzulernen. Foto: Julia Bosch

Degerloch - Mit einem klassischen Großraumbüro hat das Coworking-Büro Profitable an der Epplestraße in Degerloch wenig zu tun. Der Eingang liegt etwas versteckt in einem Hinterhof; wenn man die Treppe hochläuft in die erste Etage, hat man das Gefühl, als wäre man auf dem Weg zu Freunden nach Hause. Hinter der Tür verbirgt sich ein großer, hell eingerichteter Raum mit großen Fenstern. In dem offenen Büro stehen 13 höhenverstellbare, breite Schreibtische. Die Einrichtung ist hochwertig, es gibt eine voll ausgestattete, großzügige Küche, zwei unterschiedlich große Besprechungsräume sowie verschiedene Rückzugsmöglichkeiten.

Seit Mitte Februar 2016 gibt es das Coworking-Büro namens Profitable in Degerloch. Beim Konzept Coworking nutzen verschiedene Personen gemeinschaftlich Büroräume, in denen sie flexibel einen Schreibtisch mieten können.

Wichtig sind der Austausch und der Kontakt untereinander, auch wenn man nicht direkt zusammenarbeitet. Die Nutzer mieten die Schreibtische für einen ­bestimmten Zeitraum oder an zuvor festgelegten Tagen.

Hier kommt man in Kontakt mit anderen Selbstständigen

An jenem Freitag ist wenig los. Außer dem Geschäftsführer Dominik Schleicher ist lediglich ein Coworker da. „Freitags ist ein ruhiger Tag“, sagt der Freiberufler Frederik Metzger. „Sonst sind mehr Leute da.“ Der 35-Jährige arbeitet seit Kurzem selbstständig als Unternehmensberater für kleine Firmen. Über die Zeit bemerkte er, dass es nicht sein Ding ist, ausschließlich alleine von zu Hause aus zu arbeiten. „Wenn man selbstständig ist, bedeutet Netzwerken alles“, sagt er. „Aus diesem Grund entschloss ich mich, zumindest hin und wieder in einem Coworking-Büro zu arbeiten, um in Kontakt mit anderen Selbstständigen zu kommen.“ Er entschied sich für das Büro in Degerloch – auch aufgrund der großen Schreibtische und der guten Ausstattung.

Der Geschäftsführer des Degerlocher Coworking-Büros, Dominik Schleicher, unterteilt die klassischen Coworker in drei Gruppen: Kreative wie Grafikdesigner, Menschen aus dem Technikbereich wie Programmierer und „Businessleute“ wie Berater oder Projektmanager.

Die Anfangszeit war hart

Er selbst gehört zu den „Businessleuten“: Der 30-jährige Wirtschaftsingenieur entwickelt als Unternehmensberater digitale Geschäftsmodelle. „Freiberufler arbeiten fast immer mit anderen Freiberuflern zusammen“, weiß er. So brauche es für fast alle Projekte jemanden, der sich mit IT auskenne, einen, der von Wirtschaft Ahnung habe und einen, der das Projekt gut vermarkten kann. „Wer in einem Coworking-Büro arbeitet, hat die Hoffnung, hier Kollegein zu finden für bestimmte Projekte oder gemeinsam neue Ideen zu entwickeln“, sagt Schleicher.

Als das Büro Profitable Mitte Februar 2016 eröffnete, hatte Schleicher zunächst zu kämpfen: „Die erste Zeit war hart, anfangs war ich meist alleine mit einem anderen Coworker.“ Zwar seien immer wieder Interessierte für Besichtigungen vorbeigekommen – doch bis diese dann tatsächlich zum ersten Mal zum Arbeiten kamen, seien Monate vergangen. „Es gab anfangs auch ein Henne-Ei-Problem“, sagt Schleicher. „Viele Interessierte wollten her kommen, weil sie nicht nur alleine von zu Hause aus arbeiten wollten – aber es gab eben auch noch keine wirkliche Gemeinschaft.“

Die meisten Coworker sind um die 30

Im Sommer sei dann der Knoten geplatzt: „Auf einmal waren es täglich fünf bis sechs Leute, die kamen“, sagt Schleicher. Im Laufe des Herbsts seien es dann noch mehr geworden, sodass im Dezember 2016 täglich beinahe jeder Platz belegt war. Derzeit seien es wieder etwas weniger, doch das bereitet Schleicher keine Sorgen: „Die Fluktuation gehört zum Coworking dazu.“

Mittlerweile habe sich laut dem an diesem Tag anwesenden Coworker Frederik Metzger eine echte Gemeinschaft gebildet: „Hier sind alle per Du, und mittags gehen wir eigentlich immer gemeinsam essen.“ Die meisten Coworker in dem Degerlocher Büro seien etwa in seinem Alter – also „um die 30 herum“. Dass er mit einem anderen Coworker ein Projekt gemeinsam umgesetzt habe, bei dem auch Geld floss, sei bei ihm bisher noch nicht vorgekommen – bei anderen aus dem Büro allerdings schon.

„Die Lage in Degerloch ist ein Vorteil“

Fast alle von denen, die das Coworking-Büro Profitable nutzen, kommen von der Filderebene, sagt Schleicher: „Die Lage in Degerloch ist ein Vorteil.“ Die Coworker können bequem mit der Stadtbahn oder dem Auto anreisen, ohne durch den Stuttgarter Kessel fahren zu müssen.

Für die Zukunft hat Schleicher noch viele Ideen: Künftig will er abends hin und wieder sogenannte Impulsveranstaltungen anbieten, bei denen jemand einen kurzen Vortrag hält und anschließend gemeinsam diskutiert werden soll. Im Sommer soll es Grillabende geben und öfter mal nach Feierabend die Möglichkeit zum gemeinsamen Bier. Und wenn diese Konzepte aufgehen und es weiterhin gut läuft – dann könnte er sich auch vorstellen, zu expandieren.

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