Molde - Jedes Jahr reisen etwa zwei Millionen deutsche Urlauber nach Norwegen, um zu angeln, die Hurtigruten entlangzuschippern oder sich am Nordkap die Mitternachtssonne anzuschauen. Zwei Millionen sind eine stattliche Zahl. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Zahl von heute an signifikant steigen wird. Denn wer die begeisternden Schilderungen des neuen Tourismusbeauftragten Norwegens, einem gewissen Kjetil André Rekdal, über seine Heimatregion um Molde liest, wird sich sofort auf den Weg machen. "Diese Fjorde, diese Berge, diese Natur: wunderschön", schwärmt Rekdal, "außerdem haben wir gerade ein Bombenwetter."
Zu beneiden sind demnach all jene, die derzeit in Molde weilen. Also auch die Mannschaft des VfB Stuttgart, die heute in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League im Hinspiel beim örtlichen Club FK Molde antritt - im schicken kleinen Akerstadion, direkt am Moldefjord gelegen. Was die Reise der Stuttgarter neben der schönen Umgebung zusätzlich versüßen könnte, weiß Rekdal übrigens auch.
Molde hat viele Schwächen
In seinem Hauptberuf ist der 41-Jährige nämlich gar nicht Tourismusbeauftragter: der Exbundesligaprofi von Hertha BSC und Extrainer des 1. FC Kaiserslautern arbeitet als Coach von Moldes Lokalrivalen Aalesunds FK. Weil Rekdal aber in der Umgebung von Molde aufwuchs und beim FK seine Laufbahn begann, ist er nicht nur Experte für Wandertouren, sondern auch für Stärken und Schwächen des aktuellen Tabellen-13. der norwegischen Liga.
Wobei sein Expertenwissen sich derzeit vor allem auf die Schwächen bezieht. "Der VfB muss beim Gegner auf gar nichts achten", betont Rekdal. "Der Klassenunterschied ist riesengroß. Im Hinspiel werden sie noch kämpfen und keine Schießbude sein. Spätestens im Rückspiel werden sie dann aber wohl mindestens drei Tore kassieren. Es wäre ein Wunder, wenn Molde weiterkommen würde."
Harte Worte sind das. Gestützt werden sie allerdings durch die Statistik. Von den bisherigen 18 Ligapartien konnte Molde nur vier gewinnen und muss sogar um den Klassenverbleib bangen. Zudem bedeuten 35 Gegentore den zweitschlechtesten Wert aller 16 Mannschaften. Drei Torhüter setzte der schwedische Trainer Kjell Jonevret schon ein - alle patzten schwer.